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Sitten (Gemeinde)

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Polit. Gem. VS, Bez. S., Hauptort des Kt. Wallis. S. liegt am Fuss der Burgen Valeria und Tourbillon und wird von der Sionne, einem rechtsseitigen Nebenfluss der Rhone, durchquert. 1968 fusionierte S. mit der am linken Ufer der Rhone gelegenen Gem. Bramois. Das Gemeindegebiet erstreckt sich vom Flüsschen Lienne im Osten bis zur Morge im Westen und umfasst die Dörfer Uvrier, La Muraz und Châteauneuf. S. ist seit der Antike polit. Hauptort und seit dem Ende des 6. Jh. Bischofssitz. In S. tagte der Landrat. 859 Sedunum, franz. Sion. 1540-1798 war S. offiziell deutschsprachig.

Bevölkerung Sittena
JahrEinwohner
16101 835
16701 905
17861 880
17982 201
18112 790
18372 668
18462 815

Jahr18501870b18881900191019301950197019902000
Einwohner3 3075 4566 0996 7517 2548 65711 77021 92525 33627 171
Anteil an Kantonsbevölkerung4,1%5,6%6,0%5,9%5,7%6,3%7,4%10,6%10,1%10,0%
Sprache          
Französisch  3 6414 8925 3186 7269 60416 47819 43022 338
Deutsch  2 2731 7331 6951 6331 7972 6461 7351 523
Italienisch  1751252302873532 0461 143855
Andere  1011111167553 0282 455
Religion, Konfession          
Katholischc3 2135 1785 7876 4176 8558 16810 96720 45822 26321 220
Protestantisch942963103193814727671 3331 4001 419
Andere 12151817361341 6734 532
davon jüdischen Glaubens  91035121215
davon islamischen Glaubens       334301 360
davon ohne Zugehörigkeitd       517071 371
Nationalität          
Schweizer3 0734 8575 4765 9726 3797 93111 06518 41119 52420 360
Ausländer2346186237798757267053 5145 8126 811

a Angaben 1850-2000 gemäss Gebietsstand 2000

b Einwohner: Wohnbevölkerung; Religion, Nationalität: ortsanwesende Bevölkerung

c 1888-1930 einschliesslich der Christkatholiken; ab 1950 römisch-katholisch

d zu keiner Konfession oder religiösen Gruppe gehörig

Quellen:Autor; eidg. Volkszählungen

1 - Ur- und Frühgeschichte

S. ist einer der wichtigsten urgeschichtl. Fundorte Europas. Der Schwemmfächer der Sionne, der felsige Hangfuss und - weniger dicht - die Hügel Valeria und Tourbillon waren seit der Sesshaftwerdung des Menschen fast ohne Unterbrechung besiedelt. Die älteste menschl. Spur datiert von 6200 v.Chr. (Spätmesolithikum). Um 5800 v.Chr. (frühes Neolithikum) liessen sich Bauern aus dem Mittelmeerraum in S. nieder. Nach ca. 4500 v.Chr. (mittleres Neolithikum) nahm die Bevölkerung zu, wie die zahlreichen Fundstellen von Siedlungen auf dem ganzen Schwemmfächer zeigen. Dies führte zu einer verstärkten landwirtschaftl. Tätigkeit des Menschen (Ackerbau, Viehzucht), die sich auch auf die Landschaft auswirkte. Zu dieser Zeit kam die Hockerbestattung in Steinkistengräbern vom Typ Chablandes auf. Zu Beginn des 3. Jt. v.Chr. (Spätneolithikum) lösten grosse, auf einem Trockenmauerpodium ruhende Gemeinschaftsgräber (Dolmen von Le Petit-Chasseur) die ab 4000 v.Chr. weitverbreiteten Einzelbestattungen ab. Vor diesen Gemeinschaftsgräbern wurden gravierte anthropomorphe Stelen aufgestellt. Während der Glockenbecherzeit in der 2. Hälfte des 3. Jt. wurden weitere Dolmen errichtet; sie waren aber kleiner und hatten kein Podest. Die Stelen waren reich mit geometr. Mustern verziert und manchmal aus alten Dolmen gebaut. Als am Anfang der frühen Bronzezeit (um 2300 v.Chr.) die letzten Stelen errichtet wurden, hatte sich diese Wiederverwendung von Dolmenmaterial durchgesetzt.

