Reckingen (VS)

Ehemalige politische Gemeinde VS, Bezirk Goms, bildete 2004-16 mit Gluringen die Gemeinde Reckingen-Gluringen, seit 2017 Teil der neuen Gemeinde Goms. Als einzige Gommer Gemeinde lag R. auf beiden Seiten der Rhone. Sie zerfiel in drei kaum miteinander verbundene Siedlungen. 1225 Requinguen. 1802 390 Einw.; 1850 342; 1900 314; 1950 365; 2000 356. Mit dem Fund von Steingräbern der Hallstattzeit (500 v.Chr.) 1838 und von röm. Werkzeugen, Vasen und zwei Öllampen 1941 ist R. die oberste Siedlung im Goms, welche bis in vorgeschichtl. Zeit zurückverfolgt werden kann. Die romanisierte kelt. Bevölkerung wurde ab dem 8. Jh. von Alemannen überlagert. Die frühesten Herrschaftsrechte lagen beim Bf. von Sitten. Wirtschaftlich bedingte Zusammenschlüsse der bäuerl. Bevölkerung zur Verwaltung gemeinsamer Besitzungen wie Alpen und Allmeinen führten im 13. Jh. zur Gemeindebildung. 1266 kauften sich die Bewohner von R. von Abgabeverpflichtungen los und erwarben 1339 Herrschaftsrechte. Erste Gemeindesatzungen datieren aus dem 16. Jh. R. bildete eines der neun Viertel des Zenden Goms und eines der vier Viertel der ehem. Grosspfarrei Münster. 1696 erfolgte die Bildung einer eigenen Pfarrei. Aus einer 1414 erw. Kapelle entstand 1743-45 die Pfarrkirche Geburt Mariä, der bedeutendste spätbarocke Sakralbau im Oberwallis. Z.Z. des Kirchenbaus wurde R. Zentrum des Gommer Kunstschaffens mit Orgelbauern, Bildschnitzern und Glockengiessern. Eine Lawine riss 1749 das neue Pfarrhaus nieder und forderte mehrere Menschenleben. Zwei weitere Lawinen zerstörten 1970 mehrere Häuser und die 1690 erbaute Antoniuskapelle, verschütteten 48 Personen und forderten 30 Todesopfer. Nach dem 2. Weltkrieg verschwand das Gewerbe nach und nach und die Zahl der Kleinbauernbetriebe ging stark zurück. Zu Beginn des 21. Jh. spielte der Tourismus eine bedeutende Rolle. Zwei wichtige Arbeitgeber in R. sind das Hoch- und Tiefbauunternehmen Walpen und das VBS (Flabschiessplatz in Gluringen).


Literatur
Kdm VS 1, 1976, 267-330
R., Dorf und Pfarrei, 1995
– F. Kreuzer, Goms, 31995, 337-344

Autorin/Autor: Robert Walpen