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Ayent

Polit. Gem. VS, Bez. Hérens, auf Hangterrassen rechts der Rhone, bestehend aus den Siedlungen Botyre, Luc, Saxonne, La Place, Blignou, Fortunau, Saint-Romain, Signèse, Villa, Argnou und der Touristenstation Anzère (ab 1969 inmitten von Alpweiden auf 1500 m entstanden). Ein Dorf namens A. gibt es nicht. 1052 Agent, 1250 Argenta. 1850 1'099 Einw.; 1900 1'450; 1950 2'289; 2000 3001. Gräber aus dem späten Neolithikum, der frühen Bronzezeit, der Latènezeit und dem FrühMA. 1052 sind in A. eine Herrschaft und eine Burg belegt. Die komplexe hochma. Gesch. des Ortes ist noch nicht aufgearbeitet. 1376-1798 gehörte A. dem Bf. von Sitten, der es einem Kastlan unterstellte. Die 1257 erstmals erw. Dorfgemeinschaft gliederte sich im MA in die Drittel Luc, Botyre und Arbaz. Auseinandersetzungen mit Lens, Grimisuat und Arbaz prägten die Gesch. A.s. 1877 löste sich Arbaz polit. von der Gem. ab. Der Weg über den früher wichtigen Rawilpass führt durch die Gem. Der noch im 19. Jh. mehrfach ausgebesserte Saumpfad hat allerdings seine Bedeutung allmähl. eingebüsst. Die 1892 und 1918 erbaute Strasse Sitten-A. ist heute bis zum 1956 errichteten Rawil-Staudamm (Lac de Tseuzier) befahrbar. 1909 wurde das Elektrizitätswerk an der Lienne fertig gestellt. 1910 war A. noch stark landwirtschaftl. geprägt. Anzère bietet die meisten Arbeitsplätze im 3. Sektor.

Das Priorat Saint-Romain, das als erste Benediktinerniederlassung im Wallis 1107 belegt ist, hing von der Abtei Ainay in Lyon ab. Im März 1379 wurde das Priorat Granges demjenigen von A. einverleibt; A. blieb Sitz des Priors, der 1431 die Verwaltung dem Leutpriester von A. übertrug. Offen bleibt, ob die erstmals 1279 erw. Pfarrei A. (Saint-Romain) von Beginn weg mit dem Priorat Saint-Romain verbunden war, wie dies für 1329 belegt ist. Die Kapelle von Argnou, im späten 10. oder in der 1. Hälfte des 11. Jh. erbaut, könnte eine letztl. von Sitten abhängige Filiale gewesen sein. 1620 wurde das Priorat dem Domkapitel von Sitten verkauft. Dieses veräusserte 1859 seinen Besitz. Die bestehende Kirche Saint-Romain wurde 1862 am Standort des Priorats erbaut.


Literatur
– M.-J. Udry Anzère, Liz. Freiburg, 1975
– F.-O. Dubuis, A. Lugon, «La chapelle Sainte-Marie-Madeleine d'Argnou», in Ann. val., 1985, 95-115
HS III/1, 357-375

Autorin/Autor: Danielle Allet-Zwissig / MS