Siedlungen sind für die frühen Epochen gut belegt. Es fanden sich Hütten des mittleren Neolithikums bei Le Petit-Chasseur und in der Avenue Ritz, des Spätneolithikums in Bramois und der frühen Bronzezeit bei Le Petit-Chasseur. Die mittlere Bronzezeit ist schlecht belegt. Aus den nachfolgenden Epochen sind grosse Nekropolen bekannt wie jene von Don Bosco ("aristokrat." Tumulus der Spätbronzezeit und v.a. der älteren Eisenzeit) und von Sous-le-Scex (Latènezeit). Am Ende des 1. Jh. v.Chr. wurde S. zum Hauptort der Seduner, einem der vier kelt. Völker des Wallis. 8/7 v.Chr., weniger als zehn Jahre nach der röm. Eroberung, ehrte der Stamm (civitas) der Seduner den Ks. Augustus mit einer Inschrift. Die röm. Siedlung erstreckte sich hauptsächlich im Gebiet der heutigen Kirche St. Theodul, zwischen der Sionne und der Westseite des Hügels Valeria. Unter der Kirche wurden grosse Thermen gefunden und teilweise freigelegt. Die bei La Sitterie, Sous-le-Scex und im oberen Teil der Avenue du Petit-Chasseur gefundenen Bauten gehörten wohl zu villae suburbanae. Obwohl S. mit der Erhebung des Forum Claudii Vallensium (Martigny) zum Hauptort der civitas Vallensium Mitte des 1. Jh. n.Chr. an polit. Gewicht verlor, blieb es ein geschätzter Wohnsitz der Notabeln. Grabstelen zeugen von der Anwesenheit von duumviri (Magistraten der civitas), von flamines (Priester der Kaiserkults), eines röm. Ritters und eines ehem. Konsuln. Im 4. Jh. werden praesides (Provinzgouverneure) erwähnt, darunter Pontius Asclepiodotus, der ein kaiserl. Gebäude wiederaufbauen liess und sich laut einer Inschrift von 377 zum Christentum bekannte.

Im FrühMA befand sich der Siedlungskern wohl am linken Ufer der Sionne. Die Randgebiete wurden jedoch nicht gänzlich aufgegeben, so fanden sich bei Sous-le-Scex ein Grubenhaus, Memorien und eine grosse Grabkirche (alle aus dem 5. Jh.). Auf den Ruinen der röm. Thermen wurden eine spätröm.-frühma. Nekropole und später ein Sakralbau errichtet. Der Bischofssitz wurde erst Ende des 6. Jh. (wahrscheinlich zwischen 574 und 585) von Martigny nach S. verlegt. Aus dieser Zeit stammt wohl auch die erste Kathedrale. Sie befand sich auf halber Höhe am Hang, wo später die im 19. Jh. abgerissene Kirche St. Peter stand.

Autorin/Autor: François Wiblé / ANS

2 - Die Burgerschaft vom Hochmittelalter bis zur Helvetik

2.1 - Entstehung der Stadt und Entwicklung der Burgerschaft bis 1340

S. erfuhr eine starke Aufwertung, als sich der Bischof dort niederliess. Die Schenkung der Grafschaft Wallis durch Kg. Rudolf III. von Burgund an den Bf. von S. 999 machte die Bischofsstadt zum Hauptort des Landes. Der Fürstbischof verfügte über die hohe und niedere Gerichtsbarkeit sowie die Regalien und verwaltete seine Untergebenen durch Lehensleute und Beamte. Die Bewohner von S. unterstanden dem bischöfl. Meier (maior) als Richter, dem Viztum (vicedominus) als Verwalter und dem Weibel (salterus).

Infolge des Niedergangs der feudalen Gesellschaftsordnung und dank Privilegien und Zugeständnissen seitens des Bischofs erlangten die Sittener Bürger eine gewisse Selbstständigkeit. In einem Vertrag von 1179 zwischen Bf. Kuno und seinem Meier Wilhelm vom Turn sind erste Anzeichen einer städt. Organisation zu erkennen. Eine im Namen des Bischofs, des Domkapitels, des Viztums von S. und der Herren vom Turn 1217 verfasste Urkunde kann als erster Freiheitsbrief der Stadt gelten. Sie enthält zivil- und strafrechtl. Bestimmungen, aber v.a. handels- und marktrechtl. Vorschriften. 1269 stellte die Burgerversammlung eigene Statuten auf, welche die Verwaltung und Nutzung der Gemeingüter durch zwölf "Gewalthaber" unter der Leitung des Viztums regelten. Diese Verwalter wurden später zu syndici (erste Erwähnung 1323). 1338 bestätigte der Generalvikar die bestehenden Rechte S.s durch einen Freiheitsbrief, den der Bischof 1339 erneuerte und der fortan jedem Bischof nach seiner Wahl zur Bestätigung vorgelegt wurde. Im selben Jahr soll Ks. Ludwig der Bayer die Bischofsstadt in den Rang einer freien Reichsstadt erhoben haben, worauf sie sich den Titel einer Baronie zulegte. 1346 erliessen der bischöfl. Viztum und die Burgerschaft gemeinsam Polizeiverordnungen. S. war nun eine Stadt mit Ringmauern (Ende des 12. Jh. letztmals erweitert), Freiheitsbriefen und Marktrecht.

Autorin/Autor: Bernard Truffer

2.2 - Sitten vom Spätmittelalter bis zum Ende des Ancien Régime

Ab Mitte des 14. Jh. bis 1475 bestimmten Krieg und Zerstörung S.s Geschichte. Bf. Witschard Tavel ging gegen die Privilegien des Domkapitels und der Stadt vor und fand Unterstützung bei Gf. Amadeus VI. von Savoyen. 1352 wurde S. durch ein savoy. Ritterheer erobert, gebrandschatzt und geplündert. 1373 kaufte der Bischof das Majorat von S. von der Lehensfamilie de Greysier zurück. Das Schloss Majoria wurde zur bischöfl. Residenz, der Meier durch einen vom Bischof jährlich neu zu ernennenden Kastlan ersetzt. 1384, während des Raronhandels 1418 und in den Burgunderkriegen 1475 wurde S. erneut geplündert.

