24/10/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken

Evolène

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Polit. Gem. VS, Bez. Hérens. Die Gem. wurde 1882 geschaffen, als die Gem. Hérens in E. und Saint-Martin aufgeteilt wurde. Das sehr grosse Gemeindegebiet von E. erstreckt sich vom oberen Teil des Val d'Hérens (Borgne-Fluss) bis zur ital. Grenze. Es umfasst die Dörfer E., Villa, La Sage, La Forclaz, Les Haudères und Arolla sowie das Vallon de Ferpècle. 1250 Ewelina, 1444 in loco de Evolena. 1850 1'040 Einw.; 1900 1'208; 1910 1'300; 1950 1'315; 2000 1'522.

Felszeichnungen und Schalensteine, Höhlen aus der Jungsteinzeit, der frühen Bronzezeit und der Latènezeit. Im MA gehörte Hérens den Herren von Bex, Vasallen der Savoyer. Das Gebiet wurde zwischen dem Domkapitel Sitten, der Mistralie Ayent und den Herren von Raron mehrmals getauscht oder verkauft. Im 14. und 15. Jh. liessen sich zahlreiche Fam. aus Zermatt in E. nieder; 1498 waren zwei Drittel der Einwohner deutschsprachig. E. unterhielt enge Beziehungen mit dem Aostatal und hatte aufgrund mehrerer Übereinkommen einen Viehweideplatz in Aosta. 1517 beschloss der Walliser Landrat, den Collonpass aufzugeben, da er dessen Verteidigung als zu schwierig erachtete. Die Einwohner von Hérens wehrten sich dagegen, forderten die Erhaltung der Passstrasse und versprachen, den Übergang selber zu verteidigen. Um 1550 anerkannte Bf. Johannes Jordan die Freiheiten (franz. coutumes) von E. und Saint-Martin. Ab dem 16. Jh. kaufte die Gem. E. die Feudalabgaben auf. Im 19. Jh. spürte E. die Folgen der polit. Auseinandersetzungen. So hatte die Gem. Hérens in den 1840er Jahren zwei Räte, einen konservativen und einen liberal-radikalen. 1881 wurden die gemeinsamen Güter zwischen E., Saint-Martin und den im folgenden Jahr abgetrennten Gemeinden aufgeteilt. Kirchlich gehörte E. bis 1722 zu Saint-Martin, danach wurde es eine eigene Pfarrei. 1445 hatten 101 Familienoberhäupter auf ihre Kosten den Bau einer Kirche veranlasst; die Kapelle (St. Johannes und Theodul) wurde 1448 geweiht. 1849 wurde in La Sage eine Kapelle errichtet; 1850 versorgte ein Chorherr des Grossen St. Bernhard Villa, La Forclaz und La Sage. Bis 1950 lebten die Bewohner E.s v.a. von der Berglandwirtschaft (Eringerkühe), doch betrieb die Gemeinde auch Blei- und Kupferminen und baute Serpentinstein ab. Die Eröffnung des Hotels Dent Blanche brachte 1860 den Tourismus in die Region, der in der 2. Hälfte des 20. Jh. einen Aufschwung erlebte (Ski, Hängegleiter) 1950 verkaufte E. seine Wassernutzungsrechte an die Grande Dixence SA. Als traditionsreiche Gemeinde gehört E. zu den letzten Orten der Westschweiz, wo noch Dialekt (franz. patois) gesprochen wird.


Literatur
– A. Gaspoz, Monographie d'E., 1950
– A. Maistre, Simples notes sur E. et son passé, 1971

Autorin/Autor: Bernard Monnet / MD