26/06/2012 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Saxon (Gemeinde)

Dieser Artikel wurde für die Buchausgabe des HLS mit Bildern illustriert. Bestellen Sie das HLS bei unserem Verlag.

Polit. Gem. VS, Bez. Martigny. Das auf der linken Rhoneseite gelegene S. erstreckt sich von der Pierre-à-Voir (2476 m) bis zur Rhone und umfasst die Dörfer S. und Gottefrey sowie Weiler und Maiensässe. 1153 de Saxone. 1802 463 Einw.; 1850 952; 1900 1'636; 1950 2'421; 2000 3'312. Bronzezeitl. Armreifen und Urnen, röm. Plattengräber und Münzen sowie Funde aus der Merowingerzeit. Von der ma. Burg steht noch der Turm. S. war zunächst ein Vizedominat zusammen mit Entremont und danach eine kirchl. Herrschaft, welche die milites von S. 1163-1352 als Lehen innehatten. 1263 wurde S. zu einer savoy. Kastlanei, 1475 zu einer dem Oberwallis unterstellten Kastlanei. Bis 1798 war sie der Vogtei Saint-Maurice und militärisch dem Banner Entremont zugeteilt.

Eine erste Kirche entstand vermutlich im 11. Jh. etwas ausserhalb des Fleckens neben der Burg. Sie wurde vor 1153 zur Pfarrkirche und vor 1445 dem hl. Mauritius geweiht. Die Pfarrei war zunächst im Besitz der Abtei Ainay, bis 1580 gehörte sie zum Priorat Saint-Pierre-de-Clages und kam dann zum Bistum Sitten. Im 18. Jh. wurde zunehmend die im Ort gelegene St. Blasiuskappelle aus dem 15. Jh. als Kirche genutzt. 1844 ging der Status der Pfarreikirche an die neue Kirche St. Felix (1991-96 restauriert) über. St. Blasius wurde 1846 zum Gemeindehaus. 1901-04 nahm S. franz. Kartäuser auf.

Im 19. Jh. erlebte das Bauerndorf dank der Thermalquellen und Spielcasinos einen Aufschwung. 1839 nahm eine Kuranstalt den Betrieb auf, 1845 das erste Casino. Ein Jahr nach dem Bau der Eisenbahn 1860 eröffnete Joseph Fama das zweite Casino. Dieses wurde 1877 geschlossen, war aber 1996-2002 wieder in Betrieb. Nach dem Bau der Suonen 1865-76 und der Entsumpfung der Rhoneebene nahm die Landwirtschaft einen Aufschwung, etwa mit dem Anbau von Aprikosen. Von Bedeutung war die Eröffnung der kant. Landwirtschaftsschule Ecône 1892 sowie der Konservenfabrik Doxa 1875. Diese wurde 1927 von Hero aufgekauft (1950 stillgelegt). 1953 übernahm die Obstgenossenschaft Florescat das Gebäude. Im Aug. 1953 wehrte sich S. gegen den Import ausländ. Früchte. Die erste Kunstschule des Wallis hatte 1949-51 ihren Sitz in S.


Literatur
– L. Delaloye, S., vieux bourg, cité nouvelle, 1958
– P. Elsig, «L'ancienne église Saint-Maurice de S.», in Vallesia 47, 1992, 289-303
– J. Montangero, S.-les-Bains, ou, la renommée perdue, 1992
– G. Simpson, Petite histoire de l'abricot, 1998

Autorin/Autor: Bernard Truffer / ASCH