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Herzen, Alexander Iwanowitsch

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geboren 6.4.1812 Moskau, gestorben 21.1.1870 Paris, 1851 von Burg bei Murten (heute Gem. Murten). Unehel. Sohn des Iwan Aleksejewitsch Jakowlew, adligen Gutsbesitzers, und der Louise Haag, Deutsche. ∞ Nathalie Zacharine, seine Cousine. 1847 emigrierte H. nach Westeuropa, nachdem er aus polit. Gründen schon 1835-40 und 1841-42 verbannt worden war. Er lebte in Paris, Genf (1849 und mit Unterbrechungen 1865-69), Nizza und London (1852-65) in vermögenden Verhältnissen. Enttäuscht über die gescheiterte Revolution von 1848 änderte H. seine durch westl. Fortschrittsideen geprägten polit. Ansichten, sah nun im Agrarkommunismus der russ. bäuerl. Dorfgemeinde unter Verzicht auf die kapitalist. Entwicklung das Modell für eine sozial gerechte Gesellschaft und wurde zu einem Vordenker des Populismus in Russland. 1855 gründete H. eine russ. Druckerei zur Verbreitung seiner Ideen. Ab 1857 gab er mit Nikolaj Platonowitsch Ogarjow "Kolokol" (Die Glocke) heraus, die erste oppositionelle Zeitschrift, die in Russland Beachtung fand und von 1865 bis zur Einstellung 1867 in Genf erschien. Er stand in Kontakt mit einflussreichen Personen, u.a. mit Carl Vogt in Genf und der Fam. von Vogts Eltern in Bern, die ihm 1851 zum Bürgerrecht von Burg verholfen hatte. In seinen Erinnerungen äusserte er sich positiv zu den republikan. und freiheitl. Verhältnissen in der Schweiz, beklagte aber die Langeweile der Städte.


Werke
Mein Leben, 3 Bde., 1962-63
Literatur
Autour d'Alexandre H., hg. von M. Vuilleumier et al., 1973
– N. Bontadina, Alexander H. und die Schweiz, 1999

Autorin/Autor: Markus Bürgi