Peseux

Polit. Gem. NE, Bez. Boudry, westl. Nachbardorf von Neuenburg an der Strasse ins Val-de-Travers. Der Wald, der sich bis zum unteren Ende des Val-de-Ruz erstreckt, bedeckt zwei Drittel (264 ha) des Gemeindegebiets. 1195 apud Pusoz (Kopie 15. Jh.), 1278 de Posoys. 1750 429 Einw.; 1850 611; 1900 1'344; 1950 3'338; 2000 5'387. Ein paar Tumuli aus der Hallstattzeit im Wald sind die ersten Zeugen prähist. Besiedlung. Ab 1195 wurde P. hie und da erwähnt, etwa als die Schenkungen von in P. gelegenen Gütern an die Stiftskirche von Neuenburg bestätigt wurden. 1357 erhielt die Dorfgenossenschaft P. von Gf. Ludwig von Neuenburg wichtige Rechte über den benachbarten Wald, der lange die Quelle ihres Wohlstands bildete. Im Verlauf des 16. Jh. gewann das Dorf, dessen Güter und Rechte sich zwischen 1510 und 1525 vermehrten, eine gewisse Bedeutung. Trotz des Wassermangels eignete sich die Gegend um P. für Landwirtschaft und Rebbau. Vom MA bis 1848 war P. Teil der Mairie La Côte. Kirchlich gehörte P. zu Serrières, bevor es 1882 zu einer selbstständigen Kirchgemeinde wurde. Nach dem Bau eines ersten ref. Gotteshauses 1550 wurde die heutige Kirche 1627-35 errichtet, 1871-72 vollständig erneuert, 1899 und 1959 umgebaut sowie 1933 und 1939 mit Kirchenfenstern von Charles L'Eplattenier versehen. 1873 erbaute Léo Châtelain eine Kapelle für die Herrnhuter Brüdergemeine. Die kath. Kirche Notre-Dame-de-Compassion wurde 1954 geweiht. Um 1538/39 liess der Staatsrat Jean de Merveilleux ein grosses Bauwerk, Château genannt, errichten (1574-78 erweitert, 2003 restauriert). Er beteiligte sich 1560 auch an der Finanzierung der Schule. Zu Beginn des 19. Jh. blieb die Dorfgenossenschaft von P., der zum grossen Teil Bürger von Neuenburg angehörten, dem Ancien Régime verbunden. 1856 stiess hier ein Trupp Royalisten auf den Widerstand einer republiktreuen Einheit. Nach 1848 erlebte P. einen kontinuierl. Aufschwung. 1888 wurde die Gem. an die Neuenburger Wasserversorgung angeschlossen, 1900 die Gasfabrik errichtet, 1901 die Tramverbindung nach Neuenburg gebaut (ab 1976 Trolleybus). Der Nachlass des Gerichtsschreibers Jean-Adolphe Fornachon ermöglichte 1894 die Ausführung öffentl. Bauvorhaben. Zahlreiche Villen entstanden, aber auch Industriebetriebe wie die Borel SA, Industrieöfen (1928-93) siedelten sich an. 1873 kam das evang. Lehrerseminar von Grandchamp nach P.; es schloss 1907 seine Tore. P. beherbergt auch das Schulzentrum von La Côte (Collège des Coteaux, 1966 eröffnet, 1996 und 2004 erweitert), eines der fünf regionalen Mittelschulzentren des Kantons. 1974 wurde in der Gem. das erste Einkaufszentrum des Kantons eröffnet. Zu Beginn des 21. Jh. war mit Ausnahme einiger Rebparzellen fast die gesamte landwirtschaftl. Fläche überbaut und P. zur Wohngemeinde geworden. 2007 lehnte das Stimmvolk von P. eine Fusion mit der Gem. Corcelles-Cormondrèche ab.


Literatur
P. au fil des ans, 2004

Autorin/Autor: Germain Hausmann / MS