Burgundische Eidgenossenschaft

Das von der modernen Historiografie als B. bezeichnete lockere Bündnisgefüge verband vom frühen 13. Jh. an Städte, Landschaften und Herren der Westschweiz. Partner, Ausrichtung und Schwerpunkte wechselten mehrfach. Die B. beruhte auf meist zweiseitigen, zeitlich begrenzten Bündnissen, Landfrieden und Burgrechten. Die Verträge der Städte und Landschaften sollten im 13. Jh. v.a. die Mediatisierung durch die grossen Dynasten verhindern bzw. schwächen. Bereits 1251 erscheint die Stadt Bern als führende Vertragspartnerin der B. Die Aarestadt war mehrfach verbündet mit den Städten Freiburg 1243, Murten, Avenches 1245 (?), Biel 1279, Laupen 1301, Solothurn 1308 und Payerne 1343, den Landleuten von Hasli 1275, Guggisberg 1330 und Saanen 1403, den Gf. der Waadt 1297, von (Neu-)Kyburg 1301, Neuenburg 1308, Nidau 1336, Greyerz 1343 und Valangin 1383, den Herren von Montenach 1306, Weissenburg 1336, Brandis 1337, zum Turm 1345, Raron 1348, Ringgenberg 1386 und Grünenberg 1407, den Bf. von Sitten 1252, Basel 1330 und Lausanne 1350 sowie den geistl. Niederlassungen Interlaken 1224, Köniz 1229/30, Rüeggisberg 1244, Trub 1301, Münchenbuchsee 1329, Sumiswald 1371, Thorberg 1399 und Neuenburg 1406. Über Bern und Solothurn wurde die B. 1327 mit dem Rhein. Städtebund, 1385 mit dem Schwäbischen Städtebund verknüpft. Die Sicherheit und den Einfluss der B. erhöhte Bern durch Bündnisse mit den Waldstätten 1323, 1341 und 1353, mit Savoyen 1330, 1350 und 1364 sowie mit Österreich 1333, 1341, 1348 (?) und 1363. Entscheidend bei allen Verträgen der B. waren die allfälligen Vorbehalte und Bündnisbewilligungsrechte, weil sie den polit. Spielraum der Partner umrissen. Rivalitäten, v.a. zwischen Bern, dem österr. Freiburg und den (Neu-)Kyburgern, gefährdeten die B. mehrfach schwer (Laupenkrieg). Vom 14. Jh. an setzte Bern die Rechtsmittel der B. (kombiniert mit seiner Ausburger-, Pfandschafts-, Kauf- und Eroberungspolitik) zunehmend zur Durchsetzung von Herrschaftsansprüchen ein: Vertragspartner wurden mediatisiert, aufgekauft oder unterworfen. Mit der Verdichtung und Konsolidierung der bern. Herrschaft im 15. Jh. schwand die Bedeutung der B.; der werdende bern. Territorialstaat ersetzte das lockere Bündnisgeflecht.


Literatur
– U.M. Zahnd, «Berns Bündnis- und Territorialpolitik in der Mitte des 14. Jh.», in BZGH 53, 1991, 21-59
– U.M. Zahnd, «Bündnis- und Territorialpolitik», in Berns mutige Zeit, hg. von R.C. Schwinges, 2003, 469-509

Autorin/Autor: Urs Martin Zahnd