• <b>Zermatt</b><br>Tourismusplakat für die Zahnradbahn auf den Gornergrat, gestaltet von  Eric de Coulon,   1928 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste). Als eines der seltenen Beispiele aus jener Zeit zeigt das Plakat nicht die typische Silhouette des Matterhorns, sondern jene des Monte Rosa.

Zermatt

Polit. Gem. VS, Bez. Visp. Südlichste Gem. das Mattertals, die 1798 noch aus elf bewohnten Weilern bestand, die zu Beginn des 21. Jh. mit Ausnahme von Zmutt, Zum See und Furi im Süden, Findeln im Südosten und Ried im Norden zu einem grossen Kurort zusammengewachsen waren. 1280 Pratobornum, 1495 Zer Matt, franz. früher Praborgne. 1802 436 Einw.; 1850 369; 1900 741; 1950 1'395; 2000 5'988.

Neuere archäolog. Grabungen in einem Felsabri auf der Alp Hermetje förderten menschl. Spuren aus der Mittel- und Jungsteinzeit (ab 9000 v.Chr. und 5500-2200 v.Chr.) zutage. In den Hubelwäng am Fuss des Unter Gabelhorns belegen fünf prähist. Schalensteine am alten Handelsweg die frühe Anwesenheit von Menschen, während röm. Münzfunde auf dem Theodulpass und spätma. Münz- und Waffenfunde am Gletscherrand beim Trockenen Steg die Benützung dieses Alpenübergangs in Antike und SpätMA bezeugen. In den 1880er Jahren wurde bei Fundamentarbeiten für das Hotel Monte Rosa eine latènezeitl. Topfwerkstätte entdeckt, in der Gefässe aus Chloritschiefer gehöhlt wurden. In den 1990er Jahren wurde im Furi eine ähnl. Werkstatt aus der jüngeren Eisenzeit (380-120 v.Chr.) freigelegt.

<b>Zermatt</b><br>Tourismusplakat für die Zahnradbahn auf den Gornergrat, gestaltet von  Eric de Coulon,   1928 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).<BR/>Als eines der seltenen Beispiele aus jener Zeit zeigt das Plakat nicht die typische Silhouette des Matterhorns, sondern jene des Monte Rosa.<BR/>
Tourismusplakat für die Zahnradbahn auf den Gornergrat, gestaltet von Eric de Coulon, 1928 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
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Noch vor 1000 n.Chr. stiessen einwandernde Alemannen auf die ansässige romanisierte kelt. Bevölkerung, sodass die Ortsnamen abgesehen von wenigen Ausnahmen dt. Ursprungs sind. Ab 999 war der Bf. von Sitten der Landesherr von Zermatt. Er liess die Talschaft durch seinen Viztum verwalten. Herrschaftsrechte übten vor 1249 die Gf. von Savoyen aus, dann die Adelsfamilien von Turn, von Raron, Asperlin und Blandrate. Nach dem Niedergang des alten Adels erwarben aufsteigende Patriotenfamilien von Visp deren Herrschaftsrechte und Besitz in Z. 1476 teilten die Häupter der 182 Zermatter Fam. die Gem. in die vier unabhängigen Viertel Hoffero (39 Fam.), Wychilmattero (43), Aroleitero (46) und Muttero (54). Im 16. bzw. 17. Jh. kauften sich die Zermatter von ihren fremden Herren los: 1538 von den Söhnen des Landeshauptmanns Johannes von Werra, 1562 von Johann Perrini, dem Sohn des Viztums von Leuk, und 1618 von Franz de Platea, dem Bannerherrn von Siders. Die ersten frei gewordenen Fam. gaben sich 1540 eigene Statuten und schlossen sich zu einer Gem. zusammen; die zweiten gründeten, gestützt auf die gleichen, 1576 allerdings überarbeiteten Statuten ebenfalls eine eigene Gemeinde. 1579 erhoben beide Gem. die Statuten zur Bauernzunft. Die 1618 freigekauften Fam. organisierten ihre Gem. gestützt auf diese Bauernzunft. Von da an bestand Z. aus drei Gem. mit freier Gerichtsbarkeit, einem gemeinsamen Meier und einer 1621 gemeinsam angepassten Bauernzunft. Der auf zwei Jahre gewählte Meier war Vorsteher und Richter; er vertrat Z. im Zenden- und Landrat. 1791 schlossen sich die vier Viertel zu einer einzigen Gem. zusammen. Im Ancien Régime bildete Z. mit dem Meiertum St. Niklaus das Viertel von den Ruffinen in im Zenden Visp. Die beiden Freigerichte unterstanden jedoch nicht dem Kastlan von Visp.

