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Radó, Sándor

geboren 5.11.1899 Budapest,gestorben 20.8.1981 Budapest, konfessionslos, Ungar. Sohn eines Geschäftsmanns und einer Wäschenäherin. ∞ 1923 Helene Jansen, aus Frankfurt am Main. Schwager von Hermann Scherchen. 1918 Eintritt in die Kommunist. Partei Ungarns, Mitglied der Roten Armee. Nach dem Sturz der Räteregierung 1919 Flucht nach Wien. 1922 Übersiedlung nach Deutschland. 1924 Abschluss des Geografiestud. in Leipzig. 1933 Flucht nach Paris. 1935 Eintritt in den Nachrichtendienst der Roten Armee. 1936 Übersiedlung nach Genf und Gründung der Nachrichtenagentur Geopress. 1938 Ernennung zum Leiter des sowjet. Nachrichtendienstes in der Schweiz. Als Mitglied der Widerstandsorganisation Rote Kapelle übermittelte R. unter den Decknamen Dora und Albert mittels dreier sowjet. Radiosender in Genf und Lausanne geheime Pläne der dt. Kriegsführung. Ende 1943 flog das Unternehmen auf; R. tauchte ab und floh im Sept. 1944 nach Frankreich. 1947 wurde er in Abwesenheit zu drei Jahren Gefängnis und 15 Jahren Landesverweis verurteilt. 1948 verschwand er in einem sowjet. Arbeitslager, kam 1955 im Zuge der Entstalinisierung frei und kehrte nach Ungarn zurück, wo er als Kartograf wirkte.


Werke
Deckname Dora, 1971
Literatur
Les grands espions de la Seconde Guerre mondiale, hg. von A. Demazière, 2 Bde., 1974
– U. Schneider, «Kartographie als imperiale Raumgestaltung. Alexander (Sándor) R.s Karten und Atlanten», in Zeithist. Forsch. 3, 2006, H. 1

Autorin/Autor: Zoltán Kaszás