07/05/2010 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Bettelorden

Die B., auch Mendikanten (lat. mendicare = betteln) genannt, gingen aus den ma. Armutsbewegungen der Kirche hervor. Sie entstanden im Zuge der sozio-ökonomischen und sozio-kulturellen Wandlungen des 12. und 13. Jh. gleichzeitig mit dem Aufschwung der Städte. Ihr urspr. Ideal war die Verwirklichung der evang. Christusnachfolge durch ein einfaches Leben der Armut und Busse unter Verzicht auf Eigentum. Bereits im 13. Jh. entzündeten sich am Armutsideal und am damit verbundenen Bettelwesen der B. theologische Auseinandersetzungen, die auch im Gebiet der Schweiz geführt wurden (z.B. von Johannes Mulberg in Basel, Felix Hemmerli in Zürich). Zu den B. zählen primär die auch in der Schweiz angesiedelten neuen Orden des 13. Jh.: Augustiner Eremiten, Dominikaner, Franziskusorden (seit dem 16. Jh. zusätzlich die Kapuziner) und Karmeliten.

Das Betteln, einhergehend mit der Pastoration (Predigt, Spendung der Sakramente, Begräbnisrechte), sowie die Arbeit und Liebestätigkeit dienen zur Existenzsicherung. Mitglieder der B. binden sich im Sinn der mobilen Verfügbarkeit mit ihrem Gelübde zwar auf Lebenszeit an den jeweiligen Orden, nicht aber, wie bei den älteren monastischen und kanonikalen Gemeinschaften, an die betreffende Niederlassung. Die zeitlich befristeten Ämter der Oberen der nach Provinzen gegliederten B. beruhen auf dem Wahlrecht. Infolge der Seelsorge in Frauengemeinschaften wurden diese in die B. inkorporiert und klausuriert. Auf das Engagement der B. in Studium, Wissenschaft und Unterricht an Universitäten und eigenen Hochschulen sind viele prägende Einflüsse auf das Geistesleben des MA und der frühen Neuzeit zurückzuführen. Die Praktizierung des Armutsideals beim Kirchenbau bewirkte auch in den Schweizer Städten eine typische B.s-Architektur mit schlichten Saal- und Hallenkirchen.


Literatur
HS IV/5-6; V/1-2; VI
– W. Schenkluhn, Architektur der B., 2000
– D. Berg Armut und Geschichte, 2001
Bettelorden, Bruderschaften und Beginen in Zürich, hg. von B. Helbling et al., 2002

Autorin/Autor: Christian Schweizer