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Chaux-de-Fonds, La

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Polit. Gem. NE, Hauptort des Bez. La C. Die im Jura nahe der Grenze zu Frankreich und im muldenförmigen Hochtal von La C. gelegene Stadt liegt auf fast 1000 m. 1900 kam die Gem. Les Eplatures hinzu. 1350 La Chaz de Fonz, 1378 Chault de Font. Die schachbrettartig konzipierte Stadt - von nationaler Bedeutung - widerspiegelt eine der konsequentesten Stadtanlagen in der Schweiz des 19. Jh.

La C. erfuhr im 19. Jh. einen bedeutenden Wachstumsschub. Mit einem jährl. Anstieg von 17o/oo verdreifachte sich die Bevölkerung zwischen 1850 und 1910. Diese Entwicklung stand in einem engen Zusammenhang mit derjenigen der Uhrenindustrie und gründete auf dem starken Zuzug von Bewohnern v.a. aus dem Kt. Bern. 1880 waren 30% der Bevölkerung deutschsprachig.

Bevölkerung La Chaux-de-Fonds
JahrEinwohner
1531ca.    35
1615 355
1661 495
1715 702
17502 363
17753 234
18004 927
18255 858

Jahr 18501880a191019301950197019902000
Einwohner 12 63823 81837 75135 25233 30042 34736 89437 016
SpracheFranzösisch 16 08932 36330 76128 81831 76229 87331 653
 Deutsch 7 4214 3833 5593 3052 9031 191 900
 Italienisch  263 911 8011 0505 6802 0011 335
 Andere    45    94 131 1272 0023 8293 128
Religion, KonfessionProtestantisch 20 00629 91427 30623 87721 97913 96311 425
 Katholischb 3 1606 0776 5198 10018 14214 37911 320
 Andere  6521 7601 4271 3232 2268 55214 271
 davon ohne Zugehörigkeitc      6 79010 059
NationalitätSchweizer11 08420 68133 21832 64431 26532 92227 68927 106
 Ausländer1 5543 1374 5332 6082 0359 4259 2059 910

a Einwohner, Nationalität: Wohnbevölkerung; Sprache, Konfession: ortsanwesende Bevölkerung

b 1880-1930 einschliesslich der Christkatholischen; ab 1950 römisch-katholisch

c zu keiner Konfession oder religiösen Gruppe gehörig

Quellen:AEN; BFS

1 - Vorgeschichte und Altertum

Einige Funde in der Bichon beim Doubs lassen auf eine menschl. Präsenz bereits im späten Paläolithikum schliessen (10300-9000 v.Chr.). 1956 fand man einen Menschenschädel und andere Knochenteile, die zum Typus des Cro-Magnon-Menschen gehören. In einer anderen Höhle, der sog. Grotte des Boîtiers, fand man ebenfalls Überreste aus dieser Epoche. Zeugnisse späterer Kulturen kamen hingegen keine zum Vorschein.

Autorin/Autor: Jean-Marc Barrelet / SK

2 - Mittelalter bis 16. Jahrhundert

Die zur Herrschaft Valangin gehörende Region wurde erst spät besiedelt. Die ersten Siedler kamen um die Mitte des 14. Jh. aus dem südlich gelegenen Val-de-Ruz. Im 15. und 16. Jh., während einer zweiten Besiedlungsphase des Jura, kamen die Einwanderer aus dem sog. Clos de la Franchise, d.h. aus den Tälern von Le Locle und La Sagne, die 1372 von Johann II. von Aarberg Freiheiten empfangen hatten. Die Kolonisatoren liessen sich im heutigen Gebiet von La C. nieder, das in zehn Zehntbezirke gegliedert war. Haupttätigkeit war die Viehwirtschaft. Die verzögerte kommunale Entwicklung lässt sich z.T. aus den fehlenden polit. und kirchl. Strukturen erklären: Es gab in La C. keine Kirche, keine Mairie und keinen Gerichtsort. Die Gebietsumschreibung blieb unklar, v.a. im Osten, wo die Grenze zum Fürstbistum Basel nicht genau definiert war. Eine erste, dem hl. Humbert (Imier?) geweihte Kirche wurde 1528 durch den Ebf. von Besançon, Pierre Tassard, im Namen des Bf. von Lausanne eingeweiht. Um 1530 wurde La C., wie das übrige Gebiet der Herrschaft Valangin, reformiert. Der Herr von Valangin, René de Challant, legte 1550 die Grenzen der Pfarrei fest. In dieser entstand eine kleine Gemeinde aus Bürgern von Valangin, abgabenpflichtigen Bauern sowie Bauern, die wegen ihrer Rodungstätigkeit besser gestellt waren (francs-habergeants). 1616 wurde La C. hinsichtlich der niederen und mittleren Gerichtsbarkeit von Le Locle und La Sagne abhängig; die hohe Gerichtsbarkeit blieb in Valangin. Die Landwirtschaft, ergänzt durch Mühlen am Ufer des Doubs, dominierte weiterhin. La C. wurde auch zum wichtigen Kreuzungspunkt im Verkehr zwischen Neuenburg und der Freigrafschaft Burgund bzw. dem Fürstbistum Basel.

