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Leuk (Gemeinde)

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Polit. Gem. VS, Hauptort des gleichnamigen Bezirks. Am Abhang rechts der Rhone zwischen Dalaschlucht und Feschelbach gelegen, ist Leuk-Stadt von Rebbergen umgeben und erinnert mit seinem ma. Schloss, seinen Türmen und alten Steinhäusern an nordital. Städtchen. Neben Leuk-Stadt gehören zur Gem. das am linken Rhoneufer gelegene Dorf Susten im Talgrund sowie die linksufrigen Weiler Brianen, Feithieren, Gampinen und Pfyn. 515 villa de Leuca, franz. Loèche. 1850 1'042 Einw.; 1900 1'592; 1950 2'336; 2000 3'361.

L. war bereits in vorröm. Zeit besiedelt, wie u.a. vereinzelte Gräberfunde mit Mohnkopfnadeln, Fibeln und Gürtelhaken aus der Latènezeit belegen. Im 6. Jh. gehörte L. zum Krongut des Burgunderkönigs Sigismund, der es der Abtei Saint-Maurice schenkte. Die romanisierte kelt. Bevölkerung von L. wurde um die Jahrtausendwende von einwandernden Alemannen allmählich germanisiert, wies aber im 14. Jh. noch eine starke rom. Minderheit auf.

Im Früh- und HochMA wechselte L. wiederholt den Besitzer, bis es 1138 endgültig der Mensa des Bf. von Sitten einverleibt wurde. Die geistl. Landesherren förderten L.s Entwicklung durch verbriefte Zugeständnisse: 1209 hatte L. sein eigenes Mass, 1285 sein Spital und 1310 eine Warensust an der alten Handelsstrasse zwischen Norditalien und den Märkten der Champagne mit Reglement für die Fuhrleute. Die bischöfl. Lehensträger Viztum und Meier bauten das Bischofsschloss (Sitz des Meiers) und den Viztumsturm. Schon im 14. Jh. bestand die Burgschaft L. aus den drei Dritteln Loye (Lobio), Tschablen (Cabulo) und Galdinen (Caldana), die sich zu selbstständigen Gem. mit vorwiegend wirtschaftl. und sozialen Aufgaben entwickelten. 1458 setzte L. sein Gewohnheitsrecht schriftlich fest, das "alt Burgrecht" wurde 1563 ergänzt.

Mit dem Niedergang des Lehnswesens, der Schwächung der weltlichen bischöfl. Gewalt und dem Aufkommen des demokrat. Selbstbewusstseins der Walliser Zenden wurden die ehemals führenden Fam. de Leuca, Perrini, von Raron und Pontemallio durch neue regimentsfähige Geschlechter abgelöst: u.a. durch die Fam. Werra, Mageran, Allet, Ambühl, Albertini, Gasner, Mayenzet, Zen Ruffinen und Loretan. Der Marktflecken wurde in der Folge zum selbstbewussten Städtchen mit beachtl. Burgerhäusern und einer stattl. Kirche. Der im Westen durch die Dalaschlucht (Turm und Brücke aus dem 14. Jh.), im Süden durch die Rhone und im Osten durch die Feschelschlucht (Brücke von 1563) natürlich geschützte Ort war wiederholt Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen: 1296 siegten die bischofstreuen Landleute auf der sog. Seufzermatte über den Oberwalliser Adel (u.a. vom Turn, von Raron), der durch Berner Oberländer unterstützt wurde. 1386 verhinderten die Leuker den Vormarsch des Gf. Amadeus VII. von Savoyen ins Oberwallis durch die Zerstörung der Dalabrücke. 1415 wurden während der Rarner Kriege Bischofsschloss und Viztumsturm von den Landleuten zerstört. Auf den Ruinen des Letzteren erbaute der Prismeller Ulrich Ruffiner 1541 das heutige spätgot. Rathaus. Während der Kämpfe gegen die Franzosen entging L. 1799 nach der Schlacht bei Pfyn nur knapp der Brandschatzung. Die 1999 gegr. Stiftung Schloss Leuk hat sich die stil- und fachgerechte Restaurierung des Bischofsschlosses Leuk, dessen Unterhalt und Verwaltung sowie die Förderung kultureller Anlässe zum Ziel gesetzt. Auf dem ma. Turm des Schlosses errichtete der Architekt Mario Botta eine gläserne Aussichtskuppel.

