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Nenni, Pietro

geboren 9.2.1891 Faenza (Emilia Romagna), gestorben 1.1.1980 Rom, ital. Staatsbürger. Sohn des Giuseppe, Bauern. ∞ 1911 Carmen Emiliani. Nach dem Tod des Vaters 1896 wuchs er in einem Waisenhaus auf und besuchte eine techn. Schule. Früh aktiv in der republikan. Bewegung, wurde er Gewerkschaftsführer und Journalist. Er befürwortete 1915 einen Kriegseintritt Italiens und war 1919 Mitgründer des ersten Kampfbundes (fascio dei combattenti) von Bologna. 1921 trat er der Sozialist. Partei Italiens bei, deren Führer er lange Zeit war. Während des Zürcher Kongresses der ital. Sozialisten 1923 in der Schweiz wandte er sich erfolgreich gegen eine Fusion mit den Kommunisten. Ab 1926 traf er sich auf dem Monte Generoso im Tessin mehrmals heimlich mit Guglielmo Canevascini und Friedrich Adler. Nach seiner im selben Jahr erfolgten Flucht nach Frankreich gehörte N. zu den Führern des ital. Antifaschismus. 1927 setzte er sich über das erst drei Jahre später widerrufene Einreiseverbot in die Schweiz hinweg und hielt am 1. Mai in Genf eine Rede. Er nahm an den Treffen der Sozialist. Arbeiter-Internationale in Zürich teil und hielt zahlreiche Vorträge v.a. im Tessin und der franz. Schweiz. 1934 gab der mehrheitlich sozialist. Stadtrat von Lausanne zu seinen Ehren einen Empfang. 1936 kämpfte N. in den Internat. Brigaden in Spanien, 1943 wurde er auf die Insel Ponza verbannt. Nach dem Krieg gehörte er 1945-47 und 1963-69 der ital. Regierung an.


Werke
Storia di quattro anni: 1919-1922, 1946
Diari, hg. von G. Nenni e D. Zucaro, 3 Bde., 1981-1983
Quellen
– BAR, Polizeidossier
Literatur
Il movimento operaio italiano: dizionario biografico 1853-1943, hg. von F. Andreucci, T. Detti, Bd. 3, 1977
– E. Santarelli, Pietro N., 1988

Autorin/Autor: Mauro Cerutti / BT