17/11/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Mörel

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Ehem. polit. Gem. VS, 2009 Zusammenschluss mit der Gem. Filet zur Gem. M.-Filet. Bis zur Fusion Hauptort des Bezirks. Östl. Raron. Das Territorium der Gem. säumt als schmales Band das rechte Ufer der Rhone. 1203 Morgi. 1850 210 Einw.; 1900 327; 1950 433; 1980 541; 2000 524.

Die Grafschaft M., die das Gebiet zwischen dem Deischbach und der Massa umfasste, war von der 1. Hälfte des 11. Jh. an eine savoy. Herrschaft. Sie soll Bf. Aimo von Savoyen zum Teil geschenkt, zum Teil von Gf. Ulrich von Lenzburg vererbt worden sein. Die Verwaltung oblag ursprünglich den Herren von Granges. Das Lehen ging spätestens 1224 an den Bf. von Sitten über und danach an die Herren von M., die sich vermutlich von den oberital. Grafen de Castello-Crollamonte herleiteten. Die Herren von M. sassen auf den Burgen Mancapan und Dirrenberg, die Gf. Peter II. von Savoyen 1260 aus unbekannten Gründen zerstören liess. Gf. Konrad II. von M. verkaufte seine Rechte 1261 an Bf. Heinrich von Raron.

Bf. Boniface de Challant machte aus M. ein Meiertum und vertraute das Amt dem 1301 erstmals genannten nichtadeligen Jakob Buos an. 1348 huldigte Bf. Witschard Tavel dem Gf. von Savoyen zum letzten Mal für M. Erbstreitigkeiten führten zur Aufteilung des Meieramts. Bistumsverweser Andreas dei Benzi (von Gualdo) verlieh dieses 1421 zwei gleichberechtigten Amtsinhabern, die sich von 1441 an in jährl. Turnus abwechselten. 1452 und 1568 erwarben die im 14. und 15. Jh. entstandenden Gem. M., Bitsch, Ried-M., Greich, Goppisberg, Betten, Filet, Bister und Grengiols die beiden Hälften des Amtes und im 15. Jh. auch die Weibelämter von M. und Grengiols. Das 1446 desenus (Zenden) genannte M. erschien bald darauf in den Quellen wieder als Drittel M. oder Oberer Drittel des Zendens Raron. Der Drittel Raron stellte den Bannerherrn, der Drittel M. den Zendenhauptmann. M. galt zusammen mit Bitsch, Ried, Greich, Goppisberg, Betten und Filet als zwei Drittel, Grengiols zusammen mit Bister als ein Drittel des Zendendrittels. Dementsprechend amtierte der Meier von M. zwei Jahre, der von Grengiols ein Jahr lang. Martisberg gehörte zwar zum Oberen Drittel, war aber bis 1798 eine bischöfl. Kastlanei. Der Drittel M. wurde 1798 auf die Distrikte Goms und Brig aufgeteilt, erstand aber 1802 als Teil des Zendens Raron wieder. Im Dep. Simplon bildete das Gebiet den Kt. M. Dieser wurde 1815 endgültig als Halbbez. M. dem Bez. Raron angeschlossen und 1844 in Östl. Raron umbenannt.

Die Pfarrei M., die ursprünglich mit dem Kerngebiet der Grafschaft deckungsgleich war, ist wie diejenige von Grengiols für die Zeit zwischen 1189 und 1203 bezeugt. Grengiols wurde in der Folge von M. abhängig, 1634 aber wieder selbstständig. Die stattl. Kirche St. Hilarius aus dem 13. Jh. wurde 1527-47 von Ulrich Ruffiner in got. Stil erneuert und im 18. Jh. barockisiert. An der Strasse nach Bitsch enstand 1726-31 die barocke Kapelle Zu den Hohen Flühen. 1904 löste sich Ried, 1910 Betten von M. ab. Anfang des 21. Jh. umfasste die Pfarrei die Dörfer M., Bitsch, Greich, Goppisberg, Filet und Bister.

Das Dorf liegt auf dem Schuttkegel eines Wildbachs, der vor seiner Eindämmung 1846 immer wieder über die Ufer trat und die Siedlung verwüstete. Die Gem. gab sich 1515 die ersten Statuten. Anfang Juni 1799 wurde M. von den Franzosen geplündert. Das bäuerlich geprägte Dorf lebte hauptsächlich von der Viehzucht. Als die Riederalp ab 1854 touristisch erschlossen wurde, entwickelte sich das Säumergewerbe. Der Bau der Riederalpbahnen 1950-53 (1976 Neubau) machte aus M. das Tor zum Aletschgebiet. Oberhalb des Dorfes blühte der 1965 gegr. Badekurort Breiten auf. 1943 liess sich das Elektrizitätswerk Rhowag, 1951 die Aletsch AG in M. nieder. 2000 arbeiteten über drei Viertel der Erwerbstätigen im 3. Sektor.


Literatur
– P. Arnold, Licht und Schatten in den 10 Gem. von Oestlich-Raron im Wallis, 1961
Kdm VS 3, 1991, 1-70

Autorin/Autor: Arthur Fibicher