Grenzwachtkorps

Mit der Schaffung einer schweiz. Aussengrenze 1848 wurde das Einziehen der Zölle neu organisiert. Für die Zollsicherheit waren aus Spargründen vorerst kant. Landjäger verantwortlich. Einzig in den Kt. Genf und Tessin kamen eidg. Grenzwächter zum Einsatz. Der Übergang der Freihandels- zur Schutzzollpolitik brachte 1894 die Einrichtung eines bundeseigenen G., dessen Aufbau und Ausbildung in den Aufgabenbereich der sechs Zollkreisdirektoren fiel. Zu den Hauptaufgaben der Grenzwächter gehörte die "Entdeckung, Verhinderung und Unterdrückung des Schmuggels". Nach dem 1. Weltkrieg nahmen die Aufgaben (u.a. Personenkontrolle) zu. Gleichzeitig wurde die Ausbildung (seit 1934 in Liestal) zentralisiert und das bewaffnete Korps straff militärisch strukturiert. 1928 erhielten die Grenzwächter den Beamtenstatus (bis Dez. 2001). Das zwischen 1915 und 1920 massiv ausgebaute G. wurde in der Zwischenkriegszeit verschiedentlich gegen demonstrierende und streikende Arbeiter eingesetzt. Während des 2. Weltkriegs war es - gemeinsam mit Territorialkommandos der Armee - für den Vollzug der Weisungen des Justiz- und Polizeidepartements und damit für die Aufnahme und Wegweisung von Flüchtlingen verantwortlich. Mit 2'500 Angehörigen erreichte der Personalbestand zwischen 1940 und 1945 seinen Höchststand. Rekrutierungsschwierigkeiten und die explosionsartige Zunahme des grenzüberschreitenden Waren- und Personenverkehrs führten ab den 1950er Jahren zu versch. Reorganisationen. Grenzübergänge wurden aufgehoben, die Zollkreise neu festgelegt und die techn. Ausrüstung den Erfordernissen der Zeit angepasst. Das seit 1991 auch für Frauen offen stehende G. erhielt in den 1990er Jahren eine neue, auf Mobilität beruhende Einsatzdoktrin. Neben der angestammten Bekämpfung des Schmuggels wurden dem G. vermehrt polizeil. Aufgaben übertragen. Die rund 2'000 Grenzwächter (darunter etwa 100 Frauen) im Dienste der Eidgenossenschaft mussten 2002 205'435-mal intervenieren: Mehr als die Hälfte der Interventionen erfolgt aufgrund von nicht erfüllten Einreisevoraussetzungen, rund ein Sechstel betraf Zuwiderhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz. 32'290 an der Grenze festgehaltene Personen wurden, gestützt auf nationale und internat. Fahndungsunterlagen, der Polizei übergeben.


Literatur
– «Das G. 1894-1994», in Zoll-Rundschau Nr. 2, 1992 (Sondernr.)

Autorin/Autor: Alfred Kuert