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Stalden (VS)

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Polit. Gem. VS, Bez. Visp. Die Gem. an der Verzweigung des Matter- und des Saastals besteht aus den drei ehem. Gemeinden S. Dorfmark, Chinegga (seit 1805) und Niederrusen (seit 1817, heute Neubrück). 1213 Morgi, 1224 Staldun. 1802 232 Einw.; 1850 291; 1900 443; 1950 870; 2000 1'149.

Acht Armspangen aus der Latènezeit und der ursprüngl. Name Morgi lassen auf eine Besiedlung durch Seduner im 1. Jt. v.Chr. schliessen, die anderen, alemann. Ortsnamen auf eine Germanisierung im 8./9. Jh. Im 13. Jh. war S. Wohnsitz versch. Herrenfamilien, die neben Eigenbesitz Lehen adliger und geistl. Feudalherren verwalteten, wovon u.a. der steinerne Wohnturm der Herren de Embda zeugt. Nachdem 1518, 1531 und 1589 einzelne Wasser- und Alpreglemente verbrieft worden waren, einigten sich die drei Gem. 1688 auf eine gemeinsame Bauernzunft. Vor 1798 bildete S. mit Staldenried, Embd, Törbel und Grächen einen Viertel des Zenden Visp, stellte im Turnus Zendenamtsleute und u.a. drei Walliser Landeshauptmänner. Die Kapelle in Merjen wird 1215 erstmals erwähnt. S. war eine Filialkirche der Grosspfarrei Visp. 1535 bildete es eine eigene Pfarrei, von der sich 1686 Törbel, 1750 Grächen, 1771 Embd, 1869 Staldenried und 1892 Eisten lösten. Die Pfarrkirche St. Michael wurde 1777 in spätbarockem Stil weitgehend neu gebaut, ihr Turm entstand wohl durch den Umbau eines ma. Wehrturms. Die auf Landwirtschaft und Viehzucht ausgerichtete Gem. erwarb 1894 die Alpe Pontimia im Zwischbergental. In S. wurde 1890 eine Bahnstation der Visp-Zermatt-Bahn und 1951 die Talstation der Luftseilbahn nach Staldenried und Gspon eröffnet. Als Durchgangsort nach Embd, Saas, Törbel und Zermatt weist S. zahlreiche Brücken und Kunstbauten auf. 2000 arbeiteten ca. 65% der Erwerbstätigen auswärts, v.a. in Visp und St. Niklaus.


Literatur
– S. Noti, Zum Wandel des Dorf- und Kulturbildes von S. vom 14. bis 20. Jh., 1990

Autorin/Autor: Bernard Truffer