Charrat

Polit. Gem. VS, Bez. Martigny, am linken Rhoneufer, gebildet aus den Dörfern Vison und Les Chênes und dem Quartier um den Bahnhof. 1850 341 Einw.; 1900 554; 1950 887; 2000 1'081. 1052 trat der Bf. von Sitten, Aymo von Savoyen, dem Kapitel seine Rechte auf ein Gut in Vison ab. Der Vertrag von 1324 zwischen C. und Martigny über die Rhonedeiche, die sog. barrières, markiert den Beginn der Zugehörigkeit C.s zur bischöfl. Kastlanei Martigny, die 1384 an die Savoyer überging. Von 1475 bis 1798, unter der Herrschaft der Oberwalliser Zenden, war C. Bestandteil der Landvogtei Saint-Maurice. 1836 bewilligte die Walliser Regierung die Trennung C.s von Martigny und die Bildung einer eigenen Gemeinde. In kirchl. Hinsicht unterstand C. schon immer Martigny; die Kapelle Saint-Pierre (Anfang 13. Jh.) wurde 1963 durch einen Neubau ersetzt. Nach Abschluss der grossen Trockenlegungsarbeiten in der Rhoneebene und der Kanalisation des Flusses wurde seit der Mitte des 19. Jh. die Landwirtschaft (Spargelanbau) zum Hauptpfeiler der lokalen Wirtschaft. Gegen 1900 entstand ein Gewerbe- und Industriequartier um den Bahnhof (1881), in dem sich vom Primärsektor abhängige Betriebe ansiedelten: Obst- und Gemüsegrosshändler, Kühllager, Fabriken für organ. Düngemittel, Weinkellerei Provins. Ein Bruch des Rhonedeiches führte 1948 zu einer ausgedehnten Überschwemmung des Talgrunds.


Literatur
– H. Gaillard et al., C., 1949
– W. Chappot et al., C. autrefois, 1991

Autorin/Autor: Frédéric Giroud / EB