Trotzdem gelang es der Stadt, ihre erworbenen Vorrechte zu verteidigen und sogar auszubauen. 1414 gab sich die Burgerschaft neue Statuten. 1433 genehmigte Bf. Andreas dei Benzi ein schärferes Reglement betreffend die Annahme neuer Burger und 1435 überliess er der Stadt die Ernennung des Kastlans, wobei er sich lediglich das Bestätigungsrecht vorbehielt. 1560 erwarb die Burgerschaft von der Lehensfamilie de Chevron das Vizedominat von S. Ein Jahr zuvor hatte der Bischof das Weibelamt und damit die Jurisdiktion über Salins der Burgerschaft abgetreten. Damit genoss die Stadt fortan eine grosse Selbstständigkeit.

Im 17. und 18. Jh. folgten ruhigere Zeiten. Abgesehen vom Bau des Rathauses am Grand-Pont 1657-65 und von der Bewältigung der Folgen des grossen Stadtbrands von 1788, dem neben dem Schloss Majoria und der Burg Tourbillon 115 der 284 bewohnten Häuser zum Opfer fielen, beschränkten sich die Magistraten im Wesentlichen auf die Verwaltung der Stadt und der umfangreichen Burgergüter.

Autorin/Autor: Bernard Truffer

2.3 - Die Burgerverwaltung

Laut den Statuten von 1269 setzte sich der Rat aus zwölf gewählten Burgern zusammen (je drei pro Stadtviertel, d.h. am linken Ufer der Sionne Sitta/Cité, später S., und am rechten Ufer Glaviney, Pratifori und Malacuria). Die Burgerstatuten von 1338 hielten in Art. 26 das Recht der Burger fest, Prokuratoren, Konsuln und syndici zur Verwaltung der Stadt zu wählen, womit die Burgergemeinde eine polit. Bedeutung erhielt. Die Gerichtsherrschaft dagegen blieb in den Händen der bischöfl. Beamten. Im 14. Jh. versammelten sich die Burger zweimal jährlich, im Frühjahr und im Herbst. Sie wählten jeweils zwei ursprünglich gleichberechtigte Konsuln an ihre Spitze. Jeder Burger war wählbar. Später wurde der Prokonsul (consul primarius) zum Burgermeister und der cosyndicus erhielt die Bezeichnung Sustenkonsul.

1523 wurden neben der Burgerversammlung und den beiden Konsuln zwei neue Organe geschaffen: der Kl. Rat und der Gr. Rat. Der Kl. Rat setzte sich aus den beiden Konsuln und 16 Quartiervertretern zusammen, dazu kamen noch der bischöfl. Viztum und die Zendenmagistraten Kastlan, Bannerherr und Zendenhauptmann. Dieser Rat beschäftigte sich mit sämtlichen inneren und äusseren Angelegenheiten der Stadt. Der Gr. Rat bestand aus 32 Mitgliedern, je acht pro Stadtviertel. Er befasste sich mit jenen Geschäften, für die der Kl. Rat die Verantwortung nicht übernahm. Das System mit dem Burgermeister und dem Sustenkonsul als ausführender Gewalt hielt sich bis zum Ende des Ancien Régime - allerdings mit bedeutenden Anpassungen. Die einst demokrat. Stadtverwaltung wandelte sich durch ein kompliziertes Drei-Ränge-System und die lebenslange Zugehörigkeit gewesener Magistraten zu den Räten zu einer Patrizieroligarchie, in der der Grossteil der Burger kaum mehr etwas zu sagen hatte.

Im Gegensatz zu anderen Schweizer Städten gelang es S. nie, eine Territorialherrschaft über das Umland durchzusetzen. Die Stadt genoss zwar eine gewisse Vorrangstellung im Zenden, dessen Ämter Grosskastlan, Zendenhauptmann und Bannerherr genauso wie die Ämter der Zendenrepublik (Landeshauptmann und Landvogt), die turnusgemäss dem Zenden S. zufielen, ausschliesslich von Burgern der Stadt besetzt wurden. Innerhalb der Zendenrepublik verteidigte S. seine Vorrangstellung als caput terrae Vallesii, als Hauptstadt des Landes, wiederholt gegen die Ansprüche des Zenden Goms. Bei militär. Aufgeboten mussten die übrigen Banner beim Erscheinen der Stadtfahne eingerollt werden. Die Burgerschaft hatte bereits vor 1344 das Recht erworben, sämtl. Todesurteile im Wallis zu bestätigen.