Autorin/Autor: Jean-Marc Barrelet / SK

3 - 17. und 18. Jahrhundert

Möglicherweise führte der Dreissigjährige Krieg (1618-48) zu einem ersten Wachstum von La C., dessen geogr. Lage den Handel begünstigte. Nach mehreren Anfragen erhielten die Einwohner das Recht, eine eigene Mairie einzurichten: Am 2.12.1656 unterzeichnete der Fürst von Neuenburg, Henri II. d'Orléans-Longueville, die entsprechende Urkunde. Damit wurde aus der Pfarrei auch eine Verwaltungseinheit (Gemeinde) und ein eigener Niedergerichtsbezirk (Mairie). Die Gemeinde konnte nun drei Jahrmärkte und einen Wochenmarkt abhalten. Ihr Territorium wurde durch das Gebiet von Boinod im Süden leicht erweitert. Der Neuenburger Gouverneur Jakob von Stäffis (Stavay-Molondin) ernannte Abraham Robert (1619-79), Notar und Sekretär des Staatsrats, zum Maire. Robert überprüfte die Rechtstitel und verfasste die "Description de la frontière des Montagnes de Valangin". Eine erste Gemeindeschule wurde 1688 eröffnet.

Die in mehreren Höfen erhaltene Bausubstanz lässt auf einen relativen bäuerl. Reichtum im 17. Jh. schliessen. Die Entwicklung des Handwerks blieb dagegen bescheiden. Andere Wirtschaftszweige entfalteten sich erst im 18. Jh. mit der Spitzenklöppelei und der Uhrmacherei. Letztere breitete sich von Genf kommend der Jurakette entlang aus und wurde zur Zusatzbeschäftigung von Bauern und Handwerkern. Hinzu kamen qualifizierte Schmiede und Schlosser, die eingeführte Metalle verarbeiteten. Um die Mitte des 18. Jh. zählte man im Gebiet von La C. rund 500 Spitzenklöpplerinnen. Bis 1800 sank deren Zahl auf 300, da die Uhrmacherei, welche sich schon in vorindustrieller Zeit als wichtige Branche etablierte, die Spitzenfabrikation stark konkurrenzierte. Die Uhrenherstellung erfolgte vom Beginn des 18. Jh. an im arbeitsteiligen System des établissage, einer speziellen Form des Verlagssystems. La C. war bekannt für seine Pendulen, die auf den Jahrmärkten angeboten wurden. Um 1750 zählte man 68 Penduliers, 8 Kunstschreiner und 4 Bronzegiesser. Einige Penduliers aus La C. wurden berühmt: so Josué Robert, königl. Uhrmacher, oder Pierre Jaquet-Droz und seine Familie, bekannt für ihre Automaten. Freizügige Bestimmungen förderten die Einwanderung von Arbeitern aus der Schweiz, v.a. aus Genf, und aus der Freigrafschaft Burgund zur Verstärkung des einheim. Handwerks. Die Uhrmacher entwickelten eine eigene Kultur, welche die Mentalität und Lebensweise im kleinen Ort allmählich veränderte.

