09/01/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken

Grächen

Polit. Gem. VS, Bez. Visp. Fremdenverkehrsort im Vispertal, von einem dichten Wald (Grächerwald) umgeben. G. liegt auf einer Terrasse in der Verlängerung des Riedgletschers, der sich über 5 km von Ried nach Bärgji erstreckt und stellenweise über 1 km breit ist. 1210 de Grachan, 1250 de Granges. 1850 338 Einw.; 1900 389; 1950 665; 2000 1'254. Archäolog. Funde umfassen Werkzeuge sowie Jagd- und Kriegsgerät aus der Bronze- und ein Grab aus der Römerzeit. Eine dem hl. Jakob gewidmete Kapelle wurde 1433 erbaut. Im 17. Jh. wurde sie aufgegeben, nachdem eine neue Kirche errichtet worden war. 1750 trennte sich G. von der Pfarrei Stalden und wurde eine selbstständige Pfarrei. Die Landwirtschaft (vorwiegend Kartoffel-, Roggen- und Gerstenanbau) war oft schwierig, namentlich in der 1. Hälfte des 17. Jh., als das Getreide infolge extremer Hitzeperioden nicht reif wurde. In der 2. Hälfte des 18. Jh. litt die Bevölkerung grosse Not, weil Schnee, Frost und Gewitter die Kulturen zerstörten. Die Gegend von G. gilt als eine der trockensten Regionen nicht nur des Wallis, sondern auch des ganzen Alpenraums. Die Nähe des Gletschers ermöglicht es, das Land mittels Leitungen (sog. Bisses) reichlich mit Wasser zu versorgen. Das mittels einer 1953 gebauten Fahrstrasse an das Haupttal angebundene Dorf setzt auf den Familientourismus, sowohl in der Winter- (alpiner Skisport, Langlauf, Schlittschuhfahren) wie in der Sommersaison (Spaziergänge und Bergwanderungen). 2003 wurden in den Hotels, Chalets und Ferienwohnungen des Ortes rund 400'000 Übernachtungen (davon 60% im Winter) registriert. Als berühmtester Grächener gilt der Humanist Thomas Platter, dessen Erinnerung in einem kleinen Museum wachgehalten wird.


Literatur
Bull. de la Murithienne 69, 1952, 104-113
– A.L. Schnidrig, G., 1952
– S. Fux, Familien- und Dorfchronik von G., 1900-2000, 2001

Autorin/Autor: Rachel Siggen-Bruttin / GL