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Dragomanow, Michel [Mychajlo Drahomanov]

geboren 6.9.1841 Hadjatsch (Ukraine), gestorben 8.6.1895 Sofia, ukrain. polit. Denker, Historiker und Ethnograf. 1875 wegen Beteiligung an der Geheimorganisation Hromada, die ukrain. Belange vertrat, zum Rücktritt von seinem Lehrstuhl an der Univ. Kiew gezwungen. 1876-89 Emigrant in Genf. In seiner Imprimerie Ukrainienne Herausgeber von 69 Publikationen, davon 31 in ukrain. Sprache, welche im Zarenreich ab 1876 einem Druckverbot unterlag. Darunter waren eigene Abhandlungen, die von D. veröffentlichte Rundschau "Hromada" sowie verbotene Werke der ukrain. und russ. Literatur (Taras Schewtschenko, Alexander Herzen). Kosmopolit und Sozialist gemässigt anarchist. Richtung, der sich sowohl gegen den polit. Druck und Zentralismus der russ. Regierung als auch gegen den "Chauvinismus" und "Machiavellismus" der russ. Revolutionäre wandte. D. erstrebte eine autonome Ukraine im Rahmen einer demokrat. russ. Föderation bzw. eines "freiwilligen Bundes" nach schweiz. Vorbild. An seinem Wohnhaus an der Rue Dancet 14 in Genf wurde 1995 eine Gedenktafel angebracht.


Werke
600 Jahre Schweiz. Eidgenossenschaft, 1892, (ukrain.)
Literatur
Asyl und Aufenthalt, hg. von M. Bankowski, 1994

Autorin/Autor: Monika Bankowski-Züllig