Dinkel

Die Weizenart D. (Triticum spelta), auch Korn, Spelt (Spelz), Kernen oder Fesen genannt, war bis ins 19. Jh. die meist verbreitete Getreidesorte und wichtigste Brotfrucht der Deutschschweiz. Archäologisch belegt ist D. in frühbronzezeitl. Fundstellen (ab 1700 v.Chr.); um 1000 v.Chr. war D. bereits die vorherrschende Getreideart im Raum zwischen Neuenburger- und Zürichsee. Anders als der in der Westschweiz überwiegende Weizen (Weichweizen) ist D. anspruchslos, nässe- und kälteresistent, weshalb er als Wintergetreide bis in höhere Lagen angebaut wurde. Da bei D. die Spelzen dicht am Korn anliegen, musste dieses vor dem Mahlen durch Rellen (röllen, renlen) entspelzt werden. In dieser Form, entspelzt und als Kernen bezeichnet, war D. das wichtigste Handelsgetreide. Nicht zuletzt wegen des zusätzl. Arbeitsgangs des Entspelzens stellten Bauern tiefer gelegener Gebiete, z.B. die der Basler Landschaft, ab Ende des 18. Jh. allmählich auf Weizen um. D. lag aber noch um 1885 mit 33% der gesamtschweiz. Anbaufläche beim Wintergetreide an erster Stelle. Als im 20. Jh. resistentere Weizenzüchtungen auf den Markt kamen, ging der D.-Anbau rasch zurück. Der Flächenanteil von D. am schweiz. Getreidebau betrug 1900 19%, 1931-40 10%, 1971-80 3%, 1995 1%. Das Aufkommen neuer Ernährungsgewohnheiten (Reformkost) und die Wiederentdeckung ursprüngl. Getreidesorten verhalfen dem D. ab den 1980er Jahren zu einer gewissen Popularität, die sich indes im schweiz. D.-Anbau kaum niederschlug. So machte der Flächenanteil von D. beim Brotgetreide 1985 4% aus, 1995 2% und 2000 weniger als 1,5%. Im Kt. Tessin war der Anbau von D. nie von Bedeutung.


Literatur
– C. Pfister, Bevölkerung, Klima und Agrarmodernisierung 1528-1860, 21985, 35-37, 65 f.
– D. Zohary, M. Hopf, Domestication of Plants in the Old World, 1994 (32000, )

Autorin/Autor: Markus Mattmüller, Anne-Marie Dubler