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Raron (Gemeinde)

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Polit. Gem. VS, Hauptort des Bez. Westl. Raron. R. liegt an der rechten Rhonetalflanke am Eingang zum Bietschtal, westlich von Visp. 1101-1200 Rarogni, 1146 Rarun, franz. Rarogne. Um 1800 360 Einw.; 1850 411; 1900 553; 1950 969; 2000 1'672. Zur Gem. gehören neben den Dörfern R. und Sankt German die Weiler Turtig und Rarnerchumma. Eine Siedlung auf dem Heidnischbiel, ein Gräberfeld auf dem Blatt und Streufunde in den umliegenden Reben belegen eine dauernde Besiedlung der Umgebung von R. vom Neolithikum bis zur Latènezeit. Die Siedlung scheint zur Römerzeit verlassen worden zu sein. Im MA wurde der Hügel westlich vom Heidnischbiel, auf dem im 12. Jh. der rom. Wohnturm als Sitz des Viztums von R. gebaut wurde, zum Burghügel und Wahrzeichen von R. Die Fam. von R., Asperlin und de Chevron-Villette erhielten das Vizedominat vom Bf. von Sitten als Lehen. Während des Raronhandels 1417 teilweise zerstört, wurde der Wohnturm 1538 von der Gem. erworben, diente danach als Zendenrathaus und Gefängnis und befand sich zu Beginn des 21. Jh. in Privatbesitz. Daneben entstand im 13. Jh. der Meierturm, den u.a. die Fam. Asperlin bewohnte. Aus R. stammten ein Bischof und einige Landeshauptmänner, deren Klugheit R. den Ehrentitel Raronia prudens eintrug.

Kirchl. Zentrum war ursprünglich wohl St. German, wo bereits für das 8. oder 9. Jh. ein Gotteshaus nachgewiesen werden kann. Erst 1299 scheint die Kirche in R. zur Pfarrkirche erhoben worden zu sein. Die Grosspfarrei umfasste die vier Gem. des mittleren Drittels des Zenden R. 1554 trennte sich Unterbäch zusammen mit Bürchen, 1867 Ausserberg von der Pfarrei. Die Kirche St. Romanus in R. wurde 1494 bis auf den Turm (1938 abgebrochen) vom Bietschbach zerstört und zu Beginn des 16. Jh. durch die Burgkirche mit demselben Patrozinium ersetzt. Letztere entstand aus dem unbewohnten Meierturm, der 1508-14 von Ulrich Ruffiner zu einer got. Kirche umgebaut wurde. Die in den 1970er Jahren restaurierte Burgkirche wird nicht mehr verwendet, da 1974 am Fuss des Burghügels eine moderne Felsenkirche errichtet wurde.

Die grossen Steinhäuser zeugen vom Wohlstand der Rarner Burger im 17. und 18. Jh., etwa das Maxenhaus, das Zentriegenhaus, das Zmilacherhaus und die Häuser der Fam. von Roten, aber auch das Kalbermatterhaus im Turtig oder der Wohnturm im Rotigoblatt. Zum Wohlstand des Orts trug v.a. der rege Durchgangsverkehr auf der alten Talstrasse über R. und St. German nach Visp bei. Mit dem Bau der Talstrasse an der linksufrigen Talflanke verlor R. im 19. Jh. diese Einnahmequelle. Durch die Eindämmung von Rhone und Bietschbach sowie die Entsumpfung der Ebene 1865-85 und den Bau des Lonza-Entsumpfungskanals 1920 wurde der Talgrund für die Landwirtschaft erschlossen. R. entwickelte sich in der 2. Hälfte des 20. Jh. in einen modernen Kleinindustrie- und Gewerbeort, dessen Wohn- und Betriebsbauten weit in die Ebene hinausreichen. Der Ende der 1940er Jahre angelegte Militärflugplatz wurde im Zug der Armeereform 1994 aufgegeben. Seit 1980 besteht eine Helikopterbasis der Air Zermatt. Im Osten des Dorfs wurde 2007 im Rahmen der Neat das Südportal des Lötschbergbasistunnels eröffnet. Kulturell ist R. durch regelmässige Aufführungen von Mysterien- und Passionsspielen bekannt geworden. 2000 arbeiteten mehr als 60% der erwerbstätigen Bevölkerung der Gem. ausserhalb, v.a. in Visp, Brig-Glis und Steg.


Literatur
R., Burg und Kirche, 1972
– A. Pfammatter, R., St. German, 1988
– F. Cleusix-Fux, R. - St. German, [1997]

Autorin/Autor: Anton Riva