Autorin/Autor: Bernard Truffer

3 - Wirtschaft, Gesellschaft, Kirche und Schule in Mittelalter und Neuzeit

3.1 - Bevölkerungsstruktur

Im HochMA waren die Bewohner S.s homines episcopi, Leute des Bischofs. Das galt sowohl für die Bediensteten am Hof als auch für die Leibeigenen, die das Land bebauten, sowie die Handwerker und Händler. Als sich die Burgergemeinde allmählich zu organisieren begann, war diese mit der Zeit nicht mehr gewillt, jedem Neuzuzüger automatisch die gleichen Rechte wie den Burgern, deren Status erblich war, zu erteilen. Wer die ansehnl. Einkaufsumme von 60 Schilling (1326) nicht aufbringen konnte oder wollte und trotzdem eine Aufenthaltsbewilligung in S. erhielt, galt als ewiger Einwohner, dessen Status ebenfalls vererbbar war. Zu dieser Einwohnerkategorie gehörten in erster Linie die Arbeiter, Handwerker (oft aus der Eidgenossenschaft und aus dem Dt. Reich stammend) und Händler (ursprünglich meist Savoyer und Norditaliener). Die Pestzüge, die ab 1348 die Stadt heimsuchten, löschten viele Burgerfamilien aus. Ausserdem verringerte die restriktive Haltung der Burgerschaft bei der Aufnahme neuer Burger die Zahl der Burger im Verhältnis zu den ewigen Einwohnern drastisch. Bei der ersten Bevölkerungszählung 1610 hatte die Stadt 1'835 Bewohner, davon waren 412 Burger und 1'423 ewige Einwohner. Im 18. Jh. kamen als neue Einwohnerkategorie die Hintersässen (tollerati) hinzu. Am Vorabend der Revolution bestand die Stadtbevölkerung aus 19% Burgern, 30% ewigen Einwohnern sowie 51% Hintersässen und Randgruppen. Von den 41 Burgerfamilien waren zwölf adligen Standes und neun gehörten dem Patriziat an.

Im 16. Jh. erfolgte dank starker Zuwanderung aus dem deutschsprachigen Oberwallis eine fast vollständige Germanisierung S.s. Ab 1540 wurden die bis anhin lat. Ratsprotokolle deutsch abgefasst, ab 1600 auch die Rechnungen.

Autorin/Autor: Bernard Truffer

3.2 - Wirtschaft

S. lag an der im 13. Jh. und in der 1. Hälfte des 14. Jh. viel begangenen Fernhandelsstrasse von Norditalien über den Simplon und durch das Wallis in die Champagne. Als Relaisstation betrieb die Stadt eine Sust. Bauern und Adlige waren mehrheitlich in der Viehzucht tätig und sömmerten ihre Herden auf den Maiensässen auf der anderen Seite der Rhone. Bis ins 19. Jh. zeugten Scheunen und Ställe von diesem Erwerbszweig. Die Sionne trieb Mühlen, Sägereien und weitere Werke an, daneben gab es in S. zahlreiche Gerbereien. 1466 entstand aus einer kirchl. Bruderschaft die Zunft der Schmiede, Maurer und Steinmetzen; es folgte 1512 die Metzgerzunft, 1525 die Bäckerzunft, 1527 die Schneider- und Tuchhändlerzunft und 1602 die Zunft der Schuhmacher und Rotgerber. Diese Zünfte spielten bis zum Ende des Ancien Régime eine bedeutende wirtschaftl. Rolle. Für Handelsleute und wohlhabende Reisende stand in der Stadt ab 1550 das Gasthaus zum weissen Kreuz zur Verfügung, ab 1688 der Gasthof zum goldenen Löwen, den die Burgergemeinde neben dem Rathaus erbaut hatte.

Autorin/Autor: Bernard Truffer

3.3 - Kirche und religiöses Leben

Über die frühen Kirchen ist wenig bekannt, weil schriftl. Quellen vor dem 12. Jh. dürftig sind und die Befunde neuester archäolog. Untersuchungen keine eindeutigen Schlüsse zulassen. Der Vorgängerbau der jetzigen Kathedrale, die rom. Kirche Notre-Dame du Glarier im Quartier In Palacio, diente im 12. Jh. zugleich als Bischofs- und Pfarrkirche von S. Sie wurde in den Savoyerkriegen im 14. Jh. weitgehend zerstört und erst in der 2. Hälfte des 15. Jh. wieder aufgebaut. In der Zwischenzeit übernahm die St. Peterskirche die Funktion als Bischofs- und Pfarrkirche. Sie wurde 1806 abgerissen. Die Kirche auf Valeria wurde im 11. Jh. erbaut und der hl. Katharina geweiht. Sie war wohl von Anfang an die Kirche des Domkapitels. Die im 13. Jh. erstmals erw. St. Theodulskirche wurde um 1100 über den Ruinen röm. Thermen und eines Sakralbaus aus karoling. Zeit (vermutlich Grab- und Wallfahrtskirche mit Theodulskrypta) erbaut. Der in den Savoyerkriegen zerstörte Bau wurde 1510-16 durch Bf. Matthäus Schiner neu errichtet und erst im 17. Jh. vollendet. Er diente bis 1798 der französischsprachigen Stadtbevölkerung als Pfarrkirche. Im 17. Jh. beanspruchte die Burgergemeinde das Recht der Pfarrwahl und erreichte durch Vermittlung des päpstl. Nuntius das Privileg, den Stadtpfarrer aus einem Vierervorschlag des Domkapitels zu ernennen.

