15/10/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken

Hérémence

Polit. Gem. VS, Bez. Hérens, zu der die links der Borgne und der Dixence verstreut gelegenen Weiler Ayer, Euseigne, Mâche, Pralong, Riod und Cerise gehören. Ihr Gebiet umfasst das ganze Tal der Dixence; sie ist damit eine der grössten Gem. in den Walliser Seitentälern. Im unteren Teil des gleichnamigen Tals liegt das Dorf H. hoch über dem Zusammenfluss der beiden Bäche. 1195 Aremens. 1850 1'137 Einw.; 1900 1'101; 1930 1'736; 1950 1'648;1960 1'868; 2000 1'294. Die Gem. gehörte zum Gebiet von Bramois, das 515 in den Besitz der Abtei Saint-Maurice kam. Um 1100 wurde es dem Viztum von Sitten unterstellt, hatte aber seinen eigenen Meier. 1268 gelangte es unter savoy. Herrschaft und wurde der Kastlanei Conthey angegliedert. Die Entfernung und die fehlende Verbindung zu Conthey machten aber seine Kontrolle schwierig und sicherten ihm eine recht weitgehende Autonomie. Trotz gewisser Privilegien standen die Bewohner von H. der Herrschaft Contheys ablehnend gegenüber und wünschten, unter das Sittener Banner zurückzukehren. An der Grenze zwischen savoyischem und Walliser Territorium gelegen, zahlte H. in den versch. regionalen Konflikten jeweils einen hohen Tribut. Die Gem. nützte die günstige Gelegenheit, die sich nach dem Sieg der Landschaft Wallis in der Schlacht auf der Planta und der Eroberung von Teilen des Unterwallis (1476-76) bot, und ersuchte um Wiederunterstellung unter Sittener Herrschaft, was der Walliser Landrat 1513 gewährte und 1526 bestätigte. 1665 wurden die Gem. Nendaz und H. in einem grossen Meiertum vereinigt. Nach der Revolution im Unterwallis und dem Einfall der Franzosen 1798 wurde H. Hauptort eines Distrikts, 1802 eines Zenden und 1810 des Kantons gleichen Namens. Letzterer wurde 1815 in den Zenden Hérens und 1848 in den Bez. Hérens umgewandelt (Hauptort Vex).

Im 12. Jh. soll H. zur Pfarrei Saint-Pierre-hors-les-Murs von Sitten gehört haben. Die ab 1211 erw. Kirche gehörte sicher zu einer selbstständigen Pfarrei. Sie wurde aber 1343-1438 vom Pfarrer von Vex betreut, bis der Bf. von Sitten auf Ersuchen der Kirchgenossen von H. auf dem Konzil von Basel im Jan. 1438 die Trennung der Güter beschloss (in diesem Zusammenhang ist die Pfarreikirche Saint-Nicolas bezeugt). In der Folge entstanden - dem Streusiedlungscharakter entsprechend - in den versch. Teilen der Gem. Kapellen, im 16. Jh. Saint-Georges in Euseigne, im 17. Jh. Saint-Sébastien in Riod und Saint-Barthélemy in Pralong sowie im 18. Jh. Sainte-Marie in Ayer. Die Kapellen Saint-Jean in Le Chargeur (1929) und Sainte-Barbe in Mâche erinnern an den Bau der Dixence-Staumauern und die beteiligten Arbeiter. 1967-71 wurde eine neue Pfarrkirche erstellt.

H. blieb lange eine relativ arme Gemeinde. Nach dem Bau einer ersten Staumauer (1929-35) gab die Errichtung der Grande Dixence (1950-64) der lokalen Wirtschaft neue Impulse und verschaffte der Gem. beträchtl. Einnahmen. Wegen der Zuwanderung der Arbeiter - darunter waren viele Immigranten - wuchs die Bevölkerung vorübergehend an. Neben den Erdpyramiden von Euseigne stellt die Staumauer eine wichtige Touristenattraktion von H. dar.


Literatur
– A. Bourdin, H. et son passé, 1973
Kunstführer durch die Schweiz 2, 1976, 289 f.
– F.O. Dubuis, A. Lugon, De la mission au réseau paroissial, 2002, 186-189

Autorin/Autor: Bernard Monnet / AHB