15/11/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken

Erlach (Gemeinde)

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Polit. Gem. BE, Hauptort des Amtsbez. E., am oberen Ende des Bielersees. Das ma. Städtchen besteht aus dem Schloss (einst mit Vorburg) und der Altstadt in typ. Spornlage auf dem östl. Ausläufer des Jolimont, dem hangparallelen Markt, der abgewinkelten Vorstadt in der Ebene und dem ehem. Dorf Sunkort mit der Kirche. Zur Gem. gehört auch Wald (Exklave) auf dem Jolimont. 1185 Erilacho, 1274 Cellie, franz. Cerlier. 1635 70 Feuerstätten; 1764 427 Einw.; 1850 619; 1900 848; 1930 704; 1950 791; 1960 858; 2000 1'123.

Frühma. Gräberfeld am Totenweg. 1264/66 erhielt E. von Gf. Rudolf II. von Neuenburg-Nidau eine Handfeste. Die dem hl. Ulrich geweihte Kirche dürfte im 11. Jh. als Eigenkirche der Herren von Fenis im Dorf Sunkort gestiftet worden sein. Der Chorturm stammt aus dem 15. Jh., das massige Schiff wurde im 17. Jh. neu erbaut. Um 1100 wurde die Benediktinerabtei E. (St. Johannsen) gegründet. Das Schloss E., mit ma. Kern und dem jüngeren westl. Hauptturm (gegen 1500), war bis 1848 Amtssitz; seit 1874 ist es ein staatl. Schulheim. Das Rathaus zwischen der Altstadt und dem Markt enthält das einzige erhaltene Stadttor. Sein ältester Teil stammt aus dem 14. Jh., die erste Rats- oder Wächterstube wurde im 15. Jh., der westlich angebaute Keller im frühen 16. Jh. erbaut. 1455 stifteten die Bürger ein Spital (das heutige Gemeindehaus). Der städt. Gerichtsbezirk war eng begrenzt; er deckte sich wahrscheinlich mit der 1372 erwähnten Dorfmark von Sunkort. Stadt- und Gerichtsvorsitzender war der Schultheiss. Bis 1798 bestanden ein zwölfköpfiger Rat und ein 6-18 Mitglieder zählender Ausschuss zu Burgeren. Der Stadtgerichtsplatz lag in der Altstadt, der Galgen stand nördlich von Ins.

Das Marktrecht von E. ist bereits in der Handfeste verankert, das Merithuse (Markthaus) 1367 belegt. Neben den Wochenmärkten fanden vorerst zwei, im 19. Jh. vier Jahrmärkte statt. Bis ins 19. Jh. herrschte in der Landwirtschaft der Rebbau vor. Daneben spielte das Handwerk eine wichtige Rolle, Fischfang und Schiffstransport boten Nebenerwerb. Neues Uferland wurde durch die Juragewässerkorrektionen (1874-82, 1962-72) gewonnen, eine Gesamtmelioration 1971-86 durchgeführt. Ab der 2. Hälfte des 19. Jh. bot die Uhrenindustrie zahlreiche Arbeitsplätze. Die 1927 gegr. Chem. Gravieranstalt E. (später Gravure SA) beschäftigte als grösster Arbeitgeber zeitweise 100 Angestellte. Das maler. Ortsbild mit gut erhaltenem spätgot. Baubestand, die Lage am See und die Nähe zur Sankt Petersinsel mit dem Heidenweg als bedeutendem Naturschutzgebiet machen E. trotz seiner relativ ungünstigen Verkehrslage zum überregionalen Ausflugs- und Erholungsgebiet.


Literatur
– R. Marti et al., Ein frühma. Gräberfeld bei E. BE, 1992
Kdm BE Land 2, 1998, 43-120

Autorin/Autor: Hans-Rudolf Egli