Cernier

Ehemalige politische Gemeinde NE, Bezirk Val-de-Ruz, seit 2013 mit Boudevilliers, Chézard-Saint-Martin, Coffrane, Dombresson, Engollon, Fenin-Vilars-Saules, Fontainemelon, Fontaines (NE), Le Pâquier (NE), Les Geneveys-sur-Coffrane, Les Hauts-Geneveys, Montmollin, Savagnier und Villiers Teil der neuen Gemeinde Val-de-Ruz. C. umfasste neben dem Dorf im Talboden (750-800 m) den Weiler Montagne de C. auf 1190 m. 1324 Cernies. 1531 29 Haushaltungen; 1750 279 Einw.; 1850 633; 1900 1'361; 1920 1'563; 1950 1'440; 2000 1'921. Unerforschte röm. Fundstelle. C. gehörte zur Herrschaft Valangin, dann zur gleichnamigen Mairie. Die Kirche Notre-Dame war Filiale der Pfarrei Fontaines, die um 1535 zur Reformation übertrat. Seit 1875 ist C. eine selbstständige Pfarrei. Eine kath. Kirchgemeinde besteht seit 1908. Bis 1870, als sich eine Handelsfirma für Stoffe und Möbel (1886 Umwandlung zur Möbelfabrik) niederliess, blieb C. ein vorwiegend bäuerl. Dorf. Seit 1877 ist C. Bezirkshauptort (1877-1935 Präfektur), heute auch Sitz des Bezirksgerichts. Interkommunale Sekundarschule (1880), heute Schulzentrum La Fontenelle (seit 1972) mit Schülern aus elf Gemeinden. 1885 wurde eine zunächst gemeindeeigene Landwirtschaftsschule eröffnet, die 1886 an den Kanton überging. Um 1900 wies C. zahlreiche Handelsgeschäfte auf und erhielt 1911 eine Agentur der Kantonalbank. Zu Beginn des 20. Jh. änderte die Siedlungsstruktur von C., indem die Rue Frédéric-Soguel zur Hauptstrasse wurde. Parallel zu ihr verlief der Régional du Val-de-Ruz, eine 1903 erstellte Schmalspurbahn zwischen Les Hauts-Geneveys (Bahnhof SBB) und Villiers, die 1948 durch den Trolleybus und 1986 durch den Autobus ersetzt wurde. 1960 setzte eine rege Bautätigkeit mit der Errichtung von Mehrfamilienhaus- und Villenquartieren ein. Der Handel nahm zu und C. entwickelte sich zum Zentrum des Val-de-Ruz.


Literatur
– E. Quartier-La-Tente, Le canton de Neuchâtel, 1915, 83-162
Kdm NE 3, 1968, 222-232

Autorin/Autor: Maurice Evard / AA