Port-Valais

Polit. Gem. VS, Bez. Monthey, an der Rhonemündung in den Genfersee gelegen, am Fuss des Grammont, bestehend aus den Dörfern Le Bouveret und Les Evouettes sowie dem Weiler P. 1180 ad porvalesium, dt. früher Portwallis. 1798 231 Einw.; 1850 490; 1900 725; 1950 1'098; 2000 2'364. Der Hügel von P. war schon zur Römerzeit besiedelt. Das Priorat wurde wahrscheinlich von den Gf. von Genf gegründet. Sie schenkten es Anfang des 12. Jh. der Benediktinerabtei Saint-Michel de la Cluse (Piemont), behielten aber die Kastvogtei, die später an die Fam. de la Tour von Vevey und 1251 an das Haus Savoyen überging. Der Prior oder sein Mistral übten als unmittelbare Lehensherren die niedere Gerichtsbarkeit aus, während die hohe dem Kastlan von Chillon oblag, also dem Haus Savoyen. 1429 verringerte der Prior den von den Bewohnern zu entrichtenden Fall. Ab dem 15. Jh. verlor der Weiler P. zugunsten von Les Evouettes und Eydier, das seit dem 16. Jh. Le Bouveret heisst, an Bedeutung. Letzteres lebte von der Viehzucht, vom Fischfang und vom Holzhandel und profitierte dabei vom Hafen, der grösser war als derjenige von P. Dieser war früher der einzige Walliser Hafen am Genfersee gewesen, versandete aber nach und nach durch die Rhone. 1536 war P. eine Kastlanei der Landvogtei Monthey. 1537 verzichtete Bern zugunsten der Zenden auf die Rechte über P., die es mit der Besetzung von Chillon erhalten hatte. Die Zenden erlaubten dem Kommendatarprior, seine Rechte auszuüben. Die Herrschaft, die P. und Vionnaz umfasste, wurde 1573 der Fam. Tornéry von Saint-Gingolph zugesprochen und wurde 1608-1798 von den Oberwalliser Zenden verwaltet. Die Herren wohnten im Schloss Le Bouveret, das sie 1571 gekauft hatten, und liessen sich später im 1597 gebauten Schloss Porte du Scex nieder. 1798 wurde P. eine Gemeinde. Reste der Prioratskirche stammen aus dem späten 11. oder frühen 12. Jh. (1445 Michelspatrozinium erw.). Als das Kloster 1570 aufgelöst wurde, kauften die Zenden das Priorat und die Priorats- wurde zur Pfarrkirche. Seit 1922 dient die 1913 gebaute Kirche von Le Bouveret als Hauptkirche. Die ref. Kapelle wurde 1920 errichtet. 1956 liess sich eine Benediktinergemeinschaft von Corbières in Le Bouveret nieder und bildete die Abtei Saint-Benoit de P.

Im 19. und 20. Jh. kaufte die Gem. den Bewohnern von La Tour-de-Peilz die gemeinsamen Güter ab und entsumpfte die Ebene. So konnte das urbare Gebiet stark erweitert werden; 1997 machte es 87% der Gem. aus. Seit 1931 wird die Gegend Praille kultiviert. Les Evouettes blieb mit Getreideanbau, den Alpweiden von Chalavornaire und La Dérotchia sowie dem Weinbau auf dem Schwemmland von Tauredunum und Le Tové weitgehend landwirtschaftlich geprägt. Le Bouveret entwickelte sich stark: 1853 erhielt P. ein eidg. Zollamt, 1856, 1873 und 1928 wurde der Bahnhof gebaut bzw. umgebaut, 1859 eröffnete die Eisenbahnlinie Bouveret-Saint-Maurice ("Ligne du Tonkin"), 1878 Bouveret-Saint-Gingolph und 1879 wurde der Stockalperkanal von Vouvry nach Le Bouveret verlängert. Ende des 19. Jh. beherbergten Hotels zahlreiche Touristen. 1912 bzw. 1920 entstanden eine Landungsbrücke und eine Hafenanlage für das vereinfachte Umladen vom Schiff auf den Zug. Neben einem Sandsteinbruch und Schiffswerften existierten bis 1930 eine Ziegelei und um 1920 die Kiesgrube Rhôna an der Rhonemündung, zudem wurden Duftstoffe für die Parfümerie hergestellt. In der Zwischenkriegszeit erlitt Le Bouveret einen wirtschaftl. Einbruch: Der verlängerte Kanal hatte auch Nachteile, die tourist. Betriebe konnten nicht mit jenen von Evian und Montreux konkurrenzieren und die Hotels mussten schliessen. Das ehem. Hotel Aiglon beherbergte ab 1930 die kant. Anstalt für Taubstumme und ab 1986 eine private Hotelfachschule. Obwohl die Gem. schlecht ans Verkehrsnetz angebunden und wirtschaftlich instabil war, erlebte sie in den 1970er Jahren einen zweiten tourist. Aufschwung: 1975 wurde ein Hafen mit 600 Anlegeplätzen eröffnet, 1976 der Campingplatz und der Strand von Rive-Bleue, 1987 der Swiss Vapeur Parc und 1999 der Aquaparc. Wanderwege und Wassersportmöglichkeiten ergänzen das Angebot.


Literatur
– J.E. Tamini, S. Pannatier, Essai d'histoire de P., 1931
– F. Huot, «Le Prieuré Saint-Michel de P.», in Ann.val., 1978, 119-147
HS III/1, 1034-1054
– F.-O. Dubuis, A. Lugon, «Les premiers siècles d'un diocèse alpin», in Vallesia 50, 1995, 114 f.

Autorin/Autor: Patrick Maye / BE