Bagocki, Sergius

geboren 11.8.1879 Opotschka (Gouvernement Pleskau, Russland),gestorben 1953 Moskau, uniert, Russe. Sohn des Justyn, Arztes. ∞ 1) Nathalie Freudenson, 2) 1914 Regina Birnbaum, Österreicherin. Medizinstud. in St. Petersburg und Kiew. Ab 1904 revolutionäre Betätigung in Warschau. 1905 verhaftet und nach Sibirien deportiert, floh er nach Krakau, wo er ab 1909 sein Stud. fortführte. Mitglied der Sozialdemokrat. Partei des Königreichs Polen und Litauens sowie der Krakauer Union zur Unterstützung polit. Gefangener. B. stand Lenin und Nadeschda Krupskaja sehr nahe, denen er half, sich in Krakau niederzulassen. Ab 1914 in der Schweiz, setzte er sein Stud. fort, um dann (April 1915-Jan. 1916) als Neurologe (Volontär) in der Psychiatr. Klinik Wil (SG) zu arbeiten. 1915-18 Vorsteher der Liga schweiz. Hilfsvereine für die polit. Gefangenen in Russland. 1917 wirkte er als Sekr. und später Präs. des Zentralkomitees für den Heimtransport der russ. Flüchtlinge an der Rückkehr Lenins und von dessen Mitstreitern mit. Anfangs 1918 kehrte er mit dem dritten Heimschaffungszug nach Russland zurück und arbeitete einige Monate in Moskau in der Abt. Schulhygiene des Kommissariats für Volksaufklärung. Im Aug. 1918 kam er als Vertreter des Russ. Roten Kreuzes beim IKRK wieder in die Schweiz, wo er mit der Unterstützung der russ. Kriegsgefangenen in den Staaten der Mittelmächte und dem Heimtransport von russ. Soldaten aus Frankreich beauftragt war. Anlässl. des Ausweisung der Sowjetmission unter Jan Antonovic Berzin wurde das Büro B.s durchsucht. B. durfte aber in der Schweiz bleiben, wo er nach dem Abbruch der diplomat. Beziehungen zwischen der Schweiz und der UdSSR eine Art halboffizieller Vertreter der Sowjetregierung wurde. Mehrfach griffen ihn rechte Kreise heftig an, insbes. 1929, als er in Genf eine Ausstellung über den Kinderschutz in der UdSSR durchführte. 1932 gründete er in Bern eine Sektion des Neuen Russlands. Im Mai 1937 wurde er nach Moskau zurückgerufen. Über sein weiteres Leben ist wenig bekannt.


Archive
– BAR
Literatur
Lenin. Unbekannte Briefe 1912-1914, hg. von L. Haas, 1967
Schweiz - Russland, bearb. von A. Fleury, D. Tosato-Rigo, 1994
– P. Huber, Stalins Schatten in die Schweiz, 1994, 411 f.

Autorin/Autor: Halina Florkowska-Francic / EB