Landeshauptmann

Die Amtsträger dieses Namens übten je nach Verfassung und polit. Kontext unterschiedl. Funktionen aus.

In den Länderorten zählte der L. zu den führenden, von der Landsgemeinde oder den Räten häufig auf Lebenszeit gewählten Landesämtern (Häupter) und wurde im Ancien Régime meist von Angehörigen der regierenden Fam. gestellt. Er gehörte dem Rat, mitunter auch dem Geheimen Rat an. Ursprünglich stand er dem Landesmilitär vor, befehligte das Landesaufgebot beim Auszug in den Krieg. Mit dem Ende der krieger. Verwicklungen der eidg. Orte im 17. und 18. Jh. rückten die militär. Aufgaben des L.s in den Hintergrund, er übernahm leitende Aufgaben in der zivilen Verwaltung (Bauherr, Salzdirektion, Verhörrichter, Ratsschreiber, Abgeordneter an die Tagsatzung). Auch in untertänigen Landschaften, die eine gewisse Autonomie bewahren konnten, gab es das Amt des L.s (Entlebuch, Emmental bis 1626).

In Innerschweizer Kantonen lebte die militär. Bedeutung im 19. Jh. wieder auf; Chefs der kant. Milizen wurden zwischen 1803 und 1874 L. genannt. Im Kt. Appenzell Innerrhoden heisst der Vorsteher des Landwirtschafts- und Forstdepartements heute noch L.

Im Thurgau war der L. ab 1542 Haupt des Thurgauer Gerichtsherrenstandes und berief dessen Mitglieder zum Gerichtsherrentag ein. Er wurde durch die Gerichtsherren gewählt, von den eidg. Ständen bestätigt und bekleidete im 18. Jh. sein Amt auf Lebenszeit. Die ursprünglich militär. Funktionen verloren sich bis um 1700.

Schliesslich bezeichnete L. auch den obersten Gewalthaber der vier Schirmorte Zürich, Luzern, Schwyz und Glarus (Schirmherrschaften) über die Landschaften des Abts von St. Gallen mit Sitz in Wil.


Autorin/Autor: André Holenstein