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Salgesch

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Polit. Gem. VS, Bez. Leuk. Westlichster deutschsprachiger Ort des Wallis, abseits der Talstrasse auf der rechten Rhonetalseite gegenüber dem Pfynwald gelegen. 11. Jh. Salconio, ca. 1225 Salquenum, franz. Salquenen. Um 1800 250 Einw.; 1850 406; 1900 671; 1950 1'166; 2000 1'198. Armbänder und Fibeln aus Bronze, Eisen und Silber, röm. Münzen aus Gräbern im Umfeld des Dorfs und auf dem Biel belegen, dass das im Gebiet der Seduner gelegene S. spätestens seit der Eisenzeit besiedelt war. Zur Römerzeit existierte auf dem Biel eine Kultstätte, die später in eine Wallfahrtskapelle des hl. Johannes des Täufers umgewandelt wurde. Die Gem. regelte 1412, 1468 und 1664 Gebietsabgrenzungen gegen Varen, 1484 gegen Siders, sowie 1553 und 1804 gegen Leuk. Die erste schriftlich abgefasste Bauernzunft datiert von 1520 und wurde 1575 mit Nutzungsbestimmungen zum Pfynwald ergänzt. Das 1561 erbaute Burgerhaus zeugt vom Selbstbewusstsein der Burger von S.

Die Gem. gehörte im Ancien Régime zum Tafelgut des Bf. von Sitten und löste 1808 die bischöfl. Zehnten mit 1'212 Kronen ab. Vom frühen 13. Jh. an besass S. ein Spital, das bis 1655 von einem Johanniterrektor verwaltet wurde und während mehr als 400 Jahren bestand. Es war der Johanniterkomturei Conflans (Savoyen) unterstellt. 1655 erwarb Kaspar Stockalper die Besitzungen der Johanniter im Wallis und verkaufte 1680 der Gem. die Wallfahrtskapelle von 1537 und die Rechte in S. Daraufhin trennte sich S. 1685 als eigenständige Pfarrei von Leuk, wobei das Rektoratshaus zum Pfarrhaus umgebaut wurde. Durch eine Vergrösserung entstand aus der got. Wallfahrtskapelle 1687 die Pfarrkirche. Diese wurde 1887 nach Plänen von Joseph de Kalbermatten durch die neugot. Pfarrkirche St. Johannes Baptist ersetzt.

Das ehem. Bauerndorf wandelte sich nach dem 2. Weltkrieg zu einem Weindorf mit über 40 Weinkellereien und einer Rebfläche von 203 ha. In einem der ältesten Häuser im Dorfkern ist ein Teil des Walliser Reb- und Weinmuseums untergebracht. 2006 wurde die Oenothek Der Hof eröffnet. Der 1. Sektor stellte 2005 noch 38% der Arbeitsplätze. Seit Ende des 20. Jh. ist S. stark nach dem französischsprachigen Mittelwallis ausgerichtet, wo Siders Schul- und Ausbildungsmöglichkeiten bietet. 57% der Einwohner von S. arbeiteten 2000 auswärts, v.a. im Dienstleistungssektor in Siders und Sitten oder in der Industrie in Chippis. Mit einer permanenten Ausstellung ist S. das Zentrum des Naturparks Pfyn-Finges.


Literatur
– E. Schmid et al., Zur Gesch. von S., 1982
Geniessen mit allen Sinnen: S. - das Weindorf am Pfynwald, [2003]
HS IV/7, 443-458

Autorin/Autor: Anton Riva