In der 2. Hälfte des 16. Jh. bildete sich in S. eine grosse ref. Gemeinde unter der Führung angesehener Burger, die meist als Studenten in Bern, Basel, Zürich, Lausanne und Genf mit der neuen Lehre in Kontakt gekommen waren. Nachdem sich der Walliser Landrat 1604 eindeutig für den Verbleib beim alten Glauben entschieden hatte, wanderten einzelne Fam. in ref. Gebiete aus, andere kehrten zum alten Glauben zurück. Die Gegenreformation unter Führung der Kapuziner aus Savoyen (Klostergründung 1631 und Bau der Klosterkirche 1636) und der Jesuiten (Missionstätigkeit im 17. Jh. und Übernahme des Gymnasiums 1734) zerstörte die letzten Hoffnungen der Reformierten, in der Bischofsstadt Fuss zu fassen.

Autorin/Autor: Bernard Truffer

3.4 - Spitäler

Seit Mitte des 12. Jh. unterhielt das Domkapitel ein Spital oder Hospiz, das dem Evangelisten Johannes geweiht war und sich ausserhalb der Stadtmauern befand. Um 1290 stiftete der Bischof in Pratifori innerhalb der neuen Stadtmauer das Marienspital. Nachdem es während der Savoyerkriege im 14. Jh. zerstört worden war, wurden die Einkünfte der Stiftung auf das St. Johannesspital übertragen, doch der Bischof hielt sich bis 1569 deren Verwaltung vor. Als drittes Spital wurde im Norden der Stadt ausserhalb der Stadtmauern das St. Georgsspital gestiftet. Nach dem Aussterben der Stifterfamilie um 1349 ging das Stiftungspatronat auf die Burgergemeinde über. 1388 einigten sich die Burgergemeinde, das Domkapitel und der Bischof darauf, die Leitung der Spitäler zusammenzulegen. 1569 traten das Domkapitel und der Bischof ihre Rechte an den Spitälern der Burgergemeinde ab. Die Burgerschaft ernannte zur Verwaltung der Spitalstiftungen und Gebäude einen Spitalherrn und eine Spitalkammer, bestehend aus je einem Vertreter jedes Stadtviertels. 1763-81 liess die Burgerschaft das St. Johannesspital abreissen und am selben Standort neu bauen. Für Aussätzige und Pestkranke besass S. nahe der Rhonebrücke ein Siechenhaus.

Autorin/Autor: Bernard Truffer

3.5 - Schulen und Kultur

Als geistiges Zentrum des Landes besass S. eine wohl im 9. Jh. entstandene Domschule. Hauptzweck dieser Schule war die Heranbildung von Geistlichen. Ein rector scolarum Sedunensium erteilte unter Aufsicht des Kantors des Domkapitels den Schulunterricht. Im ausgehenden MA wurde die Schule wegen der Kriege und Unruhen vernachlässigt, dann als Landesschule wieder eröffnet. Der Schulmeister wurde fortan vom Landrat ernannt und bald auch aus den Einkünften des Landes besoldet. In der Landesschule holten sich die jungen Walliser ihre Grundausbildung, bevor sie ihre Studien an den höheren Bildungsanstalten in den Städten in der Eidgenossenschaft oder im Ausland fortsetzten. 1580 baute der Landrat mit finanzieller Unterstützung des Bischofs und des Domkapitels ein neues Schulgebäude im Quartier Sitta. 1734 übernahmen die Jesuiten nach mehreren erfolglosen Versuchen den Schuldienst in S. Nach der Auflösung des Ordens 1773 verliessen die Jesuiten 1774 S. offiziell, einige blieben aber bis 1788. Bis zum Ende des Ancien Régime wurde die Schule von Weltgeistlichen weitergeführt.

In der Sittener Domschule erwarben ab 1200 die Notare der Domkanzlei ihre Latein- und Rechtskenntnisse. Dort mag auch mancher Schreiber des Sittener Schreibateliers seine Ausbildung erhalten haben, zeugen doch 55 nachweislich in S. entstandene liturg. und theol. Handschriftenbände aus dem 11. bis 15. Jh. im Domkapitelsarchiv vom hohen Stand der Schreibkunst.

Autorin/Autor: Bernard Truffer

4 - Politik und Verwaltung vom 19. bis zum 21. Jahrhundert

4.1 - Von der Helvetischen Republik bis 1848

Die Anführer der Unterwalliser Verschwörung von Les Crochets wurden 1791 in S. hingerichtet, wo sich kein Widerstand gegen die Patrizierherrschaft regte. 1798 war S. zwischen der revolutionären Gesinnung eines Teils seiner Bevölkerung, die am 10. März einen Freiheitsbaum errichtete, und der Ablehnung des Umbruchs durch das Oberwallis hin- und hergerissen. Als konterrevolutionäre Oberwalliser zum Aufstand schritten, wurde dieser am 17. Mai von franz. und waadtländ. Truppen niedergeschlagen und die Stadt geplündert.

