10/10/2006 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Collombey-Muraz

Polit. Gem. VS, Bez. Monthey, am linken Rhoneufer gelegen. C. besteht aus Collombey-le-Grand, Collombey-le-Petit, Muraz und Illarsaz. 1263 de Columberio, 1283 de Mura. 1850 953 Einw.; 1900 1'103; 1950 1'598; 1980 2'982; 2000 5'695.

1 - Ur- und Frühgeschichte

Auf die frühgeschichtl. Fundstellen Barmaz I und II stiess man in der 1. Hälfte des 19. Jh. beim Abbau von Granit von Findlingen auf den Ausläufern der Spitze der Bellevue (480 m). Erste Spuren entdeckte Hans Boshardt 1900; 1947 und 1955 folgten in Barmaz I und II und bei Le Refuge ausgedehnte Grabungen (Marc-Rodolphe Sauter).

1991 wurden die Grabungen (Matthieu Honegger) in Barmaz I wieder aufgenommen. Die vollständigste archäolog. Schichtenfolge aus dem nacheiszeitl. Holozän - sie ist 2,30 m dick - liegt hier über dem Moränenschutt des ehemaligen Rhonegletschers. Die älteste der sechs aufeinander folgenden Siedlungsschichten stammt aus dem Jungneolithikum I (4300-3800 v.Chr.). Sie besteht aus 40 Gräbern, zum Grossteil nur einmal benützte Steinkisten, in denen die Toten in Hockstellung begraben wurden. Die vereinzelten Keramikfunde ermöglichen es, Barmaz I der Cortaillodkultur (frühes Chasséen-Cortaillod) zuzuordnen. Über diesen Gräbern liegt eine Siedlungsschicht aus dem Jungneolithikum II (3600-3100 v.Chr.), deren Keramik typisch für die letzten Ausläufer der Cortaillodkultur ist, und eine aus dem Endneolithikum (3000-2700 v.Chr.). Die Keramik, die in dieser Schicht gefunden wurde, stammt aus der gleichen Zeit wie die Lüscherzkultur (2900-2700 v.Chr.) und weist mit ihren Bandschnuren und horizontalen Kanellierungen südliche Einflüsse auf. Darüber finden sich 15 Erdgräber aus der ausgehenden Frühbronzezeit. Die Toten wurden ausgestreckt begraben, wahrscheinlich in Holzkisten. Einige Spuren aus der Mittelbronzezeit und eine Siedlung der Spätbronzezeit schliessen die Schichtenfolge ab.

Bei Le Refuge haben einige Probegrabungen oberhalb des Sattels Funde aus der Spätbronzezeit (um 900 v.Chr.) zu Tage gefördert. Im 170 m entfernt liegenden Barmaz II wurden 20 Gräber aus dem Jungneolithikum I gefunden. Die Toten hockten in nur einmal benützten Steinkisten. Barmaz I und II sind die grössten bisher im Wallis gefundenen Nekropolen der Cortaillodkultur.

Autorin/Autor: Allain Gallay / AW

2 - Von der Römerzeit bis zum 20. Jahrhundert

1972 wurde unter der Kirche von Muraz ein röm. Gutshof mit Fresken ausgegraben; am gleichen Ort fanden sich kleine Grab-cella, bei der darüber gebauten Kirche frühma. Gräber. Im MA gehörte C. vielleicht der Abtei Savigny bei Lyon, 1040 war es im Besitz des Priorats Lutry, 1236 fiel es an die Abtei Saint-Maurice. C. war Teil der savoyischen Kastlanei Monthey. Nach der Eroberung des Chablais durch die Landschaft Wallis 1536 gehörte C. zur Landvogtei, seit 1798 zum Bezirk Monthey. 1551 teilte man die Kastlanei Monthey, die Güter blieben jedoch bis 1788 ungeteilt. Die Bürgergemeinde wurde 1787 gegründet. 1868 reichte C. eine - erst 1938 erfolgreiche - Klage gegen Monthey ein, um die Gerichtshoheit über die auf Gemeindegebiet liegenden Exklaven Montheys zu erlangen. Während des 2. Weltkriegs wurde in Illarsaz ein Internierungslager eingerichtet.

Die Pfarrei C. besass Tochterkirchen in Monthey und Troistorrents, das in der 2. Hälfte des 13. Jh. eine eigene Pfarrei wurde. 1708 verlegte man das Zentrum der Pfarrei nach Monthey, 1723 wurde in C. eine neue Pfarrei gegründet. Die alte, dem hl. Desiderius geweihte Kirche wurde 1873-74 durch einen Neubau ersetzt. Muraz war seit dem 10. und 11. Jh. eine eigene Pfarrei (vorher hing es vielleicht von Vionnaz ab) und gehörte zur Mensa des Bischofs von Sitten. Seit 1647 findet sich in C. ein Bernhardinerinnen-Kloster (Collombey). 1850 wurde eine Hängebrücke gebaut, 1854 die Rhone eingedämmt. Zwischen 1939 und 1945 wurden im Gefolge des Plans Wahlen die letzten Brachflächen urbar gemacht. Im 19. und zu Beginn des 20. Jh. baute man Findlinge und Kalkstein von C. - Marmor von C. genannt - ab. Dank der Errichtung einer Ölraffinerie 1961 blieb ein Grossteil der Bevölkerung im industriellen Sektor beschäftigt (2000 fast die Hälfte). Ihre starke Zunahme zwischen 1980 und 2000 hatte die Einführung neuer Schulklassen zur Folge.

Autorin/Autor: Bernard Monnet / AW

Quellen und Literatur

Literatur
– A. Gallay, «C., Barmaz I et II», in Le Valais avant l'histoire, Ausstellungskat., Sitten, 1986, 184-191
– M. Parvex, C., 1988