L. besass, wie archäolog. Untersuchungen belegen, schon im 6./7. Jh. eine Kirche, die vermutlich aus einem röm. Bau hervorgegangen war. Noch vor dem 9. Jh. wurde diese Kirche durch eine grössere Anlage ersetzt. Weitere Neubauten konnten für das 11. und 12. Jh. nachgewiesen werden. Aus dieser Zeit stammt auch der mächtige rom. Glockenturm. Die heutige, von Ulrich Ruffiner spätgotisch gebaute, reich mit Altären und Skulpturen ausgestattete Pfarrkirche St. Stephan wurde 1494 von Bf. Jost von Silenen eingeweiht. Im Beinhaus mit seinem Totentanzfresko fand man 1982 unter meterhoch aufgeschichteten Gebeinen 26 Statuen aus der Zeit vom 13. bis 16. Jh., darunter eine Pietà (14. Jh.) von ausserordentl. Qualität. Neben der Pfarrkirche verdienen die Wallfahrtskapelle Thel und die 1690-94 auf dem alten Pestfriedhof erbaute Ringackerkapelle Erwähnung: das Marienheiligtum, dessen Einsiedelei ca. 1720-1885 von einem Eremiten bewohnt wurde, ist einer der bedeutendsten Barockräume des Wallis.

Die Pfarrei L. wird 1227 erstmals urkundlich erwähnt. Sie umfasste ursprünglich den ganzen Zenden L. Erst nach 1500 entstanden Tochterpfarreien, u.a. 1501 Leukerbad, 1660 Gampel, 1663 Turtmann, 1962 Susten. In der 2. Hälfte des 16. Jh. neigten die führenden Leuker Fam. zum Protestantismus. Als der Walliser Landrat 1604 in Visp den Verbleib bei der kath. Konfession beschloss, zogen einzelne Fam. (Mageran, Ambühl) nach Bern, der Grossteil aber kehrte zum alten Glauben zurück.

Der Ortsteil Susten spielte durch seine Lage an der Landstrasse eine bedeutende Rolle im ma. Durchgangsverkehr. Sustengebäude haben sich keine erhalten. Östlich von Susten steht das einstige Schloss Perrini-von Werra, das in jüngerer Zeit in ein Altersheim umgewandelt wurde.

Die wirtschaftl. Grundlage des Fleckens L. war neben dem Warentransport, der bis ins SpätMA sehr bedeutend war, die Landwirtschaft (Viehhaltung, Alpwirtschaft, Weinbau). Der Landbesitz der Gem. umfasst einen grossen Teil des Pfynwalds, den als Golfplatz umgenutzten Leuker Grund, Wälder im Gebiet der Voralpen und die Alpen Grächten, Meschler, Märitschi und Ill sowie grosse, Anfang des 21. Jh. brandgeschädigte Wälder am Leuker Sonnenberg und im Talgrund. Die Kiesentnahme an der natürlich fliessenden Rhone im Pfynwald wurde aus Naturschutzgründen in den 1970er Jahren eingeschränkt. Der 1928 begonnene Kalksteinabbau an der Rhone in Susten wurde inzwischen aufgegeben. 2005 besass L. noch zehn hauptberufl. Landwirte und sieben Weinkellereien. Die Alusuisse-Werke (heute Alcan AG) in Chippis und Steg boten nach 1908 auch vielen Leukern Arbeitsplätze. Die 1915 in Betrieb genommene Leuk-Leukerbad-Bahn wurde 1967 auf Busbetrieb umgestellt. 2005 erhielt das Bahnhofsquartier Susten ein neues Gesicht: eine neue Bahnbrücke über die Rhone, einen neuen Bahntunnel in Richtung Salgesch und ein neues, etwas ostwärts versetztes Bahnhofsgebäude. L., das während Jahrhunderten zentraler Verwaltungsort der Region war, ist Anfang des 21. Jh. noch Schul-, Gerichts- und Dienstleistungszentrum und ist dank der Satellitenbodenstation SES (International Teleport Switzerland AG) mit ihren weithin sichtbaren Riesenantennen ein interkontinental bedeutendes Telekommunikationszentrum (Baubeginn 1972).


Literatur
– G. Carlen et al., «Kunsthist. Inventar der Stadt L. », in Vallesia 30, 1975, 81-168
– G. Descœudres, «Materialien zur Pfarrei- und Siedlungsgesch. von Leuk», in Vallesia 39, 1984, 139-238
– H.R. Ammann, «Das Vizedominat von L.», in BWG 18, 1985, 415-465
– H.R. Ammann, «Meiertum und Meier von L.», in BWG 19, 1987, 209-231
– H.A. von Roten, «Zur Gesch. der ref. Gem. L. 1560-1651», in Vallesia 46, 1991, 39-66
– R. von Werra, «L. im späten MA», in Vallesia 49, 1994, 1-137

Autorin/Autor: Alois Grichting