Während der Helvetik wurde S. zum Streitobjekt zwischen Anhängern und Gegnern des neuen Regimes. Im Mai 1799 plünderten konterrevolutionäre Oberwalliser die Stadt. Um im Wallis für Ruhe zu sorgen, liess der franz. General Louis-Marie Turreau de Garambouville S. 1801 besetzen und Napoleon Bonaparte erklärte das Wallis 1802 zu einer unabhängigen Republik, die er 1810 Frankreich anschloss. 1798-1801 residierte der helvet. Regierungsstatthalter in S.; über die Munizipalgemeinde (polit. Gemeinde) und die Gemeindekammer (Burgergemeinde) ist aus dieser Zeit wenig bekannt, da keine Protokolle überliefert sind. Während der Zeit der unabhängigen Republik 1802-10 riss die Burgergemeinde die Gemeindepolitik wieder an sich, konnte aber nur einen Patrizier in die Zendenbehörden, die sie vor 1798 noch beherrscht hatte, abordnen. Unter der franz. Besatzung wurde Joseph du Fay de Lavallaz aus S. vom Kaiser zum Maire des Kreises S. ernannt. Ihm standen zwei Stellvertreter zur Seite.

Unter der österr. Besatzung ab Ende Dez. 1813 erhielt die Burgerschaft oder Burgergemeinde ihre Rechte wieder zurück und an die Stelle des Maire trat erneut ein Bürgermeister. Bis Dez. 1814 standen sich die Befürworter des Ancien Régime und die Anhänger der unabhängigen Republik gegenüber, wobei jede Partei einen Rat bildete. Als sich die beiden Räte vereinigten, wurde die Zahl der Ratsmitglieder auf 20 festgelegt. 1815-39 zogen die Patrizier die Aufgaben der Burgerschaft nach und nach an sich. Auf Initiative von Alexandre de Torrenté wurde um 1830 eine liberale Partei gegründet. In der kant. Politik stimmte S. meistens mit den Oberwalliser Zenden, sodass bei den Abstimmungen im Landrat (nach Zenden) das Unterwallis unterlag. Die neue Kantonsverfassung von 1839 teilte die Gemeindebehörden in eine Gemeindeversammlung, der alle Walliser angehörten, die seit mindestens fünf Jahren in S. lebten, und in einen Generalrat, der sich ausschliesslich aus Sittener Burgern zusammensetzte.

Nach der Abstimmung über die Verfassung von 1839 wurde S. Sitz der rechtmässigen Regierung, während das abtrünnige Oberwallis Siders zum Regierungssitz wählte. 1840 wurden das Ober- und das Unterwallis wiedervereint. Die Besetzung S.s durch die Oberwalliser 1844 bildete den Auftakt zum Sonderbundskrieg und zur Einnahme S.s durch die eidg. Truppen im Nov. 1847.

Autorin/Autor: Lucienne Hubler / ANS

4.2 - Von 1848 bis zum 21. Jahrhundert

Mit der Kantonsverfassung vom Jan. 1848 und dem Gemeindegesetz von 1851 wurden die polit. Gemeinde und die Burgergemeinde (oder Burgerschaft) getrennt und die Burgergüter zwischen den beiden Gem. aufgeteilt. Der Gemeinderat umfasste 15 Mitglieder. Der Gemeindepräsident hatte als Einziger ein ständiges Amt inne und wurde stets mit einem Konservativen (ab 1970 Christlichdemokraten) besetzt. 2009 folgte der erste liberale Gemeindepräsident. 1973 gelangte erstmals eine Frau in den Gemeinderat. Der Burgerrat (Exekutive) mit sieben Mitgliedern und die beschlussfassende Burgergemeindeversammlung verwalteten die zahlreichen Burgergüter (Wälder, darunter jener von Thyon, Maiensässe, Rhoneinseln). Bis 1989 beteiligte sich die Burgerschaft an gewissen Gemeindekosten (Schulhäuser).

Autorin/Autor: Lucienne Hubler / ANS

5 - Wirtschaft und Gesellschaft vom 19. bis zum 21. Jahrhundert

Noch 1850 präsentierte sich S. wie im Ancien Régime als eine Stadt der Aristokraten und Bauern. Statistisch gesehen erreichte S. (ohne Bramois) erst in den 1940er Jahren die Grösse einer Stadt (10'000 Einw.). 1798 zählte S. 2'201 Einwohner, aber sein Bevölkerungswachstum in der 1. Hälfte des 19. Jh. war mit 45% stärker als jenes im Kanton, das bei 35% lag. In der 2. Hälfte des 19. Jh. wanderten Sittener nach Südamerika und Algerien aus. Die bisher grösste Bevölkerungzunahme erfolgte gegen Ende des 20. Jh. In S., das neben anderen Dienstleistungsbetrieben auch die Gemeinde- und Kantonsverwaltung beherbergt, stellte 2005 der 3. Sektor 78% der Arbeitsplätze. Der Anteil der Arbeitsplätze in der Landwirtschaft dagegen fiel von 58% (1900) auf 2% (2005).

