06/01/2012 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Saas-Grund

Polit. Gem. VS, Bez. Visp. Der ehemalige polit. und kirchl. Hauptort des Saastals umfasst das Dorf S., die Weiler Unter dem Berg und Ze Laubinu sowie einen Teil der Weiler Tamatten und Unter den Bodmen. 1438 grunderro. 1850 247 Einw.; 1900 429; 1950 564; 2000 1'167. Der Fund von Schalensteinen weist auf eine Begehung in der Bronzezeit hin. Im 13. Jh. übergab der Bf. von Sitten die Grossgemeinde Saas als Lehen den Blandrate, Gf. von Visp, die um 1300 Teile der Grundrechte an die Talleute verkauften. Nach dem Untergang der Fam. Blandrate Mitte 14. Jh. gingen deren Rechte an die Grossgemeinde Saas über, die sich 1392 in vier Viertel teilte. Sog. Bauernzünfte von 1495, 1575, 1596 und 1763 regelten im Viertel S. das Gemeinschaftsleben der weitgehend autark lebenden Bevölkerung. S. gehörte mit der 1297 erbauten Kapelle und dem eigenem Vikar zur Pfarrei Visp. Um 1400 kauften sich die vier Viertel von Visp los und bildeten die Pfarrei Saas mit der Pfarrkirche St. Bartholomäus in S. Als Marktflecken (bis 1947) und als Zentrum der Pfarrei Saas nahm S. im Tal eine herausragende Stellung ein. Seit 1893 bzw. 1907 bilden Saas-Fee, Saas-Almagell, Saas-Balen und S. vier eigene Pfarreien.

Pfarrer Johann Josef Imseng förderte den im 19 Jh. einsetzenden Fremdenverkehr über die Pässe. Vor dem Bau des ersten Hotels um 1833 beherbergte er Reisende im Pfarrhaus. Obwohl Einheimische als Bergführer und Träger arbeiteten, blieb der Tourismus in S. bis nach dem 2. Weltkrieg nur ein Nebenerwerb. Erst durch die Anbindung an die Strasse 1938, die Entwicklung von Saas-Fee ab 1951 und die Erschliessung des Ski- und Wandergebiets Kreuzboden-Hohsaas 1979 und 1983 wurde S. zu einem Ferienkurort mit rund 3'500 Gästebetten (2008 349'223 Übernachtungen). Als Talzentrum beherbergt S. seit 1950 eine Orientierungsschule und seit 1991 ein Altersheim.


Literatur
– J. Zurbriggen, Familienstatistik Saastal, 1993

Autorin/Autor: Paul Martone