03/11/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Erschmatt

Polit. Gem. VS, Bez. Leuk. Dorf auf 1230 m in den sog. Leuker Sonnenbergen, mit dem (einst wohl ganzjährig bewohnten) Maiensäss Brentschen auf 1540 m. 1328 Huers, 1357 Hoers, mundartlich bis heute Eersch. 1802 180 Einw.; 1850 194; 1900 323; 1950 267; 2000 302. Grabfunde aus der Eisenzeit oberhalb des Dorfes (1. Jh. v.Chr.) und aus der Römerzeit (1. Jh. n.Chr.) am östl. Dorfausgang am alten Kirchweg von Bratsch. 1535 erste Gemeindestatuten. Bis 1798 gehörte E. zum Zenden Leuk. Kirchlich unterstand E. bis 1710 der Pfarrei Leuk und wurde dann eine eigenständige Pfarrei. 1710-12 wurde die Kirche gebaut, vermutlich am Standort einer älteren Kapelle. Über den Feschelbach bei E. führt eine Bogenbrücke, die sog. Hohe Brücke oder Teufelsbrücke; sie wird 1563 als "neue Brücke" erstmals erwähnt. Am östl. Brückenkopf wurde 1691 eine Kapelle gebaut. Die seit 1966 bestehende Betonbrücke ist Teil der Autostrasse nach Leuk, die E. mit dem Rhonetal verbindet; die etappenweise realisierte Strasse erreichte E. bereits 1956. Die Lage E.s auf der Sonnenseite des Rhonetales begünstigte die Kleinlandwirtschaft, die sich mit Ackerbau, Viehzucht, Milchwirtschaft und Weinbau von der Talsohle (Reben auf 500 m) bis zur Alpstufe (2000 m) erstreckte. Die sog. obere und untere Zelg mit Roggenanbau auf ausgedehnten Terrassierungen (ca. 1200-1500 m) und einjähriger Brache (Zweizelgenwirtschaft) wurden bis in die 1960er Jahre kultiviert. Über Jahrzehnte wurde die Berglandwirtschaft von Arbeiterbauern weitergeführt, die ab 1897 einen Teil ihres Auskommens in der Lonza in Gampel, ab 1908 in der Alusuisse in Chippis und ab 1963 v.a. in der Alusuisse in Steg fanden. Allmählich wurde die Landwirtschaft extensiviert, aus Arbeiter- wurden Hobbybauern. Inzwischen sind die Getreideäcker verbuscht oder werden als Schafweiden genutzt. Der Tourismus ist nur schwach entwickelt (1998 keine Hotels, 80 Zweitwohnungen, wovon nur 6 fremdvermietet wurden).


Literatur
– G. Budmiger, E., 1970
– P. Jossen, E., Bratsch und Niedergampel im Zenden Leuk, 1970

Autorin/Autor: Werner Bellwald