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Cressier (NE)

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Polit Gem. NE, Bez. Neuenburg. Dorf am Jurafuss, am Rand der von Hochwasser bedrohten Zihlebene gelegen. Zur Gem. gehört der Weiler Frochaux. 1180 Crisciaco. 1750 432 Einw.; 1850 607; 1900 794; 1950 957; 1970 1'530; 2000 1'923.

1 - Urgeschichte

In den Jahren 1936 und 1937 legten Paul Vouga und Samuel Perret in La Baraque im Wald von Eter auf einer Höhe von 730 m einen Grabhügel aus der mittleren Bronzezeit (C) frei, der aus alpinem Kieselgestein und Jurakalk bestand. Er wies einen Durchmesser von 12 m und eine Höhe von 2 m auf. In einem Grab mit einer Einfassung aus behauenen Steinen lag ein Mann, dem der Schädel angebohrt worden war. Aus seinen Grabbeigaben - Fibel, Beil, Dolch und einem Ring aus verziertem Gold - geht hervor, dass es sich um eine hochrangige Persönlichkeit gehandelt haben muss.

Im gleichen Grabhügel wurden am Ende der Eisenzeit (Hallstatt D) ein Mann, dem eine bikonische Vase beigegeben worden war, sowie zwei Frauen bestattet. Eine der Frauen trug eine Gürtelschnalle und zwei ziselierte Armbänder mit Stempelenden aus Bronze, die andere zwei Armbänder aus Bronze sowie an jedem Arm eines aus Lignit, ausserdem eine Gürtelschnalle und Bronzeringe. Zwei 1940 in unmittelbarer Umgebung des Hügels durchgeführte Sondiergrabungen brachten Steinpflaster und Spuren von Feuerstätten aus der Bronze- und der Hallstattzeit zutage, die auf die damalige Besiedlung verweisen. Zudem zeugen ausgedehnte Hügel und Terrassierungen von einer Besiedlung von der Bronze- bis zur Römerzeit. 1892 wurden in einer Kiesgrube zwischen Cornaux und C. sechs in der Erde bestattete Skelette gefunden: Eines trug drei Bronzearmreifen mit Stempelenden, das andere einen Armreif aus Lignit, der aus der Hallstattzeit stammt. 1908 wurde am gleichen Ort ein mit Bronze überzogenes und mit Streifen verziertes Armband ausgegraben, das der frühen Latènezeit zugeschrieben werden kann. Als letztes fand man vor 1870 in den Weinbergen von C. eine Silbermünze aus der jüngeren Latènezeit, einen Quinarius. Die Münze wird den pictones zugeschrieben, einem kelt. Volk, das im heutigen Poitou (F) lebte.

Autorin/Autor: Hervé Miéville / GG

2 - Gemeinde

Zwischen 1212 und 1220 umzäunten die Einwohner von C. ihre Allmend. Ab dem 14. Jh. waren die meisten Fam. Bürger von Le Landeron. Gleichzeitig entwickelte sich die Gem. C., die zur Kastlanei Le Landeron gehörte. Die Einwohner von C. gehörten auch zum Burgrecht, das Gräfin Isabelle von Neuenburg und Solothurn 1373 abgeschlossen hatten. C. bildete mit Enges eine Pfarrei. Der Bf. von Lausanne schenkte 1180 die oberhalb des Dorfes stehende Kirche von C. der Abtei Fontaine-André. Ab 1329 konnte diese den Pfarrer unter ihren Mönchen auswählen. In der Reformationszeit verhinderten Solothurn und die mächtige Fam. Vallier die Einführung des neuen Glaubens. Damit blieben die Region C. und Le Landeron als einzige in der Grafschaft Neuenburg katholisch. Ein neues Gotteshaus, welches wie das alte dem hl. Martin geweiht war, wurde 1872 an der Stelle einer Rosenkranzkapelle errichtet. Ab 1630 befand sich am Ufer der Zihl eine Gerberei, in deren Gebäude später eine Indienne-Fabrik eingerichtet wurde (1728-63). Nach ihrer Schliessung wurde C. wieder zum Bauern- und Winzerdorf. Kleine Uhrenunternehmen waren ebenfalls angesiedelt. Am ländl. Charakter änderte vorerst auch der Bau eines an der Linie Neuenburg-Biel gelegenen Bahnhofs (1859) nicht viel. Nach 1945 entstanden eine kartoffelverarbeitende Fabrik und eine Pumpenfabrik. 1966 wurde eine Ölraffinerie von Shell (seit 2000 wird sie Le Hollandais Petroplus gen.) errichtet, die direkt mit Fos-sur-Mer bei Marseille verbunden ist (Pipelines Süd Européen und Neuenburger Jura). Das Unternehmen beschäftigte 1984 240 Personen, im Jahr 2000 197.

Autorin/Autor: Germain Hausmann / GG

Quellen und Literatur

Literatur