Herrnhuter Brüdergemeine

Die H. ist eine weltweit verbreitete Freikirche (Freikirchen und Sekten), die auch als Brüder-Unität, Unitas fratrum, Böhm. oder Mähr. Brüder bekannt ist. Sie entstand 1727 aus einer Gemeinschaft mähr. Glaubensflüchtlinge, die sich auf den böhm. Reformator Jan Hus beriefen und von Gf. Nikolaus Ludwig von Zinzendorf bei Görlitz (Kursachsen) angesiedelt worden waren. Die Siedlung erhielt den Namen Herrnhut und entwickelte eine eigene Glaubensordnung, welche die urchristl. Brüderlichkeit ins Zentrum stellte. Über Friedrich von Wattenwyl trat Zinzendorf mit schweiz. Pietisten in Verbindung. Sendboten der H. wie Friedrich Wilhelm Adolph Biefer predigten in der Schweiz, und ab 1739 bildeten sich in Bern, Basel, Aarau und Zürich Sozietäten. Zinzendorf besuchte die Schweiz mehrfach; 1741 knüpfte er in Genf Kontakte zu Geistlichen und zur Universität. Die Gründung einer Gemeinde in Montmirail (heute Gemeinde La Tène) scheiterte. In den ref. Gebieten der Schweiz war die Zahl der Freunde der H. beachtlich. Die Veröffentlichungen Zinzendorfs und der H. wurden gelesen und spielten eine Rolle für die Erweckungsbewegungen des 18. und 19. Jh. sowie für die Basler Mission. In Montmirail wurde 1766 ein Institut für Mädchen gegründet, in Lausanne 1837 eines für Knaben, das von 1873-1920 im Schloss Prangins weiter bestand. Ende des 20. Jh. zählte die H. in der Schweiz 350-400 Mitglieder. Montmirail ist Sitz einer evang. Communität, Sozietäten gibt es in Basel, Bern, Zürich und Menziken.


Literatur
– W. Senft, Ceux de Montmirail, 1947
– H. Reichel, «Die Anfänge der Brüdergemeine in der Schweiz mit besonderer Berücksichtigung der Sozietät in Basel», in Unitas fratrum 29/30, 1991, 9-127
– D. Cranz, Reise durch Graubünden, 1996

Autorin/Autor: Hellmut Reichel