04/01/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken

Champéry

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Polit. Gem. VS, Bez. Monthey, an der franz.-schweiz. Grenze. Strassendorf und Streusiedlung im oberen Val d'Illiez. Einst der Gem. Val-d'Illiez zugeordnet, ist C. seit 1839 unabhängig. 1286 Champery. 1798 405 Einw.; 1850 619; 1860 503; 1900 704; 1950 861; 2000 1'107.

Neolith. Hacke, röm. Münzen. Das Tal soll im Zuge der Völkerwanderung besiedelt worden sein. Im MA waren die Lehen im Val d'Illiez unter vielen adligen Vasallen der Savoyer (Châtillon-Larringes, Arbignon, Montheolo) aufgeteilt. Die Talbewohner erfreuten sich einer gewissen Autonomie und einiger Privilegien, die sie nach dem Einfall der Oberwalliser 1536 behaupten mussten: das Vorschlagsrecht für das Amt des Kastlans, die Verwaltung der Gemeindegüter, geringe Fallabgaben. Die Bevölkerung, die sich 1715 von Herrschaftsdiensten loskaufte, wuchs im 17. und 18. Jh. beträchtlich. Sie stand mit den Oberwalliser Landvögten in Monthey oft im Streit. Diese Spannungen entluden sich 1790; der Aufstand machte Pierre-Maurice Rey-Bellet, dessen Rolle überschätzt wurde, zum Lokalhelden. Die Aufzeichnungen von Abbé Jean-Maurice Clément schildern die Geschehnisse in bildhafter Sprache. In kirchl. Hinsicht unterstand die 1436 erw. Kapelle Saint-Théodule in C. bis 1854 der Pfarrei Val-d'Illiez (eigener Leutpriester 1723, Barockbau 1725, davon ein Turm freistehend erhalten, Neubauten 1898 und 1966). Im 19. Jh. wurde der Solddienst verboten; damit entfiel diese bis dahin bedeutende Einkommensquelle. Ganze Familien wanderten nach Algerien (1851) oder Argentinien (1861) aus. Das erste Hotel wurde 1857 erbaut, und nach der Fertigstellung einer Strassenverbindung (1865) nahm das Tourismusgewerbe einen raschen Aufschwung. 2000 bot der 1. Sektor 8%, der 3. Sektor 79% der Arbeitsplätze.


Literatur
– J.-E. Tamini, P. Délèze, Essai d'histoire de la vallée d'Illiez, 21924

Autorin/Autor: Fabrice Clément / EB