11/01/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Ferden

Polit. Gem. VS, Bez. Westl. Raron. Unterste Gem. des Lötschentales (1370 m), zu der neben dem Dorf F. die Alpen Faldum, Resti und Kummen gehören. Die Urkunden des SpätMA verweisen auf über ein Dutzend Streusiedlungen und Höfe, später entwickelte sich F. zum Haufendorf. 1380 Verdan. 1850 178 Einw.; 1900 249; 1950 349; 2000 286. Bronzezeitl. Pfeilbogen am Lötschenpass sowie Streufunde eisenzeitl. Keramik am Hügel Kastel gegenüber dem Dorf. Die Geschichte der Gem. ist eng mit derjenigen des Lötschentals verbunden. Seltene Konzentration spätma. Bauten: drei dendrodatierte Wirtschaftsbauten (Stadel, Stallscheunen 1299-1303) und ein Dutzend Wohnhäuser (15./16. Jh.). Am Dorfplatz stehen die alte Barbarakapelle von 1685 und repräsentative Holzhäuser des 17. und 18. Jh. 1956 löste sich F. von der Talpfarrei (Priorat) Kippel; eine neue Kirche wurde gebaut. Der sprichwörtl. Reichtum der Ferdner beruhte auf Waldbesitz, ertragreicher Landwirtschaft (Alpen) und der Lage am Südfuss des Lötschenpasses, der bis ins 18. Jh. von überregionaler Bedeutung war. Mit dem Bau des Lötschbergtunnels als internat. Verkehrsachse 1906-13 wurde das auf Gemeindeterritorium liegende Goppenstein (mit den ab dem 15. Jh. ausgebeuteten Bleiminen) nach Sitten kurzfristig zum bevölkerungsreichsten Ort im Kanton. 1920 wurde eine fahrbare Talstrasse gebaut. In der Zwischenkriegszeit führten Verdienstmöglichkeiten in Tourismus und Heimindustrie (Weberei), seit den 1950er Jahren der allgemeine sozioökonom. Wandel zum Rückgang der Landwirtschaft (2003 nur noch zwei Vollerwerbsbetriebe). Die im 2. und 3. Sektor Beschäftigten arbeiten meist auswärts; viele sind Nebenerwerbsbauern. Bekannt ist der Ferdner Brauch der sog. Osterspende (Verteilung von Ziger, Brot und Wein am Ostermontag).


Literatur
– H. Blötzer et al., F. im Lötschental, 1990
Die Bauernhäuser des Kt. Wallis 3, (in Vorb.)

Autorin/Autor: Werner Bellwald