Die in der Compagnie du village vereinigten Unternehmer kümmerten sich auch um die städt. Infrastruktur und Entwicklung. Allerdings führte die unterschiedl. Rechtsstellung von Dorfgenossen (Bürger, francs-habergeants) und Hintersassen (übrige Einwohner) zu sozialen Spannungen. Auch die Bürger von Valangin und von Neuenburg standen innerhalb des Fürstentums nicht auf derselben Stufe. Diese Spannungen und die regen Kontakte mit der Freigrafschaft erklären den starken Widerhall der Franz. Revolution im Neuenburger Jura. Insbesondere in La C. verbreitete ein starker patriot. Verein das revolutionäre Ideengut. Infolge heftiger Repression zogen 1793 viele Uhrmacher nach Besançon, wo zwischen den Jahren II und IV des Revolutionskalenders (Sept. 1793 bis Sept. 1795) mehr als 1'800 schweiz. Uhrmacher als Zuzüger registriert wurden. Die grosse Feuersbrunst von 1794 in La C. erschien manchen als Strafe Gottes. Mit Hilfe des Staatsrats und unter Führung des graveur Moïse Perret-Gentil wurde die Stadt nach Plänen, die den Kern der modernen Stadt vorzeichneten, rasch wiederaufgebaut. Anstelle der alten Kirche wurde ein neues Gebäude in ovaler Form errichtet. 1803-05 entstand das Rathaus.

Autorin/Autor: Jean-Marc Barrelet / SK

4 - 19. und 20. Jahrhundert

Während der 1. Hälfte des 19. Jh. änderten sich die polit. Verhältnisse in La C. kaum. Die Bürgerschaft von Valangin wurde zur konservativen Kraft; die Erlangung des Bürgerrechts war beschwerlich und kostspielig. Die Last des Wiederaufbaus liess die Steuern steigen. Unverändert blieben auch die kommunalen Einrichtungen; einzig 1812 kam die neu gegr. Gem. Les Planchettes zur Mairie La C. Dagegen verdoppelte sich mit der Industrialisierung die Bevölkerung zwischen 1815 und 1849. Charles-Henri Junod, Brücken- und Strasseninspektor, schlug 1835 eine neue Stadtplanung vor: Die Erweiterung sollte im Schachbrettmuster dem Tal entlang erfolgen.

Nach der Krise von 1816-17 wurde die Uhrmacherei zum dominierenden Wirtschaftszweig. 1847 waren ca. 4'000 Personen direkt in der Uhrenindustrie beschäftigt, d.h. fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Diese Entwicklung führte auch zu den ersten Industrie- und Handelsorganisationen: 1819 wurde ein Büro für Edelmetallkontrolle eröffnet. Die Arbeitsteilung wurde verstärkt, und weitere städt. Ateliers nahmen den Betrieb auf. Die Krisenjahre 1837-39 und 1847-48 liessen unter den Unternehmern den Wunsch nach mehr Handelsfreiheit laut werden; sie wandten sich gegen die Konservativen, denen sie eine Monopolisierung des Bankkapitals vorwarfen. Die polit. Ereignisse von 1848 erwuchsen somit auch aus der wirtschaftl. Entwicklung sowie einem sozialen und kulturellen Wandel: Im frühen 19. Jh. waren mehrere ref. Kirchen, eine kath. Pfarrei (1834) und auch eine kleine jüd. Gemeinde entstanden. 1819 waren eine Freimaurerloge, 1830 der republikan. Zirkel "L'Union" und 1845 eine deutschsprachige Sektion des Grütlivereins gegründet worden. Damit kamen fortschrittl. und republikan. Ideen in Umlauf. Neben den Schulen entstanden erste kulturelle Institutionen wie die Bibliothek, das Theater oder die von Célestin Nicolet ins Leben gerufene lokale Sektion der "Société des sciences naturelles". Karitative Organisationen kümmerten sich um Gesundheit und Lebensbedingungen der Bevölkerung.

Nach der Neuenburger Revolution vom 1.3.1848 wurde La C. zum wirtschaftl. Zentrum des Kantons und entwickelte sich zur modernen Stadt. La C. wurde zudem Bezirkshauptort und Sitz des Regierungsstatthalters (bis 1990). Die alte Bürgergemeinde überlebte zwar bis 1888, wurde aber 1851 durch die Einwohnergemeinde abgelöst. Der 40-köpfige Generalrat (Legislative) der Stadt wurde im allg. Wahlrecht gewählt und wählte seinerseits die sieben Mitglieder umfassende Exekutive. Die Radikalen dominierten das polit. Leben bis in die 1890er Jahre. Sie wurden durch die Liberalen bekämpft, deren Anhänger sich v.a. aus dem ehemaligen Bürgertum rekrutierten, sowie durch die ersten, von Pierre Coullery angeführten Sozialisten (zur I. Internationale zählte 1865 eine Sektion mit ca. 250 Mitgliedern). Als Stadt und zugleich grösste Agrargemeinde des Kantons gab sich La C. eine moderne Infrastruktur: u.a. Telegraf (1852), Eisenbahn (1857), Kanalisation. Die Trinkwasserzufuhr aus der Areuse markierte 1887 einen wichtigen Schritt in der Stadtentwicklung.

