28/10/2008 | Rückmeldung | PDF | drucken

Konfirmation und Firmung

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Die Konfirmation ist eine durch die evang.-ref. Kirche vorgenommene gottesdienstl. Handlung, in der die Getauften als aktive Mitglieder in die Gem. eingeführt werden. Ein einheitl. Konfirmationsverständnis gab es jedoch nie. Huldrych Zwingli und Johannes Calvin, die das kath. Sakrament der Firmung ablehnten, führten in der Reformation die kirchl. Unterweisung für Kinder und Jugendliche als nachgeholten Taufunterricht oder als Vorbereitung für die Zulassung zum Abendmahl ein (Religionsunterricht). Diese Vorbereitung wurde mit der confirmatio abgeschlossen, einer Lehrprüfung vor dem Pfarrer. Die Anfänge der modernen K. liegen jedoch in Pietismus und Aufklärung. Als ihr Schöpfer gilt der Frankfurter Pietist Philipp Jakob Spener, der 1668 das persönl. Gelübde und seelsorger. Ermahnungen ins Zentrum rückte. Die öffentl. Konfirmation bürgerte sich in der Schweiz nur langsam und zunächst in den ländl. Gemeinden von Basel (1725), Biel (1752) und Zürich (1760) ein. Erst um 1850 war sie überall eingeführt. In der franz. Schweiz war die Neuenburger Kirche (Osterwald-Liturgie) die erste, welche die öffentl. Konfirmation einführte (ratification genannt). 1725 folgten die Pfarreien des Kt. Waadt, trotz der Reserve Berns, 1737 jene Genfs. Die Konfirmation fand und findet in der dt. Schweiz an einem Sonntag nach Pfingsten statt, in Neuenburg, der Waadt und Genf am Palmsonntag.

Versch. Konfirmationsverständnisse überlagerten sich und lösten sich ab. Die Konfirmation galt lehrmässig als Bestätigung der Kindertaufe und als Zulassung zum Abendmahl. Im Pietismus stand das persönl. Bekenntnis der zum Glauben Erweckten im Vordergrund; der Konfirmationsspruch betonte als Lebenslosung den individuellen Glaubensstand. Im 19. Jh. gab die Aufklärung der Konfirmation eine stark moralisierende, rationalisierende Note und machte aus ihr eine emotionale, kirchl. Jungbürgerfeier, einen rite de passage (Übergangsriten), der auch in die Vorrechte der Erwachsenen - etwa Kleidung und Genussmittel - einführte. Daher rührt die starke Verwurzelung der Konfirmation im gesellschaftl. Bewusstsein. Heute dominiert der Versuch, sie anlässlich des Übergangs vom Kindes- zum Jugendalter als besonderen Gottesdienst zu verstehen, in dem die gewonnene Identität und Autonomie kirchlich-religiös begangen und bekräftigt wird (Mündigkeit). Die Konfirmation ist in der ref. Bevölkerung fest verankert. 1998 liessen sich über 80% der jungen Reformierten konfirmieren.

Der ref. Konfirmation entspricht in den kath., christkath., ostkirchl. und anglikan. Kirchen das Sakrament der Firmung (lat. confirmatio oder Stärkung des Glaubens), das die Taufe ergänzt und vollendet. Der in den Ostkirchen heute noch bestehende Brauch, die Kleinkinder sofort nach der Taufe zu firmen, wurde in der Westkirche ab dem 12. Jh. aufgegeben. In der kath. Kirche der Schweiz wird das Sakrament der Firmung, das vom Konzil von Trient aufgewertet wurde, den in der Regel zehn- bis zwölfjährigen Kindern vom Bischof oder - seit dem 2. Vatikan. Konzil - auch von einem von ihm beauftragten Priester gespendet. In versch. Gemeinden der Schweiz wurde das Firmalter auf 16 bis 18 Jahre angehoben, wodurch das Fest auch bei den Katholiken den Charakter eines religiösen und gesellschaftl. Übergangsritus angenommen hat.


Literatur
– H. Vuilleumier, Histoire de l'église réformée du pays de Vaud 4, 1933, 136-147
– L. Vischer, Die Gesch. der Konfirmation, 1958
– C. Burckhardt-Seebass, Konfirmation in Stadt und Landschaft Basel, 1975
TRE 19, 437-451
Confirmation et multitudinisme, 1990
– W. Kramer, «Konfirmation als Kasualgottesdienst: Welcher Kasus wird begangen?», in Der evang. Erzieher 49, 1997, 295-307

Autorin/Autor: Werner Kramer