Autorin/Autor: Lucienne Hubler / ANS

5.1 - Stadtentwicklung

S. war ein Verkehrsengpass, denn die Kantonsstrasse führte mitten durch die Stadt. Um Platz zu gewinnen, wurden deshalb beim Neubau der Strasse ab 1830 auch die Stadtmauern abgerissen. Am Ende des 19. Jh. waren nur noch zwei Türme übrig. Die Sionne wurde um 1848 ganz eingedolt, was den Übergang über den Grand-Pont erleichterte. Zusätzlich wurden die Strassen verbreitert. Die Place de la Planta, die ehem. Festwiese ausserhalb der Stadtmauern, wurde 1850 angelegt, die Place du Midi 1855. Mit dem Anschluss ans Eisenbahnnetz 1860 wuchs die Stadt nach Süden. Der 1871-72 erstellte Bahnhof wurde 1960 durch einen Neubau ersetzt. Bis zum 2. Weltkrieg blieb das Gebiet ausserhalb der alten Stadtmauern locker besiedelt, in den letzten Jahrzehnten des 20. Jh. verstädterte es. Seit 1988 hat S. einen Autobahnanschluss an die A9.

Ab 1866 erfolgte die Rhonekorrektion. Trotzdem wurden die Stadt und ihre Umgebung vor der zweiten Rhonekorrektion 1920 und 1935 erneut überschwemmt. Im Westen bei Les Iles, wo die Arme der Rhone Inseln geformt hatten, wurden Entwässerungskanäle angelegt. Dadurch wurden ca. 500 ha Landwirtschaftsfläche gewonnen. Auf diesem Land richtete die Burgergemeinde am Ende des 20. Jh. ein Erholungsgebiet ein.

1867 wurde die Gasbeleuchtung, 1895 die elektr. Beleuchtung eingeführt (Elektrizitätswerk Bramois bis 1900). Die Wasserversorgung aus der Sionne genügte bald nicht mehr. 1895 wurde daher provisorisch Wasser aus der Borgne zugeleitet, 1901 dann Wasser aus der Lienne gefasst. Nachdem zuerst das Elektrizitätswerk von Vernayaz Strom geliefert hatte, baute die Gem. 1907 und 1917 zwei Elektrizitätswerke an der Lienne (Gem. Saint-Léonard). 1903 setzte S. einen Strassenunterhaltsdienst ein und baute eine Kanalisation, 1907 nahmen die Gemeindewerke ihren Betrieb auf.

1897 wurde ein erster Stadtbauplan entworfen. Der starke Modernisierungsschub, der S. an der Wende zum 20. Jh. erfasste, brachte die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur mit sich. Noch bevor die Überbauungen sich ausbreiteten, war bei Sous-le-Scex 1907 eine Landwirtschaftszone eingerichtet worden. Der 1913 geplante Flugplatz wurde 1935 gebaut und dient seit 1943 sowohl der zivilen als auch der militär. Nutzung.

Das Spital Saint-Jean wurde 1944 vom Spital Gravelone abgelöst. Dieses wurde 1979 zum Altersheim umfunktioniert, weil mit dem Regionalspital S.-Hérens-Conthey in Champsec nun ein neues Spital zur Verfügung stand. 1999 eröffnete die Suva in S. die Westschweizer Rehabilitationsklinik.

Autorin/Autor: Lucienne Hubler / ANS

5.2 - Wirtschaft

Die Sittener Wirtschaft blieb lange von der Landwirtschaft und der Viehzucht geprägt, wovon die zahlreichen, bis 1914 abgehaltenen Märkte zeugen. 1850 wurde der Hang Montorge in einen Rebberg umgewandelt und mit Chasselastrauben (Fendant) bepflanzt. Die teilweise waadtländ. Besitzer der 307 ha Rebland (1887) gründeten Weinkeller und exportierten Weinmost, Wein oder Tafeltrauben mit der Eisenbahn. Auf dem der Rhone abgetrotzten Land wurde ebenfalls für den Export bestimmtes Obst und Gemüse angebaut. Die 1868 gegr. Sittener landwirtschaftl. Genossenschaft ist die älteste des Kantons. 1930 wurde die Genossenschaftskellerei ins Leben gerufen (1932 Mitgründerin der Provins), um die Stellung der Weinbauern gegenüber den Händlern zu stärken.

S. wurde nicht industrialisiert. Zwei Tabakfabriken und einige Bierbrauereien waren in der 2. Hälfte des 19. Jh. praktisch die einzigen Industriebetriebe. Die Hotellerie und der Tourismus blieben lange Zeit bescheiden, der Gasthof zum goldenen Löwen schloss, dafür wurden 1840 das Hotel de la Poste und 1866 das Hotel du Midi eröffnet. Bevor 1917 die Walliser Kantonalbank mit Sitz in S. gegründet wurde, bestanden bloss einige Privatbanken. Mit der Eröffnung eines ersten grossen Ladens zu Beginn des 20. Jh. hielt die Moderne in S. Einzug. Der erste Supermarkt öffnete 1951 seine Tore.

Autorin/Autor: Lucienne Hubler / ANS

5.3 - Kirche und Schule

1812 wurde der Kapuzinerorden aufgehoben, 1814 kehrten die Kapuziner jedoch wieder in ihr 1798 geplündertes Kloster zurück. Weil der Orden arm war, blieb er 1848 von der Säkularisation verschont. Bis Ende der 1960er Jahre war das Kapuzinerkloster ein Studienkloster, zu Beginn des 21. Jh. zählte es noch ein paar Mönche.

