No 18

Lang, Paul

geboren 3.10.1894 Basel, gestorben 10.9.1970 Faido (verunglückt), ref., von Basel und Hohenrain. Sohn des Siegfried, Kaufmanns und Weinhändlers, und der Lina geb. Hirzel. Halbbruder des Siegfried ( -> 21). ∞ 1920 Jenny Haemig. Banklehre. 1916-20 Stud. der Geschichte und franz. Literatur in Zürich, Basel, Bern, Genf (1920 Dr. phil. in Zürich). Anschliessend Stud. der dt. Literatur in London (1924 Master of Arts). Gleichzeitig Sekr. der Gruppe London der Neuen Helvet. Gesellschaft. L. wirkte als Schriftsteller und Kritiker des dramat. Schaffens von Schweizer Autoren. Ab 1925 unterrichtete er Deutsch, Englisch und Geschichte, 1935-60 an der Kant. Handelsschule Zürich. Er verfasste auch Lehrbücher für den Deutschunterricht. Als geistig überragender Kopf der Frontenbewegung entwickelte L. ab 1931 in Wort und Schrift die staatspolit. Theorien des Frontismus. Unter dem Einfluss von Gonzague de Reynold, aber auch aufgrund eigener Vorarbeiten, kam L. zum Schluss, in der Schweiz habe sich das demokrat. Prinzip erschöpft. Nach dem "Gesetz des hist. Kontrapunktes" schwinge das Pendel zum aristokrat. Gegenpol der "gestuften Ordnung" zurück. Bei dieser Gegenbewegung handle es sich um einen "welthist. Prozess von jahrhundertwirkender Bedeutung", an dem Faschismus und Nationalsozialismus wesentlich mitbeteiligt seien. L.s mechanist. Geschichtsbetrachtung ist einer der Gründe dafür, dass der Frontismus für nationalsozialist. Ideen anfällig wurde.


Werke
Karl Bürkli, 1920 (Diss.)
Bühne und Drama der dt. Schweiz im XIX. und beginnenden XX. Jh., 1924
Tote oder lebendige Schweiz?, 1932
Lebendige Schweiz, 1935
Das Schweizer Drama 1914-1944, 1945
Literatur
– B. Glaus, Die Nationale Front, 1969
– W. Wolf, Faschismus in der Schweiz, 1969
– K.-D. Zöberlein, Die Anfänge des dt.-schweiz. Frontismus, 1970

Autorin/Autor: Walter Wolf