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Greuter, Bernhard

geboren 20.2.1745 Ulisbach (Gem. Wattwil), gestorben 11.9.1822 Islikon (Gem. Gachnang), ref., von Kefikon (Gem. Gachnang), Islikon und ab 1816 von Frauenfeld. Sohn des Konrad, Reisläufers und Händlers. ∞ 1773 Maria Magdalena Wettstein, Tochter des Heinrich, Wirts. Ausbildung als Hauslehrer. G. war zuerst als Arbeiter in Kattundruckereien tätig. Um 1765 liess er sich in Kefikon nieder und eröffnete eine Textilfärberei und -druckerei. Nachdem er 1773 in das Gasthaus seines Schwiegervaters nach Islikon gezogen war, baute er sein Textilgewerbe sukzessive aus. 1777 errichtete er an der Taverne zum Stern in Islikon eine der ersten Fabriken der Schweiz. Im frühen 19. Jh. hatte sich eine dorfartige Fabrikanlage gebildet. Die Wasserkraft bezog G. aus künstlich angelegten Weihern. 1796 gründete er zusammen mit den Brüdern Rieter aus Winterthur eine Handelsgesellschaft, die im 19. Jh. als Greuter & Rieter zu einem der bedeutendsten Textilunternehmen der Schweiz wurde. 1802 rief er für die Drucker- und Modelstechergesellschaft die erste private Sozialversicherung (Krankenkasse, Militärversicherung, Alterssparkasse usw.) der Schweiz ins Leben. 1805 eröffnete G. ein Zweiggeschäft seines Betriebs in Frauenfeld, 1806 erfolgte die Filialgründung Ziegler-Greuter & Cie. in Guebwiller im Elsass. Um 1830 zählte die Greuter'sche Fabrik in Islikon rund 300 Beschäftigte. In den 1870er Jahren geriet das Unternehmen in Schwierigkeiten und wurde 1880 stillgelegt. 1798 nahm G. Einsitz im sog. Landeskomitee, 1798-1800 war er helvet. Grossrat, 1803-22 Thurgauer Kantonsrat. Der Gebäudekomplex des Greuterhofs in Islikon gehört seit 1981 der Stiftung Bernhard Greuter für Berufsinformation.


Literatur
– J. Ganz, «Die Greuter'sche Fabrik in Islikon», in Archithese, Nr. 5, 1980
– H. Amann, «Bernhard G.», in Toggenburger Annalen 20, 1993, 69-75

Autorin/Autor: Verena Rothenbühler