Gorgier (Gemeinde)

Polit. Gem. NE, Bez. Boudry. G. umfasst das Dorf, das mit vier Strassen ein Viereck in einem Hang bildet, den Weiler Chez-le-Bart sowie am Ufer des Neuenburgersees gelegene Bauernhöfe, Les Prises. 1252 de Corgie. 1632 509 Einw.; 1750 445; 1850 866; 1950 1'012; 2000 1'775. Das Gebiet von G. zählt fünf neolith. Fundplätze am Seeufer; die Hallstattzeit hat ebenfalls mehrere Tumuli und Megalithen hinterlassen. Zudem sind eine röm. Villa aus dem 2. bis 3. Jh. und ein burgund. Gräberfeld zu verzeichnen. Das Dorf ist seit 1340 bezeugt. G. gehörte bis 1831 zur Herrschaft desselben Namens und war Teil der Pfarrei Saint-Aubin, gemeinhin La Béroche genannt. G. war das gleiche Schicksal vorbehalten wie den anderen Dörfern der Pfarrei: 1398 als Mitbürger von Estavayer anerkannt, waren die Einwohner von G. bis in die Mitte des 18. Jh. dem Gewohnheitsrecht dieser Stadt unterworfen, anschliessend jenem von Neuenburg. G. hatte am Ende des MA das kleine, verschwundene Dorf Les Ouches in sich aufgenommen und erhielt 1831 eine kleine Herrschaft, Nachfolgerin der ebenfalls zerstörten Ortschaft Derrière-Moulin, die vorerst von Vaumarcus und anschliessend von der Mairie von Bevaix abhängig gewesen war. Trotz seines Bahnhofs (1859-60) blieb G. bis in die Mitte des 20. Jh. ein Bauerndorf, in dem Ackerbau und Weinbau gepflegt wurden. Von 1960 an nahm seine Einwohnerzahl mit dem Bau von Wohnquartieren in der Umgebung des Bahnhofs langsam zu. Industriebetriebe gibt es nur in der Drehteilefertigung und der Essigverarbeitung.


Literatur
– E. Quartier-la-Tente, Le canton de Neuchâtel 4, 1912, 857-861, 934-937
– L. Montandon, «La seigneurie de Derrière-Moulin», in MN, 1959, 115-122

Autorin/Autor: Germain Hausman / FSC