22/11/2010 | Rückmeldung | PDF | drucken

Ritzingen

Ehem. polit. Gem. VS, Bez. Goms. Das langgestreckte Dorf, auf einem Schuttkegel auf der nördl. Talseite des Goms gelegen, fusionierte 2000 mit Biel und Selkingen zur neuen polit. Gem. Grafschaft. 1802 132 Einw.; 1850 113; 1900 95; 1950 104; 1990 84. Das Dorf gehörte spätestens ab 1367 zum Freigericht der Grafschaft Biel. Im 13. Jh. schloss sich die von Ackerbau und Viehzucht lebende Bevölkerung zu einem Gemeinwesen zusammen, dessen Gewohnheitsrecht im 16. Jh. in sog. Bauernzünften verbrieft wurde (1539 Waldnutzung, 1543 Alp- und Allmeindnutzung, 1555 Burgerrechtssatzung, 1592 Wassernutzung). R. war nach Münster kirchgenössig und ist seit 1678 Teil der damals neu gegr. Pfarrei Biel. Die barocke Kapelle St. Anna wurde 1732 eingeweiht und Ende des 18. Jh. mit Deckengemälden geschmückt. Herzstück der Grafschaft Biel ist die ausserhalb des Dorfs R. stehende Wallfahrtskapelle Unsere Liebe Frau auf dem Ritzingerfeld. Die früheste Kapelle dürfte bis ins 15. Jh. zurückreichen, während der heutige Bau in der 1. Hälfte des 17. Jh. entstand. Vor dieser Kapelle wählte die Grafschaft Biel jeweils ihren Ammann. Ab Mitte des 20. Jh. wandelte sich die bis dahin fast ausschliesslich in der Landwirtschaft tätige Bevölkerung stark, so dass zu Beginn des 21. Jh. neben vereinzelten Bergbauern und wenigen Handwerkern die Mehrheit auswärts im Dienstleistungssektor arbeitete.


Literatur
Kdm VS 1, 1976, 351-382
– F. Kreuzer, Goms, 31995, 349 f.

Autorin/Autor: Robert Walpen