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Laufen-Uhwiesen

Polit. Gem. ZH, Bez. Andelfingen. Wohngem. am Rand der Agglomeration Schaffhausen, die aus dem Dorf Uhwiesen auf einer Terrasse des Cholfirst, der Siedlung Laufen mit Schloss am Rheinfall und dem rechtsrhein. Weiler Nohl besteht. Bis 1840 polit. Gem. mit Flurlingen. 858 ad Laufin, 1290 ze Uwisan. 1467 41 Haushalte; 1643 388 Einw.; 1850 794; 1900 824; 1950 795; 1970 1'048; 2000 1'369.

Das Gebiet von L. war im FrühMA dünn besiedelt. Die Erschliessung ging vom spätestens im 9. Jh. existierenden grundherrl. Zentrum Laufen aus, das in jüngerer Zeit nur aus einer Burg und einer Kirche bestand, im 14. Jh. aber noch einen grossen Kelnhof und eine Mühle umfasste. Ebenfalls im 9. Jh. wird der Hof Mörlen erwähnt. Das Dorf Uhwiesen war eine hochma. Ausbausiedlung, die sich jedoch im 15. Jh. auf Grund des Weinbaus zur Hauptsiedlung entwickelte. Vom 12. Jh. an hatten die Bf. von Konstanz die Grundherrschaft inne, die niederen Gerichte lagen ab ca. 1440 in den Händen der Schaffhauser Fam. von Fulach. Hochgerichtlich gehörte L. zur Grafschaft Kyburg und wurde mit dieser 1424 bzw. 1452 zürcherisch. 1544 erwarb Zürich auch die niedere Gerichtsbarkeit und vereinigte alle ihre Herrschaftsrechte in der bis 1798 bestehenden Obervogtei Laufen. Die Hilariuskirche in L. wird 1155 als Eigentum der Bf. von Konstanz erstmals erwähnt - sie stand im Zentrum einer Grosspfarrei. Die Kollatur lag bei versch. Inhabern (u.a. 1349 bei den Herren von Tengen) und kam erst 1806 zu Zürich. 1491 ist die Kapelle Uhwiesen als Filiale von Laufen erstmals bezeugt, das Gotteshaus wurde in der Reformation profaniert. Die Gem. entstand aus dem konstanz.-bischöfl. Amt Uhwiesen. Die bischöfl. Gerichtsstätte in der Taverne Drei Linden diente auch als Gemeindehaus. 1604 liess die Gem. ein Urbar erstellen. Nach den ökonom. Tabellen von 1767 dominierten der Acker- und der Rebbau. Im Dorf wurden damals 65 Schweine, 70 Kühe und 20 Ochsen, aber nur zwei Pferde gehalten. Die Fischer im Nohl, welche Fischrechte auf der linken Seite des Rheins besassen, wurden 1557 zur Lachsfischerei für die Zürcher Obrigkeit verpflichtet. 1838 erfolgte der Ausbau und die Verlegung der Strasse Andelfingen-Schaffhausen. 1857 nahm die Rheinfallbahn der Nordostbahn-Gesellschaft den Betrieb auf (Bahnstation in Dachsen). Um 1850 zählte man 100 Landwirte, 45 Handwerker sowie vier Facharbeiter, die ihr Auskommen in der benachbarten Neuhauser Industrie fanden. Im Schiffgewerbe im Nohl arbeiteten 14 Personen. 1941 war noch ein Drittel der 282 männl. Erwerbstätigen im 1. Sektor beschäftigt. 2000 stellte der 1. Sektor ein Siebtel aller Arbeitsplätze in der Gem., der 2. ein knappes Drittel.


Literatur
Uhwieser Mappe, 1985-
– K. Wanner, Siedlungen, Kontinuität und Wüstungen im nördl. Kt. Zürich, 1984, 119-132
– W.U. Guyan, L. im Zürcher Weinland, 1988
– P. Niederhäuser, «Adel, Dorfgem. und Herrschaftsstrukturen im Zürcher Weinland im Übergang zur Frühen Neuzeit», in Wirtschaft und Herrschaft, hg. von T. Meier, R. Sablonier, 1999, 203-244

Autorin/Autor: Martin Illi