Die Stadt übertrug das Mittelschulwesen 1806 der Societas fidei Iesu, die sich an der Gesellschaft Jesu orientierte und eine klassische humanist. Bildung vermittelte. Die Jesuiten kehrten 1814 nach S. zurück, wurden aber 1847 wieder vertrieben. Dasselbe Schicksal ereilte die Ursulinen, die ab 1837 die Mädchen unterrichtet hatten. Ihr 1837-38 gebautes Kloster diente ab 1848 als Sitz der kant. Behörden. 1868 liessen sich die Ursulinen wieder in S. nieder, wo sie ein Waisenhaus, Heime und Schulen führten. Ab 1845 erteilten die Marianisten den Schulunterricht für Knaben, ab 1876 lehrten sie auch am Lehrerseminar. 1892 liess S. ein neues Mittelschulgebäude errichten, in dem auch das Staatsarchiv und die Kantonsbibliothek untergebracht waren (heute Sitz des Kantonsgerichts). Die ab 1885 in S. ansässigen Franziskanerinnen von Sainte-Marie-des-Anges (Dames-Blanches) leiteten ab 1937 ein klass. Mädchengymnasium, das 1977 an den Kanton überging und seit 1981 auch Knaben aufnimmt. Das 1979 eröffnete Kollegium Les Creusets bietet seit 1994 eine zweisprachige Matura an. 1807 wurde eine Rechtsschule für angehende Notare gegründet. Sie wurde 1810 geschlossen, 1824 wiedereröffnet und bis 1907 betrieben. Mehrere kant. Schulen liessen sich in S. nieder, so 1923 die Landwirtschaftsschule, 1944 die Schwesternschule, 1949 die Musikschule, 1953 die Kunsthochschule und 1988 das Technikum.

Nach dem Brand von 1788 residierte der Bischof in einem Provisorium, 1839 zog er in die Nähe der Kathedrale. Diese wurde 1947 vergrössert und blieb bis zur Gründung der Pfarreien Sacré-Cœur 1953, Saint-Guérin 1961 und Saint-Théodule 1975 die einzige Pfarrkirche. Die Filiale von Salins wurde 1837 zum Rektorat und 1893 zur Pfarrei erhoben.

Die wenigen Reformierten, die sich in den 1830er Jahren in S. angesiedelt hatten, erhielten 1858 eine Pfarrstelle. Die ref. Kirchgemeinde umfasste damals den gesamten Kanton. 1876 wurde die erste ref. Kirche eingeweiht, die heutige Kirche stammt von 1970. Der muslim. Gemeinschaft stehen zwei islam. Zentren zur Verfügung.

Autorin/Autor: Lucienne Hubler / ANS

5.4 - Kultur

S. beherbergt kulturelle Institutionen des Kantons und der Stadt. Aus dem 1820 gegr. Kuriositätenkabinett des Jesuiten Etienne Elaerts, das 1830 von Stadt und Kanton unterstützt wurde, ging das Kantonsmuseum hervor. Das hist. Museum befindet sich seit 1883 in Valeria. Im Schloss Majoria, das 1842-1942 als Kaserne diente, wurde 1947 das Kunstmuseum untergebracht. Im alten Kantonsgefängnis von 1909 werden seit 2000 Wanderausstellungen gezeigt.

Die Burgergemeinde erstellte 1863 ein Kasino mit Ballsaal als Treffpunkt. 1912 kaufte die Gem. das Kasino, in dem seit 1944 der Walliser Gr. Rat tagt. 2008 erwarb die Burgerschaft das Maison du Diable (1515-28 erbaut) und stellte es 2011 der 2001 gegr. Fondation Fellini pour le cinéma zur Verfügung. Das 1758 eröffnete Theater der Jesuiten wurde zum Théâtre de Sion und änderte 1970 seinen Namen in Théâtre de Valère. 1974 nahm das Petithéâtre seine Tätigkeit auf. Mit dem Festival Tibor Varga (1964-2001) und dem seit 1969 durchgeführten Festival international de l'orgue ancien auf Valeria wurde S. zu einem international bekannten Musikfestort.

Der einzige Walliser Drucker, der in S. ansässige Antoine Advocat, gab 1798 unter dem Titel "Nouvelliste valaisan" die einzige Nummer der ersten polit. Zeitung heraus. Sie richtete sich gegen die neue Regierung. Die nach 1839 erschienenen Titel wie das liberale "L'Echo des Alpes" (1839-44) überlebten meist nur kurze Zeit. Der radikale "Confédéré" wurde 1861 gegründet. Der "Walliser Bote", das konservative Blatt des Oberwallis, wurde 1840-1932 in S. gedruckt. Das 1903 gegr. "Journal et feuille d'avis du Valais et de Sion" ging 1968 im 1903 gegr. "Le Nouvelliste ("Le Nouvelliste et Feuille d'Avis du Valais") auf.

Autorin/Autor: Lucienne Hubler / ANS

Quellen und Literatur

Literatur