Trotz der Krisen, die das 19. Jh. prägten, war die Stadt gemäss einem Zitat von Karl Marx (1867) zu einer einzigen grossen Uhrenfabrik geworden, die aufgrund ihrer Urbanität, aber auch wegen ihrer Funktion als Schmelztiegel mit einer amerikan. Stadt verglichen werden konnte. Der Aufschwung der Uhrenfabrikation (1870 4'505 von 8'954 Beschäftigten) zog viele Zuwanderer an, meist Schweizer, später in der Baubranche tätige Italiener. Aus dem Elsass eingewanderte Juden bildeten eine wirtschaftlich und kulturell wichtige Gemeinschaft, die 1896 eine grosse Synagoge einweihte. Ende des 19. Jh. kam es in der Uhrenfabrikation zur tiefgreifenden Umstrukturierung von der dezentralen Produktion zur mechanisierten Herstellung in kleinen Fabriken. Gleichzeitig entstanden Berufsverbände und Gewerkschaften. 1900 wurde die Schweiz. Uhrenkammer gegründet

Der Einfluss der Uhrmacherei machte sich auch in kulturellen und Bildungsbereichen bemerkbar. 1850 wurde die alte Erziehungskammer ersetzt durch eine Erziehungskommission. Die Behörden setzten alles daran, neue Schulen einzurichten, so die 1876 gegründete Industrieschule, die 1900 zum Gymnasium wurde und in deren Gebäuden auch Bibliothek und Museen untergebracht sind. Die 1865 gegründete Uhrmacherschule wurde später durch ein Technikum und eine Kunstgewerbeschule für die Ausbildung von Goldschmieden und Graveuren ergänzt. Hier unterrichteten auch Charles L'Eplattenier und Le Corbusier, deren Werke das Stadtbild beeinflussten; Beispiele sind die Türkische Villa (1917) von Le Corbusier oder das Kunstmuseum (1926) der Architekten René Chapallaz und Charles L'Eplattenier. Eine Handelsschule wurde 1913 eingeweiht.

Trotz zunehmender Zahl der Gotteshäuser und religiöser Gemeinschaften - 1853 wurde eine dt. Kirche gebaut, nach dem Brand von 1919 der Grand Temple 1920-21 wiederhergestellt, die Union chrétienne durch Pfarrer Paul Pettavel ins Leben gerufen - entfremdete sich in La C., wie in andern Industriestädten, die Bevölkerung allmählich von der Kirche. Dagegen kam es zu einer wachsenden Aktivität in Vereinen, Museen, Musiklokalen und Theatern und zu neuen Formen der Freizeitbeschäftigung, z.B. in Sportklubs.

Die Jahrhundertwende war gekennzeichnet von gravierenden sozialen Konflikten, die im von der SP und der Arbeiterunion unterstützten Maurerstreik von 1904 ihren Höhepunkt fanden. Mit der Einführung des Proporzes auf Gemeindeebene lösten 1912 die Sozialdemokraten die zuvor politisch dominierenden Radikalen ab. 1918 erhöhte man die Zahl der Generalräte von 40 auf 41. 1917 kam es wegen des Kriegs und der schwierigen Lage zu neuen Spannungen. Zweimal wurde die Stadt nach Kundgebungen gegen den Krieg und zur Unterstützung des Sozialdemokraten Ernest Paul Graber militärisch besetzt. Trotz der Gründung des Parti progressiste national unter dem Anwalt Arnold Bolle und der KP, mit Jules Humbert-Droz als Leitfigur, behielt die von Charles Naine geführte SP in den Wahlen von 1921 die Mehrheit. In der Zwischenkriegszeit entwickelte sich eine starke Genossenschaftsbewegung. Nach dem Verbot der KP erhielt die 1944 aus dieser hervorgegangene PdA ab 1948 einen Sitz im Stadtrat, neben zwei Sozialdemokraten, einem Radikalen und einem Vertreter des liberalen Parti progressiste nationale.

