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Tami, Rino

geboren 7.8.1908 Lisora (Gem. Monteggio), gestorben 15.3.1994 Lugano, kath., von Monteggio. Sohn des Giuseppe, Hoteliers in Lugano, und der Giacinta geb. Bordonzotti. Neffe des Giuseppe Bordonzotti. ∞ 1946 Eugénie Mousny. Gymnasium in Lugano, 1927-29 Scuola superiore di architettura in Rom, 1934 an der ETH Zürich bei Otto Rudolf Salvisberg. 1934-53 Zusammenarbeit mit seinem Bruder Carlo, danach eigenes Büro in Lugano, dann in Sorengo. 1957-61 o. Prof. für Architektur der ETH Zürich. Unter T.s ersten bedeutenden Bauwerken bildet die 1936-39 errichtete Kirche Sacro Cuore in Bellinzona ein gutes Beispiel für den Brückenschlag zwischen Tradition und Moderne. Es folgten modernere Werke wie 1945-48 die städt. Wohnsiedlung in Lugano und Bauten im regionalen Stil wie 1943-45 das Haus La Piccionaia in Castagnola und 1939 das Grotto ticinese an der Landesausstellung. Die Kantonsbibliothek in Lugano von 1936-41 ist das prägnanteste Beispiel seiner Bauten im rationalist. Stil und machte ihn international bekannt. In den 1950er Jahren war T. besonders produktiv und schuf beispielhafte Gebäude, u.a. 1950-52 das Industriegebäude von Usego in Bironico (abgerissen), 1952-56 das Cinema Corso in Lugano und 1957-62 das Studio des Radio della Svizzera italiana in Lugano in Zusammenarbeit mit Augusto Jäggli und Alberto Camenzind. Als ästhet. Berater des Kt. Tessin für den Autobahnbau löste er 1962-83 heikle Fragen der Landschaftsgestaltung, etwa bei den Einfahrten des Tunnels Melide-Grancia (1963-69) und beim Gotthardportal in Airolo (1980). Der international anerkannte T. gilt als Vater der modernen Tessiner Architektur.


Archive
– AdM, Nachlass
Literatur
Rino T., hg. von T. Carloni, 1984, (mit Bibl. und Werkverz.)
Rino T., Ausstellungskat. Zürich, 1992
– K. Frampton, Rino T.: opera completa 2008 (mit Bibl. und Werkverz.)

Autorin/Autor: Simona Martinoli / CN