30/06/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Bevaix (Gemeinde)

Polit. Gem. NE, Bez. Boudry. Oberhalb eines kleinen sumpfigen Plateaus in der Nähe des Neuenburgersees gelegenes Dorf. 998 in villa Bevacensi, 1139 Betuaci. 1559 36 Haushalte; 1750 431 Einw.; 1850 740; 1900 1'074; 1950 1'217; 1970 1'945; 2000 3'603.

Am Neuenburgersee wurden acht Uferrandsiedlungen entdeckt, fünf aus der Jungsteinzeit und drei aus der Bronzezeit. Aus demselben Zeitraum stammen ein Menhir am Fusse des Juras und ein Gräberfeld der Urnenfelderkultur westlich des Dorfes. In der Bucht von B. wurden Einbäume und Boote gefunden, die zum Verständnis der galloröm. Schiffbautechnik beigetragen haben. Drei Reihen z.T. gemauerter Gräber aus der Burgunderzeit wurden bei der Abtragung des Burghügels Châtelard zerstört. 998 gründete ein gewisser Rudolf in B. das Priorat B. und stattete es mit einem kleinen Territorium aus. Dieser Grund- und Gerichtsherrschaft entspricht das Gebiet der heutigen Gem. B. Um 1263 war sie gemeinsamer Besitz der Herren von Gorgier, von Colombier (NE) und des Priors. Der Gf. von Neuenburg besass als Landesherr das Wachtgeld, das Aufgebotsrecht und die Blutgerichtsbarkeit. B. unterstand dem Landrecht von Neuenburg. Nach der Reformation ging die Herrschaft B. 1541 bzw. 1545 in zwei Etappen an Johann Jakob von Wattenwyl als Herrn von Colombier, 1564 an die Gf. von Neuenburg über. Zivilgerichtlich bildete B. eine Mairie (1362 erstmals erw.); Berufungsinstanz waren zuerst die oben erwähnten drei Gerichtsherren, später der Gf. bzw. Fürst von Neuenburg. Die Mairie wurde 1832 zugunsten von Boudry abgeschafft, wo bereits die Strafgerichtsbarkeit lag. Da das in der Nähe des Priorats gelegene Gotteshaus von B. verfiel, wurde eine neue Kirche im Dorfzentrum erbaut und 1605 fertig gestellt.

Das Dorf B. ist schon für die Zeit der Gründung des Priorats belegt. 1263 legte ein Abkommen zwischen den drei Gerichtsherren die Rechte der Einwohner fest. Ende des 15. Jh. organisierten sich die Dorfgenossen und erlangten vom Priorat Wälder, Wiesen und unbebautes Land. Zu Beginn des 16. Jh. versuchten sie ohne Erfolg, eigene Satzungen zu erlassen und sich von den härtesten Bussgeldern zu befreien. Das 18. Jh. war geprägt von einem heftigen Streit mit den Hintersassen um die Waldnutzung. Im frühen 19. Jh. schlossen sich viele Einwohner von B. der republikan. Bewegung an. Die Indienne-Manufakturen an der unteren Areuse zogen viele Arbeitskräfte aus B. an; das Dorf selbst blieb aber Bauerndorf. Entsumpfungen um 1900 und Güterzusammenlegungen von 1941-45 und 1960 veränderten die Landschaft. Mit dem Bau des Bahnhofs 1859-60 und mit der Zunahme des Strassenverkehrs im 20. Jh. entwickelte sich B. allmählich zur Wohngemeinde. Die Industrie wird von der Mikrotechnik bestimmt.


Literatur
– A. Schnegg, «B., du prieuré clunisien à la seigneurie», in MN, 1958, 12-28
Kdm NE 2, 1963, 395-418
– J.-D. Morerod, «La fondation de B. et les débuts de l'hist. neuchâteloise», in RHN, 1998, 193-210

Autorin/Autor: Germain Hausmann / KMG