Die Hauptsorge der polit. Behörden in der Zwischenkriegszeit war die wirtschaftl. Abhängigkeit von der Uhrenindustrie, die - bei 14'000 Arbeitslosen im Frühjahr 1933 im Kt. Neuenburg - kaum Aussichten auf zusätzl. Arbeitsplätze bot. 1934 gründeten La C. und Le Locle das Office neuchâtelois pour la recherche d'industries nouvelles (ORIN), das neue Industriezweige, z.B. die Herstellung von Radioapparaten, in die Region brachte. Die Bemühungen um eine Diversifizierung wurden später durch das 1944 gegründete Office économique cantonal neuchâtelois (OECN) fortgeführt. Vor dem 2. Weltkrieg waren annähernd 500 Personen in den neuen Industriezweigen beschäftigt; 50% der zuvor arbeitslosen Frauen hatten hier Arbeit gefunden. La C. behielt seinen industriellen Charakter: 1941 waren 64% der Erwerbstätigen im 2. Sektor beschäftigt, davon 56% in der Uhrenfabrikation. Diese Tendenz verstärkte sich noch während des starken Wachstums der Nachkriegszeit bis zur Mitte der 1970er Jahre. Infolge der Rezession verlor die Stadt aber 1975 rund 1'000 Einwohner und 2'000 Arbeitsplätze, Letztere v.a. in der Uhrenindustrie. 1976 fiel die Region Centre-Jura, die mit La C. 17 Gemeinden umfasst, als sog. IHG-Region unter das neue Investitionshilfegesetz zur Förderung der Berggebiete. 2000 arbeitete weniger als die Hälfte der in La C. Erwerbstätigen im 2. Sektor.

Die rege Bautätigkeit der Zwischenkriegszeit fand in den 1950er Jahren ihre Fortsetzung: Die Stadt breitete sich v.a. Richtung Westen (Les Forges) aus. Eine Industriezone mit neuen Firmen entstand in Les Eplatures, wo auch der regionale Flugplatz liegt (1926, modernisiert 1956). Die Anlage neuer Einfamilienhausquartiere führte zu einer Zersiedlung der Landschaft im Norden und Süden der Stadt. 1980 startete man eine Kampagne zur Sanierung des Stadtzentrums und der Jugendstilbauten.

Das Wachstum nach 1945 machte auch die Eröffnung versch. neuer Schulen, darunter auch eine Berufsschule, notwendig. 1971 wurde ein neues Gymnasium eingeweiht. Das 1898 erbaute Krankenhaus wich 1960 einem modernen Bau mit einem kant. Onkologie- und Radiologiezentrum sowie mit dem Neuenburger Institut für Mikrobiologie. An kulturellen Einrichtungen kamen der Club 44 (1944), ein Konzerthaus (1955), das Musée paysan (1971), das Musée international de l'horlogerie (1974) mit dem angegliederten Institut L'Homme et le Temps hinzu. Das Théâtre populaire romand hat seit 1968 seinen Sitz in La C. Zu den bestehenden Kirchen kam u.a. 1972 die ref. Kirche Saint-Jean hinzu. Wichtig für das gesellschaftl. Leben sind nicht zuletzt Mannschaftssportarten wie Eishockey oder Fussball. La C. hat keine Vorstädte und versteht sich selber als eng mit der bäuerlich geprägten Umgebung verbundene "Stadt auf dem Land". Vom Druck des Ferienwohnungsbaus noch unberührt gebliebene Bauernhöfe finden sich v.a. in Le Valanvron oder Les Joux Derrière. Die Bauern in der Gemeinde betreiben nach wie vor vorwiegend Viehwirtschaft. Die Einwohner von La C. schätzen im Übrigen die sie umgebende Landschaft: Die Colline de Pouillerel und der Doubs sind beliebte Ausflugsziele.

Autorin/Autor: Jean-Marc Barrelet / SK

Quellen und Literatur

Literatur
– L.-E. Roulet, L'établissement de la mairie de La C. en 1656, 1956
– R. Cop, Histoire de La C., 1981
Hist.NE
– J.-M. Barrelet, J. Ramseyer, La C. ou le défi d'une cité horlogère 1848-1914, 1990
– Y. Tissot, Le théâtre de La C., une bonbonnière révolutionnaire, 2003, (franz. und dt.)