Drei Eidgenossen

Konsultieren Sie diesen Artikel auf der neuen HLS-Webseite (Beta-Version)

Als sagenhafte Repräsentanten der drei Urschweizer Orte sollen die D. 1307 bzw. 1291 auf dem Rütli den Bund geschlossen und die Eidgenossenschaft gegründet haben (Befreiungstradition). Für das Motiv der D. können zwei Topoi unterschieden werden. Eine Variante betont die Unterschiedlichkeit, die andere die Gleichheit bzw. Gleichartigkeit der Figuren.

Die "Vielfalt in der Einheit" wird repräsentiert in einer älteren, auch in der Neuzeit weiterlebenden Form typisierter zeitloser Standesfiguren. Spätestens seit Aegidius Tschudi gibt es aber auch die historisierende Identifikation mit Werner Stauffacher von Schwyz, Walter Fürst von Uri und Arnold von Melchtal von Unterwalden, wobei auch sie als Idealtypen versch. Alter bzw. Generationen verkörpern.

Die Betonung der Gleichheit zeigt sich in der Darstellung der D. als Drei Tellen oder als ikonografisch belegte eremitenähnl. Figuren vom Typ Bruder Klaus. Zu unterscheiden ist auch hier das eher Symbolische vom Historisierenden: Einerseits das im leeren Raum stehende solitäre Trio der "ersten" Eidgenossen, das nach der Sage einen ersten Schwur tut. Andererseits die sagenhafte Drei-Männer-Führerschaft, die in Begleitung je ihrer Gefolgschaft zu einem zweiten Schwur zusammenkommt und mit dieser das gesamte Volk ausmacht. Während Wilhelm Tell den auf Selbstjustiz bedachten Einzelgänger darstellt, verkörpern die D. die kooperierende Gemeinschaft, die an der Grenze zur geltenden Rechtsordnung quasi per Gesellschaftsvertrag neues Recht setzt.

Zur mündl. und schriftl. Tradition der D. gesellte sich Mitte des 16. Jh. auch eine bildliche, welche die Popularität der Tellenfigur nie erreichte. Die bekannteste künstlerisch anspruchsvolle Bearbeitung des Motivs, das Gemälde "Die drei Eidgenossen beim Schwur auf dem Rütli" (1779-81), stammt von Johann Heinrich Füssli. 1865 wurde auf dem Rütli ein Brunnen mit Bezug auf die D. eingeweiht, der von drei (auf Schwurszenen des 19. Jh. ebenfalls abgebildeten) Quellen gespiesen wird. Unrealisiert blieb 1866 bzw. 1871 ein von Robert Durrer lanciertes Nationaldenkmal in Bern. Von einiger Bedeutung ist eine von James Vibert 1914 erstellte Monumentalgruppe im eidg. Parlamentsgebäude.

Ende des 19. Jh. modifizierte die Arbeiterbewegung das Bild der ständeübergreifenden Solidarität unter den D. für ihre Vorstellung eines klassenlosen Zusammenstehens von Bauern, Arbeitern und Angestellten. Auf einer 1. Mai-Postkarte von 1908 wird einer der D. sogar von einer Frau verkörpert. In der Karikatur wird das Motiv v.a. zur Darstellung einer trotzig unverfrorenen Verschworenheit verwendet.


Literatur
– G. Kreis, «"... und schwuren ainen eid zusamen". Momentaufnahme eines Dauerzustandes», in Basler Mgz., Nr. 31, 1987, 1-3
Zeichen der Freiheit, Ausstellungskat. Bern, 1991
– H.-C. von Tavel, Nationale Bildthemen, 1992

Autorin/Autor: Georg Kreis