Kirchlich gehörte Z. ursprünglich zur Pfarrei St. Niklaus, hatte aber bereits 1280 einen eigenen Pfarrer. Die Filialkirche kaufte sich 1546 vom Gross- und Jungviehzehnten an die Mutterkirche los. Die baufällige St. Mauritiuskirche aus dem 16. Jh. wurde 1913 abgerissen. Der neue Bau wurde 1916 eingeweiht (1980 Renovation). Die Kapellen in den Weilern rund um Z. sind teilweise mit alten Altären ausgestattet. 1666 kauften sich die Zermatter von der jährl. Wallfahrt über den Col d'Hérens nach Sitten los.

Im Zuge der Aufklärung kamen Naturforscher und Gelehrte ins Tal (Horace Bénédict de Saussure, Johann Christoph Schleicher, Peter und Abraham Thomas usw.). Sie fanden im Pfarrhaus Unterkunft und Verpflegung und machten Z. durch ihre Schriften bekannt. Ihnen folgten Alpinisten und Touristen, v.a. Engländer, die in Begleitung Einheimischer nach und nach die 33 Viertausender rings um Z. bezwangen. So entstanden neue Berufe und Verdienstmöglichkeiten. 1838 wurde die erste kleine Herberge errichtet, 1852 folgte das Hotel Mont Cervin. 1850 kam Alexander Seiler nach Z. und baute ab 1853 sein Hotelimperium auf. 1858 wurde der Bergführerverein gegründet. Seiler liess die Talstrasse von St. Niklaus nach Z. 1860 für Pferdegespanne ausbauen. Nach der Erstbesteigung des Matterhorns 1865 entwickelte sich Z. zu einem Bergsteigerzentrum. 1891 erreichte die Visp-Zermatt-Bahn (heute Matterhorn-Gotthard-Bahn) den Ort. 1928 wurde die Strecke elektrifiziert und die Bahn nahm den Winterbetrieb auf, sodass Z. für die Touristen auch in der Wintersaison attraktiv wurde. Zwischen 1838 und 1911 entstanden in Z. 38 Hotels. Die Infrastruktur wurde bis zu Beginn des 21. Jh. stetig ausgebaut (1898 Zahnradbahn Z.-Gornergrat, 1942 Skilift Z.-Sunnegga, 1980 Standseilbahn Z.-Sunnegga, 1979 Luftseilbahn auf das Klein Matterhorn). Die Zahl der Übernachtungen erhöhte sich ständig. 2010 standen den Touristen in Hotellerie und Parahotellerie über 29'000 Gästebetten zur Verfügung. 2011 zählte Z. 1'875'737 Logiernächte. 2008 arbeiteten 3'957 Personen im 3. und 567 im 2. Sektor; die meisten dieser Beschäftigten waren Gastarbeiter aus dem Ausland.


Literatur
– L. Meyer, «Z. in alten Zeiten», in Jb. des SAC 57, 1922, 241-280
– S. Kronig, Fam.-Statistik und Geschichtliches über die Gem. Z., 1927 (Nachdr. 1982)
– G. Julen, Burgergesch. von Z.-Prato Borni, 1991
– A. Grichting, Z.: Bergparadies, 21997
– T. Antonietti, Bauern, Bergführer, Hoteliers, 2000

Autorin/Autor: Bernard Truffer