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Kleinandelfingen

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Polit. Gem. ZH, Bez. Andelfingen. Zivilgemeinde bis 1965. Rechtsufriger Brückenkopf an der Thur, mit den Dörfern Oerlingen (Zivilgemeinde bis 1994) und Alten (Zivilgemeinde bis 1968). Um 1270 ex opposito Andolfingen ultra Thuram, 1303-09 Andolfingen ennunt der Ture, 1427 Minder Andellfingen, 1474 von cleinen Andelffingen. Oerlingen: 1241 in villa Oerlingin. Alten 1361 Alta. 1468 17 Haushalte; 1634 362 Einw.; 1850 1'114; 1900 1'036; 1950 949; 1970 1'202; 2000 1'821. Röm. Siedlungsspuren in Oerlingen (Bergli). Grosses frühma. Gräberfeld in Oerlingen, weitere frühma. Grabfunde in K.-Zelgli. Burgstelle Wesperspül südlich von Alten. Die Thurbrücke von K. nach Andelfingen wird 1324 erwähnt, die parallele Fähre war ein Lehen des Klosters Rheinau. Letzteres besass bis 1798 die Niedergerichte in K. Über die Rheinauer Güter in K. (ein Hof und sechs Huben) und Oerlingen (ein Hof) übte um 1300 Habsburg das Blutgericht und das Vogtrecht (mittlere Gerichtsbarkeit) aus. 1315 versetzte Habsburg die Vogtei von Oerlingen an die Truchsessen von Diessenhofen. Diese müssen vor 1420 auch die Vogtei des Dorfes K. erworben haben. Die Rechte der Truchsessen wurden in der Herrschaft Trüllikon zusammengefasst, die 1556 nach versch. Handänderungen zum Augustinerchorherrenstift Kreuzlingen kam. Anfang des 18. Jh. verloren die Kreuzlinger Lehensträger ihre Kompetenzen in K. weitgehend an die Landvogtei Andelfingen. Das ursprünglich habsburg. Blutgericht über das Dorf K. gelangte möglicherweise schon 1434, sicher vor 1489 als Teil der Herrschaft Andelfingen an den Stadtstaat Zürich. Oerlingen hingegen gehörte zur Grafschaft Kyburg, die 1424 bzw. 1452 zürcherisch wurde. Die polit. Gemeinde K. im heutigen Umfang entstand erst 1804. K. gehört zur ref. Kirchgem. Andelfingen. Eine spätma. Filialkapelle wird 1370 erwähnt; sie wurde in der Reformationszeit profaniert (1688 als Gemeindehaus erw.). Die 1939 erbaute kath. Kirche untersteht dem Pfarramt Oberstammheim. In der frühen Neuzeit erfolgte die Gemeindebildung in den einzelnen Fraktionen. Die Einzugsbriefe für Alten bzw. K. datieren 1542 und 1560. Gemäss dem Zehntenplan von 1661 waren 57% des Gemeindeterritoriums Ackerland und 42% Wald. Die Fischteichanlage des Klosters Rheinau, der 1426 belegte "Oerlingersee", ist noch auf der Kantonskarte Hans Conrad Gygers von 1667 auszumachen. 1850 wurden 170 Bauern, 50 Handwerker, 2 Baugeschäfte, 2 Schmiede sowie 2 Ärzte in K. gezählt; diese Statistik belegt somit eine beschränkte zentralörtl. Funktion. Der Thurübergang bei Alten wurde in der 2. Hälfte des 19. Jh. eingerichtet (1868-77 Steg, 1884 Stahlfachbrücke, seit 1992 Holzbrücke), eine Melioration in K. 1925-29 durchgeführt.


Literatur
– E. Stauber, Gesch. der Kirchgem. Andelfingen, 3 Bde., 1940-43
– A. Spaltenstein, Der stille Wandel, 1997
– A. Stebler-Cauzo, «Die frühma. Gräber von Oerlingen / Kleinandelfingen», in ZAK 54, 1997, 245-300
– O. Sigg, «Agrargeogr. und -soziale Beobachtungen des 15. bis 17. Jh. am Beispiel von K.», in Schweiz. Zs. für Forstwesen 157, 2006, 403-407

Autorin/Autor: Martin Illi