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Olivetti, Angelo Oliviero

geboren 21.6.1874 Ravenna, gestorben 17.11.1931 Spoleto, ital. Staatsbürger. ∞ Berta Hoffenheuser. Der Advokat und aktive Sozialist suchte nach den Mailänder Unruhen von 1898 in Lugano vor der Repression Zuflucht. Mit Brenno Bertoni eröffnete er 1900 ein Anwalts- und Notariatsbüro. O. arbeitete für versch. Zeitungen und Zeitschriften, darunter 1898-99 die "Gazzetta Ticinese" und "Il Socialista". Mit Francesco Chiesa gründete er 1899 die bis 1901 erschienene Kulturzeitschrift "Piccola rivista ticinese". 1902-06 war er Mitglied der Führung der sozialist. Partei Italiens in der Schweiz und näherte sich später den revolutionären Syndikalisten an. 1906 wurde er Mitarbeiter bei der radikalen Tageszeitung "Azione" und gründete "Pagine libere", eine vierzehntäglich erscheinende Zeitschrift für Politik, Kunst und Wissenschaft (bis 1911). Ferner war er Präs. des ital. Spitals von Lugano. 1912 wurde O. wegen einer Reihe von Artikeln in der ital. Presse, worin er die Gefahr einer Germanisierung der ital. Schweiz beschwor und als Bedrohung für Italien darstellte, aus der Schweiz ausgewiesen. Nach seiner Rückkehr nach Italien setzte er sich für den Kriegseintritt Italiens und für die Gewerkschaftsbewegung libertärer Ausrichtung ein. 1924 trat er der Nationalen Faschist. Partei bei und vertrat auch theoretisch einen integralistischen Syndikalismus und Korporatismus.


Werke
La mia espulsione dalla Svizzera, 1913
Literatur
Il movimento operaio italiano: dizionario biografico 1853-1943, hg. von F. Andreucci, T. Detti, Bd. 5, 1978
– W. Gianinazzi, Intellettuali in bilico: "Pagine libere" e i sindacalisti rivoluzionari prima del fascismo, 1996

Autorin/Autor: Pasquale Genasci / BT