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Plater, Wladyslaw

geboren 7.11.1808 Vilnius, gestorben 22.4.1889 Kilchberg (ZH), kath., Pole. Sohn des Kazimierz, Grundbesitzers. Graf, auch Broel-P. genannt. ∞ 1844 Karoline Bauer, Schauspielerin, geschieden von Leopold von Sachsen-Coburg, späterer Kg. von Belgien. Als Abgeordneter des poln. Reichstags emigrierte P. nach dem Aufstand 1830-31 nach Frankreich. 1833-36 gab er die Monatszeitschrift "Le Polonais: journal des intérêts de la Pologne" sowie 1841-48 die "Dziennik Narodowy" ("Nationalzeitung") heraus. P. lebte ab 1844 in der Schweiz und liess sich 1846 in seiner Villa Broelberg bei Zürich nieder und war dort Nachbar von Conrad Ferdinand Meyer. 1863 gehörte er der Hilfsorganisation Schweiz. Zentralkomitee für Polen in Zürich an, als dessen Sekr. Gottfried Keller fungierte. 1864 war P. Agent der Landesregierung in der Schweiz und gab 1864-65 deren Organ "Der Weisse Adler" heraus bzw. 1866-70 die "Niepodległość" ("Unabhängigkeit"). Ebenfalls 1864 organisierte er eine Stipendienkommission für junge Polen, welche die sog. Rapperswiler Stipendien vergab. 1870 gründete P. im Schloss Rapperswil (SG) das poln. Landesmuseum mit Bibliothek und Archiv als kulturelles und polit. Zentrum im Ausland. Die 1927 in die Nationalbibliothek nach Warschau transportierten Sammlungen wurden im 2. Weltkrieg von den Nazis verbrannt.


Literatur
– A. Lewak, Gottfried Keller und der poln. Freiheitskampf vom Jahre 1863/64, 1927
Polski Słownik Biograficzny 26, 1981
– C.F. Meyer, Sämtl. Werke 15, 1985, 188 f., 664-668

Autorin/Autor: Halina Florkowska-Frančić / CN