• <b>Bistümer</b><br>Quellen: Historischer Atlas der Schweiz, hg. von H. Ammann, K. Schib,  <SUP>2</SUP> 1958, 13; Helvetia Sacra I/1, 1972, 82; Atlas zur Kirchengeschichte, 1987, 97  © 1996 HLS und Kohli Kartografie, Bern.
  • <b>Bistümer</b><br>Quelle: Karte von Brigitte Degler-Spengler, in: Itinera 16, 1994, 25  © 2017 HLS und Kohli Kartografie, Bern.

Bistümer

Der Ausdruck Bistum bzw. das mittelhochdt. bischoftuom kam im Lauf des MA als Synonym zu dem Begriff Diözese auf, der im lat. Westen ab dem 5. Jh. zur Bezeichnung eines Bischofssprengels verwendet wurde.

1 - Römisch-katholische Kirche

In der röm.-kath. Gesamtkirche sind B. (oder Diözesen) Teilkirchen, die von einem Bischof im Zusammenwirken mit dem Presbyterium geleitet werden. Für die Errichtung, Aufhebung und Veränderung der in der Regel territorial umschriebenen B. ist in der lat. Kirche der Apostol. Stuhl (Heiliger Stuhl) allein zuständig. Gegebenenfalls sind -- wie in der Schweiz -- Vereinbarungen mit dem Staat zu beachten. Im Regelfall ist jedes Bistum einer Kirchenprovinz (Erzbistümer) eingegliedert. Exemte, d.h. dem Apostol. Stuhl direkt unterstellte B. bilden die Ausnahme. Nach innen ist jedes Bistum in Pfarreien gegliedert, die ihrerseits in Dekanaten zusammengefasst sein können.

Auf dem Gebiet der Schweiz reichen die Anfänge der B. in die Spätantike zurück. Erstmals bezeugt sind sie durch Namen einzelner Bischöfe, die an Synoden teilnahmen, sowie durch Bischofssitze in Chur (belegt 451), Martigny (belegt 381, später verschoben nach Sitten) und Genf (belegt 441). Ein Bischofssitz in der Civitas Rauracorum (Augusta Raurica) ist wahrscheinlich (belegt für das Castrum Rauracense 346). In der Civitas Helvetiorum ist für das 6. Jh. ein Bistum in Lausanne nachweisbar, das vielleicht von Vindonissa-Aventicum nach Süden hin transferiert wurde. Eine frühma. Gründung ist das um 600 wohl zum Zweck der Alemannenmission errichtete Bistum Konstanz, zu dem bis 1815 fast die gesamte deutschsprachige Schweiz gehörte. Die Reformation führte zum Verlust der Bischofssitze Basel (ab 1528 in Pruntrut), Lausanne (ab 1615 in Freiburg) und Genf (ab 1568 in Annecy).

<b>Bistümer</b><br>Quellen: Historischer Atlas der Schweiz, hg. von H. Ammann, K. Schib,  <SUP>2</SUP> 1958, 13; Helvetia Sacra I/1, 1972, 82; Atlas zur Kirchengeschichte, 1987, 97  © 1996 HLS und Kohli Kartografie, Bern.<BR/>
Bistümer und Kirchenprovinzen um 1300
<b>Bistümer</b><br>Quelle: Karte von Brigitte Degler-Spengler, in: Itinera 16, 1994, 25  © 2017 HLS und Kohli Kartografie, Bern.<BR/>
Bistumseinteilung der Schweiz 2017

Die heutige Diözesaneinteilung ist Ergebnis der Entwicklung im 19. Jh. Die Franz. Revolution und die Säkularisation der Reichskirche 1802/03 zerstörten die jahrhundertealte Ordnung der grenzübergreifenden B. und Metropolitanverbände. Im Zug der kirchl. Neuordnung nach nationalstaatl. Prinzipien erfolgte 1801 die Aufhebung des Bistums Genf. Dessen Titel wurde 1821 mit dem Bistum Lausanne vereinigt, dieses wiederum 1924 zum Bistum Lausanne-Genf-Freiburg mit Sitz in Freiburg erhoben. Die Abtrennung der Schweizer Quart vom Bistum Konstanz führte 1815 einen Zustand herbei, der insofern fortdauert, als die Gebiete einzelner Kantone nur provisorisch einem Bistum zugeteilt werden konnten. 1823 kam es zur Bildung des kurzlebigen Doppelbistums Chur-St. Gallen. Nach dessen Aufhebung 1833/36 erfolgte 1847 die Errichtung des Bistums St. Gallen, von dem seit 1866 auch die Kt. Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden provisorisch administriert werden. Der Kt. Schwyz trat 1824 dem Bistum Chur bei, unter dessen provisor. Administration seit 1819 ausserdem die Kt. Uri, Unterwalden, Glarus und Zürich stehen. 1828 erfolgte die Neugründung des Bistums Basel mit Sitz in Solothurn, das zunächst die Kt. Luzern, Bern (nur kath. Jura), Zug und Solothurn umfasste. In dieses Bistum wurden 1829 die Kt. Aargau, Thurgau und Basel (nur kath. Birseck), 1864 der gesamte Kt. Bern, 1978 die Kt. Basel-Stadt (das linksrhein. Gebiet), Basel-Landschaft (ohne Birseck) und Schaffhausen, 1981 der Kt. Jura eingegliedert. Als bisher letztes Bistum wurde 1971 das Bistum Lugano errichtet, nachdem das Tessin in Ausführung des Bundesbeschlusses von 1859 vom Erzbistum Mailand und vom Bistum Como abgetrennt und seit 1884/88 durch den Bf. von Basel administriert (bis 1968) worden war. Somit bestehen in der Schweiz sechs B., die dem Apostol. Stuhl direkt unterstellt sind und seit der 1997 erfolgten Abtrennung des Fürstentums Liechtenstein vom Bistum Chur nur mehr schweiz. Gebiet umfassen: Basel, Chur, Lausanne-Genf-Freiburg, Lugano, St. Gallen und Sitten. Hinzu kommen als bistumsähnl. Teilkirchen die beiden exemten Territorialabteien Einsiedeln und Saint-Maurice.

Autorin/Autor: Franz Xaver Bischof

2 - Christkatholische Kirche

Die 1871-76 sich konstituierende Christkatholische Kirche der Schweiz ist seit 1876 als vom Bundesrat anerkanntes, landesweites Bistum mit dem Bischofssitz Bern und einem bischöfl. Vikar in Lancy verfasst.

Autorin/Autor: Urs von Arx

Quellen und Literatur

Literatur
  • Römisch-katholische Kirche

    HS I
    TRE 6, 697-709
    Hb. des kath. Kirchenrechts, hg. von J. Listl, H. Schmitz, 21999, 420-425
    LThK 3, 255 f.
  • Christkatholische Kirche

    – Ökumen. Kirchengesch. der Schweiz, hg. von L. Vischer et al., 1994 (21998)