Val-d'Illiez

Polit. Gem. VS, Bez. Monthey, Dorf mit Streusiedlung nördlich der Dents du Midi. 1180 apud Yliacum, dt. früher Vadelier. 1850 835 Einw.; 1900 931; 1950 1'007; 2000 1'428. V. gehörte zum Meieramt Illiez, das im 15. Jh. zu einer savoy. Kastlanei wurde. Diese kam 1536 nach der Eroberung des Unterwallis durch die Zenden zur Landvogtei Monthey. Ab 1798 gehörte V. zum Bez. Monthey. Die Talbewohner unterstützten den Aufstand von 1790 und das Aufbegehren von Pierre-Maurice Rey-Bellet (auch Gros-Bellet genannt), wandten sich aber als Konservative 1840 und 1844 bei den Gefechten am Trient gegen die Bewegung der Jungen Schweiz; als Vergeltung mussten sie zwei Belagerungen über sich ergehen lassen, die eine 1840, die andere 1847 nach der Niederlage im Sonderbundskrieg. 1839 trennten sich V. und Champéry, die bis dahin eine Gem. gebildet hatten. Ursprünglich gehörte V. wahrscheinlich zur Pfarrei Collombey. 1244 wird eine parrochia de Ylies erwähnt. 1331 übergab der Bf. von Sitten die Pfarrei V. im Tausch gegen Gerunden der Abtei Abondance, die zwei Geistliche einsetzte, einen Prior und einen Vikar oder Kaplan. 1607 kaufte der Bischof das Priorat zurück. Der Pfarrer wird immer noch Prior genannt. Champéry erhielt 1725 einen Rektor und war ab 1854 eine Pfarrei. Die erste, vermutlich aus dem 12. Jh. stammende Kirche ersetzte 1434 ein Neubau, das Patrozinium Saint-Maurice ist ab 1445 erwähnt; 1687 wurde ein neues Gotteshaus errichtet. 1997 erfolgte die Errichtung einer Kapelle in Champoussin. Im 19. Jh. war die Bevölkerung noch in der Landwirtschaft tätig (Getreideanbau, Gemüse, Viehhaltung). Ab 1865 führte eine Fahrstrasse nach V.; die Gem. profitierte ferner von der 1908 eröffneten Eisenbahnlinie von Monthey nach Morgins, die 1946 mit der Aigle-Monthey-Bahn fusionierte. Postautokurse verbinden das Zentrum mit den Wintersportorten Les Crosets (1959 Skilift) und Champoussin, die zur Skiregion Portes du Soleil gehören. Diese Infrastruktur trug zur Entwicklung des Tourismus bei (2011 1'579 Betten in V., 3'095 in Les Crosets, 1'571 in Champoussin), aber auch das seit 1983 bestehende Thermalbad, dessen heisse Quelle 1953 bei einem Erdbeben an die Oberfläche getreten war.


Literatur
HS IV/1, 503 f.

Autorin/Autor: Pascal Dubey / SRL